Qualität (Philosophie)
Die Qualität (lateinisch qualitatis : Beschaffenheit, Verhältnis, Eigenschaft) eigentlich: die Beschaffenheit - bezeichnet die Gesamtheit der wesentlichen Eigenschaften und Beziehungen von Objekten beziehungsweise Prozessen in einem bestimmten Zeitintervall, durch die sie sich von anderen Objekten beziehungsweise Prozessen unterscheiden können.
Zur Auffassung der Qualität in der Philosophie
In der Philosophie wird unter Qualität
- 1. jede der wesentlichen Eigenschaften eines Dinges
und
- 2. die Gesamtheit, das System, zu dem die Einzelqualitäten, die das Ding ausmachen, verbunden sind,
Zur Definition der Grundqualität und Gesamtqualität
verstanden. Man kann daher vom Standpunkt des Ganzen die Gesamtqualität als Wesens- oder Grundqualität bezeichnen, der gegenüber dann die einzelnen wesentlichen Eigenschaften Partialqualitäten sind, oder vom Teil, von der Einzelqualität ausgehen und die Gesamtheit der wesentlichen Eigenschaften eines Dinges als System von Qualitäten definieren. Durch ihre Einzelqualitäten unterscheiden sich die Dinge in bezug auf ihre einzelnen Eigenschaften; durch ihre Gesamtqualität unterscheiden sie sich als Dinge.
Umgekehrt ist jedes Ding, was es ist, ausgezeichnet durch seine Qualitäten, durch seine wesentlichen Eigenschaften. Durch die Qualitäten grenzen sich die Dinge voneinander ab. Da die Dinge Systeme von Qualitäten sind, zeigen sie ein für Systeme typisches Verhalten: sie sind mit sich relativ identisch, das heißt, verändern sich in bezug auf ihr Wesen nicht mit jeder Veränderung ihrer Parameter. Die Qualität ist also diejenige Bestimmtheit eines Dinges, die diesem eine relative Beständigkeit verleiht.
Zur Qualität der Objekte und Prozesse im Hinblick auf Wechselwirkungen
Im objektiven Wechselwirkungsprozess der Objekte und Prozesse mit anderen bilden nur die relativ invarianten Elemente, Beziehungen und Verhältnisse die Qualität solcher Systeme. Die Gesamtheit ihrer wesentlichen Eigenschaften, Merkmale und Beziehungen als System stellt die Qualität dar, durch die sich die Objekte und Prozesse von anderen unterscheiden beziehungsweise durch die ihre unterschiedlichen Zustände in verschiedenen Zeitintervallen charakterisiert sind. Durch ihre Einzelqualitäten unterscheiden sich die Objekte und Prozesse in bezug auf ihre einzelnen Eigenschaften, werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede vergleichbar, aber durch ihre Gesamtqualität werden Gegenstände und Erscheinungen voneinander abgegrenzt.
Zur historischen Auffassung von der Qualität
Als philosophische Kategorie wird Qualität ( griechisch poión) erstmals von Aristoteles verwendet, der darunter versteht, "vermöge dessen man (Etwas) so oder so beschaffen heißt" (Kategorien 8b). Qualitäten sind dasjenige, das "den Unterschied des Wesens" ausmacht (Metaphysik Δ 14, 1020a, 33). Aristoteles unterscheidet von der Qualität, die Unterschied des Wesens ist, Qualitäten als "Affektionen der bewegten Dinge .... und die Unterschiede der Bewegungen" (ebenda, 1020b, 15), wobei Qualität dasjenige ist, "bei dessen Veränderung man sagt, daß die Körper anders würden" ( ebenda, 1020b, 10).
Zu den Qualitäten der bewegten Dinge gehören die so genannten "passiven Qualitäten" wie Süßigkeit, Bitterkeit, Wärme, Kälte, Weiße, Schwärze und anderen, die für Aristoteles - wie alle Qualitäten - durch die Gegenstände, denen sie angehören, objektiv gegeben sind.
Zur Auffassung der Qualität in der Scholastik
Die scholastische Philosophie des Mittelalters geht bei ihrer Einteilung der Arten von Qualitäten im Wesentlichen auf Aristoteles zurück, nimmt jedoch außerdem die Existenz so genannter verborgener Qualitäten ( qualitates occultae) an, den Dingen eigene Kräfte, die als selbständige Wesenheiten betrachtet und zur Erklärung bestimmter Naturerscheinungen, zum Beispiel des Magnetismus, herangezogen werden.
