Puls

left|25px|Begriffsklärung Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem medizinischen Begriff Puls. Weitere Bedeutungen siehe unter Puls (Begriffsklärung).

In der Medizin beschreibt der Puls (lat. pellere = schlagen; PPP: pulsum) überwiegend qualitativ die mechanischen Auswirkungen von Herzaktionen auf die direkte Umgebung oder deren Fortleitung in entferntere Regionen des Körpers durch das Gefäßsystem.

Inhaltsverzeichnis

Pulsarten

Man unterscheidet eine retrograde (rückwärts, gegen den Blutstrom) von einer anterograden (vorwärts, mit dem Blutstrom) Fortleitung der Herzaktion in den Gefäßen. Die retrograde Fortleitung bestimmt den Venenpuls ( siehe unten ), die anterograde Fortleitung den arteriellen Puls. Der arterielle Puls findet in der Medizin mehr Beachtung als der venöse Puls. Die Herzfrequenz wird häufig mit dem Puls gleichgesetzt, was inhaltlich nicht ganz richtig ist, da die Herzfrequenz nur ein Teilaspekt des Pulses ist. Der Puls gibt Aufschluss über die Häufigkeit des Herzschlages, seine Regelmäßigkeit, die Druckanstiegsgeschwindigkeit in den herznahen Gefäßen während der Systole, den absoluten Druck und das Füllungsvolumen der Gefäße. thumb|right|Pulsmessung am Handgelenk

Pulsstellen

Es gibt verschiedene Stellen am Körper, an denen man den arteriellen Puls leicht tasten kann.

Im Notfall ist der Leistenpuls bzw der Carotispuls am verläßlichsten tastbar, da er meist auch bei zentralisiertem Kreislauf nachweisbar ist.

Pulsqualitäten

Neben der wichtigen Aussage Puls tastbar oder Puls nicht tastbar zum Beispiel bei einem akuten Gefäßverschluß, unterscheidet man im wesentlichen drei Pulsqualitäten:

regelmäßig <-> unregelmäßig (Herzrhythmusstörung)
schnell <-> langsam
hart <-> weich (bei hohem oder niedrigem Blutdruck)

Der normale Ruhepuls liegt bei 50 bis 80 Schlägen in der Minute. Manchmal ist der peripher getastete Puls langsamer als die Herzfrequenz im EKG. Das hängt mit früh einfallenden Extraschlägen zusammen, die zu einer mechanisch unwirksamen Herzaktion führen. Man spricht dann von einem Pulsdefizit.

Der Ruhepuls eines professionellen Ausdauersportlers beträgt meistens zwischen 32 und 40 Schlägen pro Minute. Seltener ist ein Ruhepuls von weniger als 30 Schlägen pro Minute. Das Herz dieser Sportler ist dabei vergrößert. Das Lungenvolumen ist dabei ebenfalls häufig erhöht.

Venenpuls

Auch an den Venen gibt es einen schwachen Puls. Allerdings ist der Venenfluss von mehreren Faktoren abhängig, insbesondere von der Atmung, der Körperlage und der Körperaktivität und nicht so sehr vom zweigipfligen Venenpuls, der durch wechselnde Druckverhältnisse im rechten Vorhof des Herzens zustande kommt. Der Venenpuls wurde früher als Jugularvenenpulskurve aufgezeichnet und kann heute relativ leicht mit einem Dopplergerät an den verschiedensten Regionen des Körpers abgeleitet werden. Dazu muß allerdings die Dopplerfrequenz auf die niedrigen Flußgeschwindigkeiten im Venensystem umgeschaltet werden.

Die typische Venenpulskurve zeigt zwei markante Täler, die dem systolischen und diastolischen Zustrom zum Herzen entsprechen. Nur in einer kurzen Phase kommt es zu einem kurzen Rückstrom in die Venen, was sich in der Venenpulskurve als kleiner Berg manifestiert. Dieser Rückstrom entspricht der Vorhofsystole und wird als A-Welle bezeichnet. Dieser kurze Rückstrom ist allerdings nur bei Sinusrhythmus und intakter mechanischer Vorhofaktion vorhanden. Bei einer schweren Trikuspidalinsuffizienz strömt das Blut aus der rechten Herzkammer in der Systole in erheblichem Maß zurück in den rechten Vorhof und die vorgeschalteten Venen, so daß das systolische Tal der Venenpulskurve aufgehoben oder sogar umgekehrt als Berg erkennbar ist.

Eine ganz ähnliche Venenpulskurve läßt sich mittels Transösophagealer Echokardiografie (TEE) auch aus den Lungenvenen aufzeichnen. Sie kann zur Beurteilung des Schweregrades einer Mitralinsuffizienz herangezogen werden.

Siehe auch: Sinustachykardie

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See also: Puls, Arteria carotis, Arteria femoralis, Arteria radialis, Arterie, Blutdruck, Diastole, Druck (Physik)