Pulp Fiction

Filmdaten
Deutscher Titel: Pulp Fiction
Originaltitel: Pulp Fiction
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1994
Länge (PAL-DVD): 148 Minuten
Originalsprache: englisch
Altersfreigabe: FSK 16
Stab
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Roger Avary
Produktion: Lawrence Bender
Musik: diverse
Kamera: Andrzey Sekula
Schnitt: Sally Menke
Besetzung

Pulp Fiction (engl. "Schundliteratur") ist ein Episodenfilm, der zum Kultfilm wurde.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Der Film erzählt drei Geschichten, die unten chronologisch aufgeführt sind. (Die Geschichten sind hier der besseren Übersichtlichkeit wegen in chronologischer Reihenfolge angeordnet, der Schnitt des Films wird unten erläutert):

A: The Bonnie Situation

Die zwei Killer Jules und Vincent sollen sich bei drei ehemaligen "Geschäftspartnern" von Marsellus Wallace rächen und einen Koffer abholen. Nachdem sie zwei erschossen haben (Roger und Brett), stürmt der dritte ins Zimmer und schießt sein ganzes Magazin auf die beiden, ohne sie jedoch zu treffen. Er wird kurzerhand erschossen. Jules glaubt an ein Wunder und beschließt, seinen Beruf aufzugeben. Die beiden nehmen den ebenfalls anwesenden Marvin, der wie sie Mitarbeiter von Wallace ist, in ihrem Auto mit, aber während einer Diskussion über diese "göttliche Intervention" erschießt Vincent versehentlich Marvin. Das Auto muss von der Straße, da es im Inneren offensichtliche Spuren eines Gewaltverbrechens gibt, und wird zu einem Freund gefahren (Jimmie). Marsellus schickt Mr. Wolf, einen "Cleaner", um die Sache zu bereinigen. Das Interieur wird gereinigt, Jules und Vincent bekommen neue Kleidung. Anschließend wird das Auto zu einem Schrottplatz gebracht und entsorgt. Jules und Vincent besuchen anschließend ein Restaurant, das während ihres Besuches von "Pumpkin" und "Honey Bunny" (Yolanda) überfallen wird. Pumpkin geht rum und raubt die Gäste aus. Bei Jules angekommen fordert er den Koffer, diesem gelingt es jedoch die Oberhand zu gewinnen. Da er aber gerade eine "Entwicklung" durchmacht, überlässt er Pumpkin all sein Geld (1.500$, er kauft damit Pumpkins Leben, damit er ihn nicht töten muss) und lässt "Pumpkin & Honey Bunny" gehen. Jules und Vincent bringen den Koffer ihrem Boss Marsellus Wallace. Dort begegnen sie dem Boxer Butch, mit dem ihr Boss gerade einen getürkten Kampf besprochen hat.

B: Vincent Vega and Marsellus Wallace's Wife

Vincent kauft Heroin, setzt sich einen Schuss und holt Mia Wallace, die Frau des Chefs, ab. Um diese soll er sich während dessen Abwesenheit ein wenig kümmern. Die beiden gehen in ein Diner im Stil der 50er Jahre. Mia kokst und überredet Vincent, beim Twist-Wettbewerb mitzumachen.

Als Vincent Mia (inklusive Pokal -den sie, wie man später erfährt, aus dem Diner geklaut haben-) zu Hause absetzt, schwört er sich auf der Toilette, dass nichts weiter passieren wird. Unterdessen findet Mia in Vincents Mantel das Heroin, hält es für Koks, schnupft es und wird ohnmächtig. Als Vincent sieht, was passiert ist, bringt er Mia zu seinem Dealer, Lance, der für Notfälle eine Adrenalin-Spritze hat. Irgendwie schaffen sie es, Mia mittels eines Stichs mit der Spritze direkt ins Herz wiederzubeleben. Vincent bringt sie wieder nach Hause, der Boss soll nichts davon erfahren.