Zur Auffassung der Qualität bei Galilei, Descartes, Newton, Locke
Unter dem Einfluss der Zweiteilung der Qualitäten bei Aristoteles, in der sich dessen Standpunkt zu der im Zeitalter der Sophistik geführten Diskussion um die Objektivität oder Subjektivität des Inhalts der Sinnesempfindungen niederschlug, unterscheidet Galileo Galilei in Anschluss an Demokrit, der als einzige Qualitäten der Atome deren Größe, Gestalt, Reihenfolge und Lagerung anerkennt, objektive und subjektive Qualitäten. Für objektiv hält Galilei die Bewegung, Figur, Größe und anderes der Dinge, für subjektiv hingegen und der Natur der menschlichen Sinnlichkeit entsprechend die Farben, Töne und anderes.
Auch Rene Descartes trifft diese Unterscheidung und wendet sich zugleich, wie auch später Isaac Newton und andere Naturwissenschaftler, gegen eine Anerkennung der mystischen okkulten Qualitäten der scholastischen Philosophie. Bei John Locke, der unter Qualität die Fähigkeit des Dinges, eine Empfindung im Bewusstsein zu erzeugen, versteht, findet die Unterscheidung zwischen objektiven ("primären") und subjektiven ("sekundären") Qualitäten ihren prägnantesten Ausdruck (siehe Lehre von den primären und sekundären Qualitäten).
Die Scheidung der Qualitäten in objketive und subjektive basiert auf dem mechanizistischen Materiebegriff, der Materie als das Ausgedehnte, Raumerfüllende definiert und demzufolge die Grenze eines Dinges nur als Grenze im Raum, als quantitative Abgrenzung beschreibt. Alles, was diesen Bedingungen nicht genügt, gilt nicht als objektiv-real, sondern der menschlichen Subjektivität verdankt. Die Einschränkung der objektiven Qualitäten der Materie auf wenige ihrer Eigenschaften wird auf nicht dialektische Weise durch die Bindung der übrigen Eigenschaften an das Subjekt ergänzt.
Zur Auffassung der Qualität bei Berkeley und Hume
Das aber birgt die Konsequenz in sich, die Qualitäten überhaupt zu subjektivieren und die logischen Widersprüche, die sich aus der dualistischen Lösung des Qualitätsproblems ergeben, auf subjektiv-idealistischer Ebene zu überwinden. Diesen Schritt vollzieht George Berkeley, der nicht nur die sekundären, sondern auch die primären Qualitäten konsequent an der Subjektivität der Sinne bindet. In gleicher Weise verfährt auch David Hume: nicht nur die sekundären Qualitäten sollen "nicht in den Dingen selbst existieren, sondern Vorstellungen der Seele ohne äußeres Urbild oder Muster, das sie darstellen", sein, sondern dasselbe soll "auch notwendig von den sogenannten ersten Qualitäten" gelten (Hume, Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand, XII, 1).
Zur Auffassung der Qualität bei Leibniz und Kant
Ein fruchtbarer Ansatz, die Bindung der Qualität an die räumliche Grenze des Dinges aufzuheben, findet sich bei Leibniz, der Materie nicht primär als das Ausgedehnte, sondern als wirkende Kraft definiert und ihr demzufolge die Fülle objektiver Eigenschaften zurückgeben kann, die ihr der Mechanizismus entzogen hatte. Auf dieser Grundlage wird es möglich, Qualitäten als Eigenschaften zu verstehen und die Grenzen der Dinge ganz allgemein in ihren unterschiedlichen Eigenschaften zu sehen. Für Leibniz sind zwei Dinge dann und nur dann miteinander identisch, wenn sie in allen Eigenschaften übereinstimmen (siehe Identitätssatz, Leibnizsches Identitätsprinzip).
Kants wesentlicher Beitrag zur exakten Bestimmung der Qualität liegt in derselben Richtung. Er unterscheidet an der Qualität die Momente der Realität, der Negation und der Limitation, wobei Realität und Negation als gegensätzliche Bestimmungen und die Limitation als ihre Synthese erscheint. Danach ist jede Bestimmung, die gesetzt wird, jede Qualität, zugleich eine Negation, indem mit der Bestimmung, was ein Ding ist, auch gesagt wird, was es nicht ist (dieser Ansatz findet sich auch bei Spinoza, siehe Negation). Qualität ist also als Einheit von Bestimmtheit und Negation immer auch Grenzsetzung oder Limitation.
