Pylos
Pylos ist der Name zweier benachbarter Orte an der Westküste der Peloponnes in Griechenland. An einem dieser Orte befinden sich die Überreste eines großen mykenischen Palastes aus der späthelladischen Zeit. Der andere erlangte Berühmtheit in klassischer Zeit – durch den Sieg der athenischen Streitkräfte über Sparta und dessen Besetzung während des Peloponnesischen Krieges. Außer dem Namen Pylos, griechisch für „Tor“, haben die beiden Orte keine Gemeinsamkeiten.
Der mykenische Ort, der von Carl Blegen 1952 ausgegraben wurde, liegt nahe dem heutigen Ano Englianos etwa 9 km nordöstlich der Bucht von Navarino [Pilos?]. Blegen entdeckte hier den unbefestigten Palast eines mykenischen wanax, eines Königs. Blegen gab den umfangreichen mykenischen Palastruinen den Namen „Palast des Nestor“ nach dem gleichnamigen Herrscher über das „sandige Pylos“ in Homers Dichtung. Wir wissen nicht, ob dieser Palast tatsächlich der in Homers Dichtung erwähnte ist und ebenso wenig, ob Nestor wirklich gelebt hat. Allerdings belegen die von Blegen gefundene Linear-B-Tafeln eindeutig, dass der Ort von seinen mykenischen Bewohnern Pulos (pu-ro) genannt wurde. Zu Beginn des 12. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt zerstört. Nach dem 8. Jahrhundert v. Chr. wurde der Ort aufgegeben und geriet in klassischer Zeit in Vergessenheit. thumb|Karte der Distrikte des mykenischen Reiches von Pylos In den Linear B-Tafeln werden die Verwaltungsbezirke von Pylos erwähnt. Das Reich bestand demnach aus zwei Provinzen (Deweroaikoraja im Westen um Pylos und Peraikoraja im Osten um Leuktron). Diese Provinzen bestanden aus sieben bzw. neun Distrikten.
Der Ort aus klassischer Zeit liegt sehr wahrscheinlich im felsigen, heute Coryphasum genannten Vorgebirge an der Nordseite der Bucht von Navarino [Pilos?]. Dieser Ort nimmt eine herausragende Stellung in Thukydides' Geschichte des Peloponnesischen Krieges ein – aufgrund des dramatischen Erfolges, den der athenische Demagoge Kleon 425 v. Chr. mit der Erstürmung und Besetzung der Stadt erlangte, an der der athenische General Demosthenes gescheitert war. Kleons Sieg führte schließlich zur Gefangennahme einiger spartanischer Truppen auf der nahegeliegenden Insel Sphakteria (heute Sphagia). Eine detaillierte Beschreibung der Ereignisse wird bei Thukydides in Buch 4, Kapitel 2-41 gegeben. Die Gefangenen, die auf der Insel gemacht wurden, brachte man als Geiseln nach Athen. Die Sorge der Spartaner um ihre Rückkehr trug dazu bei, dass sie 421 v. Chr. dem Nikiasfrieden zustimmten (Thukydides 5, 15, 1). Bis 409 v. Chr. unterhielt Athen in Pylos eine Garnison.
