Puntland
Puntland ist bzw. war ein am 23. Juli 1998 einseitig als "souverän" erklärter Staat in Somalia. Er umfasst das so genannte Horn von Afrika, also den Nordosten von Somalia. Hauptstadt ist Garoowe. Der Staat wurde bislang international nicht anerkannt und gehört völkerrechtlich weiterhin zu Somalia. Im engeren Sinne umfaßt der Teilstaat nur die drei somalischen Provinzen Bari (mit Bosasso), Nugaal (mit Garoowe) und Mudug (mit Galcaio).
Die Namensgebung ist abgeleitet vom sagenhaften Goldland Punt altägyptischer Überlieferungen, das sich am Horn von Afrika befunden haben könnte.
Heimatregion des Abdullahi Yussuf Ahmad
Die Separat-Republik war 1998 von dem ehemaligen Oberst Adullahi Yussuf Ahmad gegründet worden. 1997 bis 2000 saß Yussuf in einem instabilen Staatsrat mit Mogadischus "Präsident" Ali Mahdi Mohammed, den er zuvor bekämpft hatte. Als es in Puntland wegen geforderter Neuwahlen 2001 zur Konfrontation zwischen "Präsident" Yussuf und dem "Senat" des "Staates" kam, ersetzte letzterer den "Präsidenten" am 14. November 2001 durch dessen schärfsten innenpolitischen Gegner Jama Ali Jama aus Bosasso (in Nord-Puntland). Hinter diesem Machtkampf stand die anno 2000 in Mogadischu gebildete Übergangsregierung Somalias, die einen Zweifrontenkrieg gegen ein Bündnis der Puntland-Separatisten mit oppositionellen Warlords in Südwestsomalia verhindern wollte. Nur eine Woche später kehrte Yussuf, der sich zunächst nach Galcaio (in Süd-Puntland) zurückgezogen hatte, an der Spitze loyaler Truppen in die "Hauptstadt" zurück und erklärte sich zum Gegen-"Präsidenten".
Möglich wurde das durch direkte Waffenhilfe einiger Tausend Äthiopier, die von Addis Abeba zur Verstärkung im Kampf gegen die somalische Übergangsregierung geschickt worden waren. Bereits 1996 hatte Äthiopien mit Truppen in den somalischen Bürgerkrieg eingegriffen, 1997 das südwestsomalische Luuq (Lugh) besetzt und 1998 die Abspaltung "Puntlands" überhaupt erst ermöglicht. Bis Ende 2002 verhalfen die Äthiopier sowohl Yussuf zum vollständigen Sieg über Jama (Eroberung Bosassos im Mai 2002) als auch den Rebellen der Rahanwayn Resistance Army (RRA) unter Hassan Mohammed Nur Shatigudad bei der Eroberung Baidoas im Landessüden. 2003 stimmte Jamas Stellvertreter und Nachfolger einem Waffenstillstand, Yussuf im Gegenzug dazu einer Machtteilung zu. Da sich Jama aber vorübergehend in die eigentlich schon außerhalb Puntlands liegende Grenzregion Sanaaq zurückgezogen hatte, kam es Anfang 2004 auch zur bewaffneten Konfrontation mit Somaliland entlang der Grenze zwischen beiden abtrünnigen Republiken. Auch der Grenzverlauf zwischen Mogadischu und Garoowe ist nicht genau definiert.
Auf einer allsomalischen Friedenskonferenz in Kenia (ohne Teilnahme Somalilands) söhnte sich Ende 2004 aber die Übergangsregierung mit den meisten Warlords aus, neuer Präsident Somalias wurde ausgerechnet Abdullahi Yussuf Ahmad. Die Sezession Puntlands endete damit vorläufig, die Region strebt aber weiterhin nach Autonomie.