Die Kategorien der Qualität sind jedoch für Kant - wie alle anderen Kategorien - nicht Bestimmtheiten, die den Dingen selbst zukommen, sondern a priori gegebene Schemata des menschlichen Verstandes, mit deren Hilfe der Mensch Ordnung in unsere Erfahrungen bringt. Wenn Kant der Qualität Realität zuschreibt, so meint er damit nicht, dass diese objektiv gegeben sind, sondern das Setzen einer Bestimmtheit, des Wesens eines Dinges durch den Verstand. Kant bleibt so zwar im Subjektivismus befangen, bindet jedoch zum Unterschied von Berkeley und Hume die Qualität nicht an die Sinne, sondern an den Verstand.
Zur Auffassung der Qualität bei Hegel
Hegel knüpft an die Kantsche Bestimmung der Qualität als Realität, Negation und Limitation an, wobei er vor allem durch die Bestimmung der Realität als vom Subjekt unabhängiges und bestimmtes Dasein des Dinges die Subjektivierung der Qualität überwindet. Qualität ist für Hegel wesentliche Bestimmtheit, wesentliche Eigenschaft eines Dinges. Hegel gibt damit dem mechanischen Materialismus isnsofern recht, als auch er die Qualität für etwas dem Ding Angehörendes hält, diese objektive Bestimmtheit aber für jegliche und nicht nur für die so genannten primären (objektiven) Qualitäten behauptet.
Jedoch sieht er auch im subjektiven Idealismus und in der Behauptung von der Existenz sekundärer (subjektiver) Qualitäten insofern einen rationellen Kern, als die Qualität, indem sie Eigenschaft ist, nicht nur durch den Gegenstand bestimmt ist, dem sie angehört, sondern auch durch die Beziehung des Dinges zu anderen Gegenständen. Diese anderen Gegenstände sind aber nicht nur die Subjekte, sondern jegliches Ding, mit dem ein gegebenes Ding in Beziehung und/oder Wechselwirkung tritt. Hegel löst somit die historisch entstandene Verkettung der Qualität mit dem Subjekt.
Er zeigt die doppelte Bestimmtheit der Qualität durch das Objekt und die Wechselwirkungszusammenhänge, in denen es sich befindet:
"Ein Ding hat Eigenschaften; sie sind
- erstlich seine bestimmten Beziehungen auf anderes; die Eigenschaft ist nur vorhanden als eine Weise des Verhaltens zueinander; sie ist daher die äußerliche Reflexion und die Seite des Gesetztseins des Dings.
Aber
- zweitens ist das Ding in diesem Gesetztsein an sich; es erhält sich in der Beziehung auf andere;
... Ein Ding hat die Eigenschaft, dies oder jenes im Anderen zu bewirken und auf eine eigentümliche Weise sich in seiner Beziehung zu äußern. Es beweist diese Eigenschaft nur unter der Bedingung einer entsprechenden Beschaffenheit des anderen Dinges, aber sie ist ihm zugleich eigentümlich und seine mit sich identische Grundlage" (in Hegel, Logik II, 2, 1, A, b).
Zum Begriff der "qualitativen Grenze" bei Hegel
Ein weitere Spezifikation der Qualität zeigt Hegel darin, dass er - in Fortführung der Ansätze von Leibniz und Kant - den Begriff der qualitativen Grenze explizit formuliert:
"Die Negation ist im Dasein mit dem Sein noch unmittelbar identisch, und diese Neagtion ist das, was wir Grenze heißen. Etwas ist nur in seiner Grenze und durch seine Grenze das, was es ist. Man darf somit die Grenze nicht als dem Dasein bloß äußerlich betrachten, sondern dieselbe geht vielmehr durch das ganze Dasein hindurch. Die Auffassung der Grenze als einer bloß äußerlichen Bestimmung des Daseins, hat ihren Grund in der Verwechslung der quantitativen mit der qualitativen Grenze. Hier ist zunächst von der qualitativen Grenze die Rede. Betrachten wir z.B. ein Grundstück, welches drei Morgen groß ist, so ist dies eine quantitative Grenze. Weiter ist nun aber auch dieses Grundstück eine Wiese und nicht Wald oder Teich und dies ist seine qualitative Grenze".(Hegel, Werke, 8, 220)
In der Philosophie nach Hegel wird - häufig gestützt durch eine subjektivistische Interpretation sinnesphysiologsicher Ergebnisse, wie beispielsweise des von Johannes Müller (1801-1858) entdeckten Gesetzes der spezifischen Sinnesenergien - von subjektiv-idealistischen Strömungen die angebliche Subjektivität der Qualitäten mit dem Argument verteidigt, dass die Verneinung der Objektivität der Eigenschaften den Dualismus von Physischem und Psychischem aufhebe. Diese Tendenz kann unmittelbar von der Betrachtung der Qualität des Dings in den Solipsismus führen. Denn letztlich führt diese Betrachtung in die Verneinung der objektiven Realität.
