Pygmalion

Pygmalion ist der Name eines Bildhauers aus der griechischen Mythologie und der Name eines Schauspiels von George Bernard Shaw. Außerdem ist er der Name eines Königs von Tyros, der möglicherweise den Ursprung der mythischen Geschichte darstellt. Über den Pygmalion von Tyros erzählt Vergil in seiner Aeneis.

Mythologie

Pygmalion, Sohn des Belus, ist ein einsamer Bildhauer, der eine Frau aus Elfenbein schnitzt, die er Galatea nennt. Er fleht Aphrodite an, die den liebeskranken Künstler erhört und Galatea Leben einhaucht. Bald darauf verlieben sich Galatea und Pygmalion und heiraten.

Nach Ovid (Metamorphosen Kapitel 10 Zeile 234) ist der Künstler Pygmalion von Zypern ein Frauenfeind, der mit großer Geschicklichkeit eine Elfenbeinstatue von großer Schönheit erstellt. Die Elfenbeinschönheit ist beinahe lebendig und bleibt doch ein Scheinbild. Am Festtag der Venus fleht Pygmalion zu der Göttin der Liebe und wird erhört. Die namenlose (den Namen Galatea erwähnt Ovid nicht) Frau aus Elfenbein erwacht zum Leben. Aus der Verbindung geht der Sohn Paphos hervor.

Antikes Epos

Aeneas und seine Flotte werden an die libysche Küste (Karthago) verschlagen, wo sie von Königin Dido aufgenommen werden. Dido gilt als die Begründerin Karthagos, nachdem sie ihre Heimatstadt Tyros (Tyre) in Phönizien verlassen musste. Dort hatte ihr Bruder Pygmalion ihren Ehemann Sychaeus aus Habgier ermordet. Pygmalions und Didos Vater war Belus, König von Tyros.

Schauspiel und Literatur

George Bernard Shaw benutzte die Grundidee aus der Mythologie für das Schauspiel, das ebenfalls Pygmalion genannt wird. Es erzählt die Geschichte des Professors Henry Higgins, eines selbstherrlichen Linguisten, der wettet, dass er eine Blumenverkäuferin, Eliza Doolittle, zu einer Herzogin der Londoner Gesellschaft machen könne, bloß indem er ihr beibringt, mit dem Akzent der hohen Gesellschaft zu sprechen. Bei einer Botschafter-Party gib er sie dann auch erfolgreich als Herzogin aus. Da sie von Higgins allerdings schlecht behandelt wird, wie ein Blumenmädchen aus der Gosse, was sie ja auch ist, verlässt sie ihn, ohne zu wissen, was sie tun wird. Das Stück endet hier.

Das Schauspiel löste damals einen Skandal aus, da das Stück für die damaligen Verhältnisse geradezu exzessiv oft Schimpfwörter verwendet. So benutzt Eliza einmal das damals ordinäre Wort „bloody“. Obwohl Eliza mit feinem Akzent sprechen kann, versteht sie wenig von dem, worüber man in der hohen Gesellschaft spricht. Als jemand sie fragt, ob sie zu Fuß nach Hause gehen würde, antwortet sie: „Verdammt unwahrscheinlich!“.

Das Schauspiel wurde später zu einem Musical und einem Film mit dem Namen My Fair Lady umgearbeitet.

Weitere literarische Bearbeitung erfuhr der Stoff bei Johann Jakob Bodmers Werk "Pygmalion und Elise" (1749), sowie Jean-Jacques Rousseaus Drama "Pygmalion" (1771).

Goethes Jugendgedicht "Pygmalion" (1767) und Franz von Suppés Operette "Die schöne Galathée" (1865) sind Varianten des Stoffes, die eine Bekehrung des Weiberfeindes Pygmalion vorführen.

Bei W.S. Gilbert ("Pygmalion and Galatea", 1831) und G.Kaiser ("Pygmalion" 1948) wird gegenüber der Überlieferung das Motiv der erneuten Versteinerung durchgespielt.

Siehe auch: Portal Mythologie, Pygmalion-Effekt

See also: Pygmalion, Aeneis, Aphrodite, Belus, Bildhauer, Dido (Antike), Elfenbein, Franz von Suppé, Galatea, George Bernard Shaw