C: The Gold Watch

Butch, der Boxer, erinnert sich an einen Tag in seiner Kindheit, als ihm ein Kriegskamerad seines gefallenen Vaters eine Uhr überreichte... Jetzt hat er jedoch einen Boxkampf zu verlieren, denn dafür wurde er von Marsellus Wallace bezahlt. Er hat jedoch eigene Pläne und nutzt die Situation aus, um bei Wetten groß abzusahnen. Jetzt müsste er eigentlich fliehen, doch Fabienne, seine Freundin, hat die goldene Uhr seines Vaters, in Ihrer ehemaligen Wohnung, vergessen. Als er dort ankommt, wartet dort bereits Vincent auf ihn, den er erschießt, nur um zu allem Überfluss anschließend Marsellus Wallace persönlich zu treffen. Butch versucht ihn zu überfahren, baut aber anschließend selbst einen Unfall. Beide überleben und bekämpfen sich sofort wieder. Schließlich landen sie in einem Pfandleihhaus. Butch will Wallace, der bereits am Boden liegt, umbringen, doch der Ladenbesitzer streckt ihn nieder und ruft seinen Freund, den Polizisten Zed, hinzu.

Die nun folgende Szene ist die wohl einprägsamste im gesamten Film, da sie so skurril ist: Als die Beiden erwachen, finden sie sich gefesselt und mit Maulkorb zum Schweigen gebracht im Folterkeller des Hauses wieder. Es stellt sich heraus, dass der Pfandleiher sich bereits einen Sklaven hält. Zed erwählt sich nun Marsellus Wallace, um sich an ihm im Nebenzimmer zu vergehen. Während man laute Musik und Stöhnen aus dem Nebenzimmer hört, kann Butch sich befreien. Er will erst fliehen, kehrt dann aber doch um, wählt sich eine Waffe aus den Beständen des Geschäfts (Erst einen Hammer, dann ein Baseballschläger, anschließend eine Motorsäge und letztendlich ein Katana) und überwältigt schließlich die beiden Peiniger. Während der Ladenbesitzer sofort stirbt, erhält Zed nur einen Bauchschuss und ist kampfunfähig.

Butch und Wallace treffen eine Vereinbarung: Beide sind "quitt". Butch muss aber die Stadt für immer verlassen und über den Vorfall schweigen. Während Butch zu Fabienne eilen will, beschließt Marsellus Wallace dann ein "paar eisenharte, durchgeknallte Crack-Nigger" anzurufen, die "Mr., der bald den Rest seines kurzen Scheißlebens in unerträglichen Schmerzen verbringen wird, Vergewaltiger" mit "einer Kneifzange und einem Lötkolben" bearbeiten sollen.

Tarantinos Schnitt

Tarantino verwendet zwei eigentlich kleine schnitttechnische Kniffe, die die Geschichten aber bereichern, weil er sie dadurch miteinander verwebt und einen Rahmen schafft. Er fängt nicht mit dem Anfang von "A" an, sondern lässt den Film mit der vorletzten Szene von "A" beginnen - im Restaurant, aus dem Blickwinkel von Honey Bunny und Pumpkin. Diese Szene wird später noch einmal aus dem Blick von Jules und Vincent erzählt. Dann beginnt der Film den Anfang von "A" zu erzählen, macht einen Sprung nach vorne und erzählt das Ende von "A".

Dann folgen "B" und "C" ganz linear und chronologisch. Als Zuschauer kennt man durch diesen Kniff sowohl Vincent als auch Mia schon, auch der Boxer Butch ist einem schon begegnet.

Zum Schluss liefert Tarantino das nach, was er aus "A" ausgelassen hatte, wobei er zwei Szenen - die Schüsse auf Jules und Vincent, aus dem Blickwinkel des Kleingangsters, und die erwähnte Restaurantszene - ein weiteres mal erzählt.

Die Technik (grob gesagt A-B-C-A) ist einfach und wirkungsvoll: Tarantino klammert die Geschehnisse, er schafft Aha-Erlebnisse beim Zuschauer und erklärt - gemäß seinem Motto "Answers first, Questions later" ("Erst die Antworten, dann die Fragen") - Auffälligkeiten, wie die Hawaii-Klamotten der sonst cool gekleideten Gangster, quasi im Vorbeigehen zu einem späteren Zeitpunkt.

Kultstatus

Pulp Fiction gilt als ein Kultfilm. Nachdem Tarantino mit Reservoir Dogs auf dem Sundance Film Festival bereits Erfolge feiern durfte, wurde sein neues Werk gespannt erwartet. Das Besondere an Pulp Fiction ist die Diskrepanz zwischen den ungewöhnlichen Handlungen der Helden - sie sind größtenteils Schwerverbrecher - und den normalen, ja geradezu seichten Unterhaltungen, die sie führen. Beispielsweise gibt es die Szene, in der sich Vincent und Jules auf die Ermordung einiger Männer vorbereiten. Sie nehmen und prüfen ihre Waffen, ihre Unterhaltung dreht sich aber um Mia Wallace, die Frau vom Boss, und darum, ob Fußmassagen erotisch sind. Diese besondere Art von Humor zeichnet Pulp Fiction aus.