Zur Betrachtung der Qualität in der materialistischen Dialektik
In Anknüpfung an Hegel wird unter Qualität eine wesentliche Eigenschaft verstanden. Die Kategorie hat einerseits gewisse Gemeinsamkeiten mit dem Wesen, andererseits mit der/den Eigenschaft/en. Mit dem Wesen ist die Qualität insofern identisch, als in der Menge der Bestimmungen, die ein Ding in seiner konkreten Beschaffenheit ausmachen, nur diejenigen als Qualitäten gelten können, die Bestandteile des Wesens sind. Die Qualität unterscheidet sich jedoch vom Wesen insofern, als sie nicht Wesen schlechthin, sondern erscheinendes Wesen ist.
Verhältnis Möglich zu Wirklich und Wesen zu Qualität
In der Abstraktion von der Wechselwirkung der Dinge, Systeme u. a. untereinander kann zwar von einem Wesen, nicht aber von einer Qualität die Rede sein. Somit verhält sich das Wesen zur Qualität wie das Mögliche zum Wirklichen. Wesen für sich genommen kann deshalb als mögliche Qualität definiert werden, die zur wirklichen Qualität durch die jeweilige Relation wird, in der sich das Ding, System u. a. befindet.
Zum Begriffsumfang von Eigenschaft und Qualität
Die Qualität ist drüber hinaus Eigenschaft, aber nicht Eigenschaft schlechthin, sondern wesentliche Eigenschaft. Der Begriff "Eigenschaft" ist umfangsmäßig weiter als der Begriff "Qualität", da er sowohl wesentliche als auch unwesentliche Eigenschaften umfasst. In ihrer Bestimmtheit als Eigenschaft ist die Qualität nicht nur von demjenigen Objekt abhängig, dem sie angehört, sondern auch vom jeweiligen Bezugssystem, insofern sie durch letzteres bedingt ist:
- erstens, welche der wesentlichen Eigenschaften des Objekts realisiert werden, und
- zweitens, wie diese Realisierung erfolgt.
Zur Frage der Realisierung einer Qualität als Eigenschaft bei der Polle
So gilt beispielsweise, dass unter der Menge der am Befruchtungsvorgang beteiligten Pollen jeder der Pollen prinzipiell zur Befruchtung in der Lage ist. Hat die Befruchtug durch einen Pollen aber bereits stattgefunden, so realisieren die übrigen Pollen in dem nun veränderten System andere ihrer Eigenschaften. Sie übernehmen die Rolle von Stimulatoren für gewisse postgame Vorgänge (zum Beispiel Überwindung der Inzuchtdepressionen, Veränderung des Charakters der Dominanz u. a.) zu denen auch der Polle, der die Befruchtung vollzogen hat, befähigt gewesen wäre. Jeder der beteiligten Pollen verfügt also potentiell, auf Grund seines Wesens, über die Eigenschaften für beide Funktionen.
Sowohl ihre Bestimmtheit als Wesen als auch als Eigenschaft der Objekte beweist, dass die Qualität objektiv-real existiert. Ihre Abhängigkeit von Bezugssystemen und Relationen ändert diesen ihren Charakter nicht, da Relationen ebenso real sind wie Dinge. Jedoch ergibt sich aus der Bindung der Qualität an jeweils bestimmte Bezugssysteme ihr relativer Charakter. Das, was in bezug auf ein Objekt Qualität ist, kann in bezug auf ein anderes Objekt unwesentliche Eigenschaft sein.
Ein Lebewesen beispielsweise muss zur zoologisch-systematischen Identifikation als Haus- oder Wanderratte bestimmte wesentliche Eigenschaften aufweisen (Schwanzlänge, Körperlänge, Lebensweise, Vohandensein oder Fehlen einer Gallenblase). Während die Schwanzlänge ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal der Rattenarten darstellt, ist dies eine unwesentliche Eigenschaft für die Identifizierung als Säugetier, Wirbeltier oder Lebewesen überhaupt. Diese Tiere besitzen aber noch eine unendliche Anzahl weiterer Merkmale und Eigenschaften, die ihr Verhalten determinieren, und sie gehen Wechselbeziehungen mit anderen Tieren und Gegenständen in den für sie charakteristischen Lebensräumen ein.
