Railgun
Bei einer Railgun (dt.: "Schienengewehr") handelt es sich um eine Waffe, welche metallische Projektile mittels elektomagnetischer Felder (ähnlich dem Linearantrieb) beschleunigt. Abhängig von der Beschleunigungsstrecke und der Stärke des Strompulses, aber auch von der Anordnung der Schienen ("Rails") lassen sich enorme Geschwindigkeiten erreichen.
Obwohl schon zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts Versuche unternommen wurden, leistungsfähige Railguns zu entwerfen, befinden sie sich noch immer in einer Entwicklungsphase. Das größte Problem bei der Konstruktion liegt in der Notwendigkit von starken Elektromagneten (die die Waffe sehr schwer machen), und einer ausreichenden Stromversorgung (die meist nur stationär verfügbar ist). In den letzten Jahren konnten allerdings einige Fortschritte in diesen Punkten erzielt werden. Die Motivation in der Entwicklung elektromagnetischer Waffen liegt in den Vorteilen, die prinzipiell gegenüber den konventionellen Feuerwaffen bestehen. So läßt sich bei einer Railgun beispielsweise der Mündungsknall und das Mündungsfeuer vermeiden, das bei Feuerwaffen wegen der expandierenden, heißen Gase entsteht. Das wären unschätzbar wertvolle Eigenschaften für Infanterieeinheiten. Schwere Maschinengewehre, wie in Kampfflugzeugen oder Hubschraubern, könnten zukünftig durch Railguns ersetzt werden und bei gleicher Stärke viel Gewicht einsparen. Im momentanen Entwicklungsstand sind die meisten elektromagnetischen Waffen - wie gesagt - allerdings noch mindestens so schwer wie konventionelle. Ein Einsatz von Railguns erscheint insbesondere dort interessant, wo hohe Feuerraten erwünscht sind, z.B als Luftabwehrgeschütz. Denn Feuerrate und Geschoßgeschwindigkeiten lassen sich prinzipiell stufenlos und exakt einstellen, indem man die Stromstärken variiert.
Es ist zu beachten, dass eine Railgun, die das Projektil durch einen elektrischen Strom beschleunigt, nicht mit einer Coilgun ("Spulenkanone", auch Gaußgewehr/Gaussrifle) verwechselt wird, die ein Projektil durch ein magnetisches Wanderfeld beschleunigt, also einen Linearantrieb darstellt. Letztere ist technisch mit der Magnetschwebebahn verwandt, mit dem einzigen Unterschied, dass die Beschleunigung größer ist. Durch die hohe Geschwindigkeit verspricht man sich von ihr eine enorme Durchschlagskraft. Innerhalb der Lufthülle der Erde wird die erreichbare Geschwindigkeit nur durch die Reibung mit der Luft beschränkt. Es hat wenig Nutzen, ein Geschoss extrem zu beschleunigen, wenn es beim Verlassen der Abschussvorrichtung aufgrund der Reibungshitze verglüht.
Offiziell sind die meisten Projekte zur Entwicklung einer Railgun eingestellt worden, da zu viele technische Hindernisse nicht bewältigt werden konnten. Ein großes Problem waren zum Beispiel die Abmessungen und Gewichte, die zu verringern sich als ausgesprochen schwierig herausstellte.
Erwähnt wurden Railguns in der Literatur, verschiedenen Filmen und Computerspielen. Der Spielfilm Eraser mit Arnold Schwarzenegger in der Hauptrolle dreht sich um hypothetische Railguns in Form tragbarer Infanteriewaffen. Die Darstellung im Film (mit Röntgenzielgeräten und großen Detonationen) entspricht allerdings nicht den realen Gegebenheiten. In vielen Computerspielen, darunter Quake II, Quake III Arena, Fallout II, Command & Conquer und Metal Gear Solid, kommen tragbare Railguns als Waffen vor. Bei den elektromagnetischen Geschützen in den Mechwarrior-Romanen handelt es sich um die oben erwähnten Coilguns.
Weblinks
- http://www.uni-muenster.de/PeaCon/wuf/wf-87/8711200m.htm - Das Prinzip der elektromagnetischen Beschleunigung
- http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/cstuecke/20293/ - Forschungsanlage einer Railgun
- http://www.armytimes.com/channel.php?GQID=292236#7 - Das US-Magazin Army Times untersucht den Vorfall des beschädigten M1 Abrams