Interessantes und Triviales

Anspielungen auf andere Filme

Erwähnenswerte Requisiten

Triviales

Der Inhalt des Koffers

Der Koffer, für den 4 Menschen sterben müssen und der auch Vincent und Jules beinahe das Leben kostet, ist Anlass zu vielen Spekulationen. Als Zuschauer kann man nie in den Koffer hineinsehen, nie den Inhalt sehen. Allerdings fällt das Leuchten aus dem Koffer auf. Alle, die hineinschauen, sind abgelenkt und müssen jeweils zweimal gefragt werden, bevor sie antworten. Auf die Frage: 'Was ist das?' antwortet Pumpkin: 'Ist wunderschön.' Außerdem kann man sehen, wie Vincent die Kombination 666 einstellt, um den Koffer zu öffnen. Bekanntermassen ist das die Zahl des Antichristen.

Was aber ist nun im Koffer?

Eine Theorie ist, dass Marsellus Wallace dem Teufel seine Seele verkauft hat. Dieser hat sie am Nacken entnommen, weshalb Wallace dort ein Pflaster trägt (zu sehen beim Gespräch mit Butch). Durch einen Deal hat aber Wallace seine Seele zurückgekauft. Da der Koffer vom Teufel kommt, ist die Kombination 666. Da Vincent und Jules die Seele zu seinem rechtmäßigen Besitzer zurückbringen sollen, hält Gott die Kugeln auf, die die beiden eigentlich treffen sollten. Später wirkt dieser besondere Schutz nicht mehr.

Das aber ist nur eine mögliche Theorie und soll nicht vom sicherlich unterhaltsamen Spekulieren abhalten.

Einer weiteren Theorie zufolge besteht der Inhalt des Koffers aus den Diamanten, die in Tarantinos Film Reservoir Dogs gestohlen wurden.

Eigenen Angaben zufolge weiß Tarantino selbst nicht, was in dem Koffer ist, hat aber gegrinst, als Fans ihm die Theorie mit der Seele erläutert haben... Uma Thurman soll auf die direkte Frage einmal mit "eine Lampe" geantwortet haben (siehe dazu: MacGuffin).

Ezechiel 25,17

Das angebliche Bibelzitat Ezechiel 25,17 wird von Jules im Film zweimal benutzt. Einmal, bevor er Brett erschießt und einmal, während er Pumpkin einen Vortrag über seinen Sinneswandel hält. Es wurde allerdings von Quentin Tarantino und Roger Avary ersonnen. Der Auftragskiller Jules benutzt diesen Spruch, bevor er seine Opfer erschießt.

Ezekiel 25:17 im englischen Original

"The path of the righteous man is beset on all sides by the inequities of the selfish and the tyranny of evil men. Blessed is he who, in the name of charity and good will, shepherds the weak through the valley of the darkness. For he is truly his brother's keeper and the finder of lost children. And I will strike down upon thee with great vengeance and furious anger those who attempt to poison and destroy my brothers. And you will know my name is the Lord when I lay my vengeance upon thee."

Ezechiel 25,17 in der deutschen Synchronisation

"Der Pfad der Gerechten ist zu beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet sei der, der im Namen der Barmherzigkeit und des guten Willens die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet. Denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder. [Und da steht weiter] Ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen meine Brüder zu vergiften und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, daß sie erfahren sollen: Ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe."

Herkunft

Tatsächlich gibt es bei Ezechiel im 25. Kapitel bei besonders strukturierten Ausgaben der Bibel einen 17. Vers. Dieser lautet aber tatsächlich: "Und ich werde durch Züchtigungen des Grimmes große Rache an ihnen üben. Und sie werden wissen, daß ich Jahwe bin, wenn ich meine Rache über sie bringe.". Der Spruch in Pulp Fiction jedoch ist aus verschiedenen Bibelstellen zusammen gesetzt und wurde teilweise frei erweitert. Eine nähere Beschreibung der Zitat-Bausteine findet sich auf der inoffiziellen deutschen Pulp Fiction Fansite.

Weblinks

20px Wikiquote: Zitate zu Pulp Fiction

See also: Pulp Fiction, 1950er, Adrenalin, Altersfreigabe, Analverkehr, Antichrist, Baseballschläger