Zur Existenz der Qualität im Zusammenhang von Bezugssystemen
Wenn man die Qualität vom Bezugssystem loslöst und verabsolutiert, verneint man in der Konsequenz den Systemcharakter der Realität und letztlich die Existenz von Etwas überhaupt:
Wenn ein Etwas immer und in jeder Beziehung Qualität und nur Qualität ist, kann es nicht zugleich quantitativ bestimmt sein, nicht aus Elementen bestehen; auch nicht aus einem einzigen Element, da auch "ein Element" eine quantitative Bestimmung ist.
Es muß aber ein Ding, um existieren zu können, aus mindestens einem Element, nämlich ihm selbst, bestehen, anderfalls existiert es nicht. Daraus folgt, daß es in der Realität keine von den Dingen losgelösten Qualitäten, keine Qualitäten als selbständige Wesenheiten, sondern nur Dinge mit Qualitäten, und zwar unendlich vielen Qualitäten gibt.
In ihrer Bestimmtheit als an ein konkretes Bezugssystem gebundene Eigenschaft grenzt die Qualität ein Objekt von anderen Objekten ab. Sie ist der mit den Bezugssystemen als dem Bedingungsgefüge wechselnde spezifische Unterschied der Objekte. Das Wesen hingegen bleibt beim Übergang von einem Bezugssystem zu einem anderen invariant. Es verbindet also mehrere Objekte miteinander, während die Qualität sie voneinander unterscheidet. Objekte sind stets Systeme von Qualitäten, und zwar - theoretisch gesehen - genau so viele Qualitäten, als Bezugssysteme existieren, in denen sich das Objekt befinden kann.
Zur Frage der Anzahl der Qualitäten
Die Grundqualität (siehe unten als Definition) von Objekten und Prozessen äußert sich stets als System vieler Qualitäten, deren Anzahl mit der Menge der möglichen Bezugssysteme in Relation steht, in denen sich die Objekte und Prozesse befinden können. Qualitäten treten aber stets in Einheit mit Quantitäten auf, sie haben unendlich viele quantitative Graduationen, zum Beispiel Farbnuancen, Härtegrade, Lebensdauer u. a., und diese sind, obwohl qualitativ unterschieden, messbar und erkennbar. Noch im 19. Jahrhundert führten die Ergebnisse der Analyse anorganischer und organischer Stoffe auf ihre elementare Zusammensetzung zu der Erkenntnis, dass es keine Kluft zwischen den Naturreichen gibt, da alle aus den gleichen Elementen bestehen.
Zugleich wurde daraus die reduktionistische Schlussfolgerung gezogen, dass in der Natur in Wirklichkeit keine abgrenzbaren Qualitäten, sondern nur Quantitäten existieren. Die Kategorie Qualität wurde auf ihre quantitativen Eigenschaften (Farbe, Geruch, Frequenz u. a.) reduziert, was Friedrich Engels zu der Bemerkung veranlasste, dass "keine Qualitäten, sondern nur Dinge mit Qualitäten, und zwar unendlich vielen Qualitäten existieren".
Zur Frage der Qualitäten im Erkenntnisprozess
Ihre Abhängigkeit vom Bezugssystem sowie ihre zwischen Erscheinung und Wesen vermittelnde Stellung verleiht der Qualität große Bedeutung für den Erkenntnisprozess. Damit das Wesen, das Gesetz der Dinge, erkannt werden kann, muss es erscheinen. Denn von der Erscheinung her, die unmittelbar auf die menschlichen Sinne einwirkt, nimmt Erkenntnis ihren Ausgang.
Die Qualität aber ist das erscheinende Wesen.
Das bedeutet, es ist die Qualität, die den Zugang zum Wesen der Dinge erschließt. Der Schritt von der Erfassung der Qualitäten zur Erkenntnis des Wesens ist vollzogen, wenn die an einem Objekt wahrgenommenen und festgestellten Eigenschaften sich als notwendige Eigenschaften einer Gruppe weiterer Objekte erwiesen haben, also Eigenschaften ermittelt wurden, die beim Übergang von einem Bezugssystem zum anderen invariant bleiben. Die Qualitäten der Objekte treten aber nicht nur in der Wechselwirkung mit dem empfindenen und erkennenden Subjekt auf, sondern sind durch die Wechselwirkung zwischen Gegenständen überhaupt gegeben.
