Pygmäen
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Allgemein
Pygmäen ist eine Bezeichnung aus der anthropologischen Rassenkunde. Sie ist problematisch, weil sie als kolonial geprägter Sammelbegriff auf eine Vielzahl kulturell unterschiedlicher Gesellschaften - ca. 150.000 Menschen - in Zentralafrika angewandt wurde. Der deutsche Name leitet sich von dem altgriechischen Wort pygmaios ab, was soviel wie "eine Faust kurz" bedeutet und eine Art Zwerg in der griechischen Mythologie bezeichnet. Sprachkritiker wie Andriana Boussoulas empfehlen, den Begriff ersatzlos zu streichen und stattdessen die einzelnen Gesellschaften mit ihrem Eigennamen konkret zu benennen. Im kolonialen Sprachgebrauch werden Batwa Akka, Bakango, Batschwa, Efe, Mbuti/Bambuti, Binga, Bongo, Bagielli, Ba-Benjelle, Twa u.a. als P. bezeichnet.
Geschichte
DNS-Auswertungen weisen darauf hin, dass die Mbuti im Kongobecken einen der ältesten Stämme der Menschheit darstellen. Aus ihnen und aus der Gesellschaft der Khoisan in Botswana soll sich vor etwa 100.000 Jahren auf vielen Umwegen der moderne Mensch herausgebildet haben. Khoisan (oder Khoikhoin, was "Menschen" bedeutet) ist eine Sammelbezeichnung für Ju/'hoansi und Hai//om.
Siedlungsgebiete
Die Bevölkerung in Zentralafrika gelten als erste Siedler der heutigenZentralafrikanischen Republik, Ruandas, Gabuns und der Demokratischen Republik Kongo (früher Zaire). Sie leben heute wie damals als Jäger und Sammler. Zur Zeit (Stand 2004) soll ihre Zahl noch etwa 140.000 Personen betragen.
Gesellschaften
Bambuti, Binga, Bongo, Bagielli, Twa
Sie werden meist von der übrigen Bevölkerung des Landes diskriminiert und teilweise als Leibeigene gehalten.
Kleinwuchs
Bis ins frühe Teenageralter verläuft ihr Wachstum fast wie bei anderen Menschen, nur wachsen sie danach nicht mehr weiter. Mbuti, Khoisan, Bambuti, Binga, Bongo, Bagielli, Twa u.a. haben eine verringerte Produktion des Wachstumsfaktors IGF. Aber nicht bei allen Gruppen der Pygmäen zeigt sich diese genetische Besonderheit. Die durchschnittliche Körpergrösse erwachsener Pygmäen liegt bei Männern bei ca. 152 cm und bei Frauen bei 147 cm.
Sprachen
Sie sprechen verschiedene Bantusprachen, die mit den Sprachen der sie umwohnenden Völker verwandt sind, sich aber meist leicht von diesen Sprachen unterscheiden.
Lebensweise
Als Jäger und Sammler leben sie in kleinen Gruppen in den Urwäldern. Sie bilden monogame Kleinfamilien.
Perspektiven
Da die Urwälder immer stärker von anderen Menschen besiedelt bzw. zerstört werden, ist der natürliche Lebensraum dieser Gesellschaften gefährdet. Sie gelten als vom Aussterben bedroht.
Auch die sogenannten Negritos werden manchmal als "Pygmäen" bezeichnet.
Literatur
- Susan Arndt und Antje Hornscheidt (Hg.): Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. 2004, ISBN 3-89771-424-8