Im objektiven Wechselwirkungsprozess der Objekte und Prozesse mit anderen bilden nur die relativ invarianten Elemente, Beziehungen und Verhältnisse Qualitäten solcher Systeme. Die Gesamtheit ihrer wesentlichen Eigenschaften, Merkmale und Beziehungen als System stellt die Qualität dar, durch die sich die Objekte und Prozesse von anderen unterscheiden beziehungsweise durch die ihre unterschiedlichen Zustände in verschiedenen Zeitintervallen charakterisiert sind. Durch ihre Einzelqualitäten unterscheiden sich die Objekte und Prozesse in bezug auf ihre einzelnen Eigenschaften, werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede vergleichbar, aber durch ihre Gesamtqualität werden die Gegenstände und Erscheinungen auch abgrenzbar.
Zur Existenz der Grundqualität in Systemen der Erde
Das Leben auf der Erde wird als eigene Qualität durch solche Merkmale wie Stoff- und Energiewechsel, Fortpflanzung und Vererbung, Erregbarkeit, Wachstum und Entwicklung als Gesamtheit charakterisiert und von nichtlebenden Daseinsformen unterschieden. Eine solche Klassifizierung der Objekte und Prozesse, in der das Gemeinsame als Ausdruck des Wesens dieser Qualität auftritt, kann als Grundqualität bezeichnet werden. Die Gegenstände und Prozesse einer Grundqualität erscheinen aber in verschiedenen Formen, Zusammenhängen und zu unterschiedlichen Zeiten in der einen oder anderen Qualität. Die verschiedenen Qualitäten einer Grundqualität können andere Qualitäten genannt werden. Ob als Bakterien, Pflanzen, Tiere oder Menschen existierend, sind diese anderen Qualitäten stets Formen der Grundqualität Leben.
Die Quantität erscheint immer in der Ähnlichkeit, der Variation von Anzahl, Größe, Stärke und wechselnden Tempi der Objekte und Prozesse auf dem gleichen Strukturniveau einer Grundqualität. Diese quantitative Existenz der Qualität bietet die Möglichkeit der quantitativen Messung der Eigenschaften und ihres Vergleichs innerhalb der gleichen Grundqualität. Solche quantitativen Zustände werden in allen Daseinsbereichen gemessen, verglichen und der Grad der Veränderungen festgestellt. Häufig werden dazu Modelle entwickelt, die den Untersuchungsgegenstand entsprechend der Zielstellung möglichst adäquat widerspiegeln sollen. Durch die Ermittlung der quantitativen Bestimmtheit einer Qualität werden besonders bei hochkomplexen und strukturell ähnlichen Objekten oder Prozessen scheinbar gleicher Qualität häufig erst die qualitativen Unterschiede aufgedeckt.
Zur Darstellung der Qualitäten durch Konstruktionen und Prozesse dieser Hilfsmittel
Der Mensch kann das verborgende Wesen der Dinge sichtbar werden lassen, indem er von seinem Erkenntnisziel abhängige, nicht naturgegebene Wechselwirkungen zwischen Objekten herstellt. Ferner sind die Instrumente und Apparaturen, die zum Zwecke der wissenschaftlichen Forschung erfunden und verwendet werden, unter dem gegebenen Aspekt sinnvoll mit dem Ziel konstruierte Objekte, bestimmte Qualitäten hervorzurufen und sie damit erkennbar werden zu lassen.
So wird beispielsweise das Wesen des Lichts, als Skala verschiedener Wellenlängen zu existieren, zur Erscheinung gebracht, indem es durch ein Prisma umgelenkt und auf diese Weise in seiner Qualität als Spektrum sichtbar wird. Letztlich ist jedes Experiment eine Methode, das Wesen der Objekte in wahrnehmbare und registrierbare Qualitäten zu überführen. Auch für die nutzbare Praxis ist die Tatsache, dass die Gegenstände in ihrer wechselseitigen Abhängigkeit bestimmte Qualitäten hervorbringen, von entscheidender Bedeutung. Der zu konstruierende und zu produzierende Gegenstand soll, da er einem vorgebenen Zweck dienen soll, bestimmte wesentliche Eigenschaften aufweisen. Gegeben sind also in diesem Falle die Qualitäten, und gesucht werden diejenigen Objekte, Elemente u. a., die zu einem System vereinigt die gewünschten Qualitäten realisieren.
Kategorie: Philosophie
