Realität
Realität (Wirklichkeit) bezeichnet das, was unabhängig vom Subjektiven, also von Wahrnehmung, Gefühlen und Wünschen objektiv der Fall ist und existiert. Im engeren Sinne ist Realität der philosophischen und wissenschaftlichen Betrachtung und Erforschung zugänglich; Dinge der Realität sind also messbar, und können als Basis für Theorienbildung dienen.
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Realitätsbegriff in der Philosophie
In der Philosophie wird vielfach unterschieden zwischen der uns durch ihre Erscheinung gegebenen Realität und den "Dingen an sich", die Träger der wahrnehmbaren und/oder messbaren Eigenschaften sind. Nach Kant hat Naturwissenschaft nur mit Erscheinungen zu tun, nie aber mit den Dingen an sich. Diese Differenz lässt sich auch durch die Begriffe intersubjektiv und objektiv ausdrücken, denn die Sinnesorgane des Menschen reduzieren die Wirklichkeit durch das Wahrnehmen herab, das Wahrgenommene entspricht also nicht der Realität. Da die Sinnesorgane der Menschen untereinander gleich aufgebaut sind, ist ein gemeinsames, also intersubjektives "Wissen" von der Realität möglich.
Johann Gottlieb Fichte geht noch ein Schritt weiter, wenn er sagt, dass die Realität von dem Menschen selbst, also subjektiv gesetzt wird. Er erkennt damit die Möglichkeit des intersubjektiven Erkennens nicht an, sondern behauptet, der Geist konstruiere die Wirklichkeit. Mit seiner Philosophie schließt er den deutschen Idealismus in seiner radikalsten Form ab und liefert als erster die Ansätze für den auf die Wissenschaft bezogenen Konstruktivismus.
Karl Popper sieht, auf eine andere Weise radikal, den einzigen Weg zur Erkenntnis allgemein, also auch über die Erkenntnis über die Realität, in der Falsifikation.
Das deutsche Wort "Wirklichkeit" (lateinisch "actualitas"), auch "Realität" ("realitas"), bezeichnet den Seinsmodus, der von Möglichkeit und Notwendigkeit abgegrenzt ist. (Siehe auch Kontingenz.) Dem Begriffspaar Wirklichkeit/Möglichkeit (Akt/Potenz) steht das anders akzentuierte Begriffspaar Realität/Idealität gegenüber. (Siehe Realismus und Idealismus.)
Realitätsbegriff in der Wissenschaft allgemein
Es ist eine Annahme des metaphysischen Realismus, dass es eine vom Beobachter unabhängige, objektive Realität gebe, welche in unseren Wissenschaften beschrieben wird, und welche unsere Theorien verifiziert oder falsifiziert. Für den metaphysischen Antirealismus gibt es keine vom menschlichen Geist unabhängige, "fertige" Welt, die von ihm nur erkannt und abgebildet zu werden braucht; Erkenntnis hat hier stets ein aktives, realitätsbildendes Element. Der Idealismus kann weder dem Realismus noch dem Antirealismus eindeutig zugeordnet werden. Für den objektiven Idealismus George Berkeleys existiert eine objektive Realität, die jedoch rein geistig ist. Für den subjektiven Idealismus ist die Rede von einer Realität an sich sinnlos.
Der deutsche Begriff Wirklichkeit erklärt reale Dinge als Dinge, die eine Wirkung haben oder ausüben können. Insofern sind auch subjektive innere, z.B. emotionale Zustände der Wirklichkeit zugehörig, da auch sie Wirkung zeigen (Stichwort Psychosomatik). Dies kommt etwa in der Definition des Gestaltpsychologen Kurt Lewin zum Ausdruck: "Wirklich ist, was wirkt." Diese erweiterte Verwendung des Begriffs findet man vor allem in der Psychologie und in der Kommunikationsforschung, während sie in den Naturwissenschaften oft noch abgelehnt wird, weil sie zu Missverständnissen führen könnte.
Das Problem der Realität in der Quantenmechanik
Bei der Interpretation der Quantenmechanik stellte sich das Problem, den Begriff 'Realität' zu definieren, verschärft. Dies führte Einstein, Podolsky und Rosen zu folgendem Kriterium der physikalischen Wirklichkeit:
- Kann man den Wert einer physikalischen Größe mit Sicherheit (das heißt mit der Wahrscheinlichkeit 1) vorhersagen, ohne ein System dabei in irgendeiner Weise zu stören, dann gibt es ein Element der physikalischen Wirklichkeit, das dieser physikalischen Größe entspricht.
Obwohl diese Definition sehr vorsichtig klingt, scheint sie zu Problemen zu führen, wenn z. B. die Resultate der EPR-Experimente erklärt werden sollen.
Literatur
- Peter L. Berger/Thomas Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, Fischer TB. Frankfurt a.M.. 1993. ISBN 3-596-26623-8
- Nicolai Hartmann: Möglichkeit und Wirklichkeit, 1938
Verwandte Themen
Wissen, Wahrheit, Erkenntnistheorie, Schein, virtuelle Realität, Ideologie, Instrumentalismus, Konstruktivismus (Philosophie), Konstruierte Realität, Erweiterte Realität, Positivismus, Empirismus, Kritischer Realismus, Realitäten, Gegenwärtigkeit
Weblinks
- at.indymedia.org: Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit"
- at.indymedia.org: Realität und Herrschaft
- psychotherapiepraxis.at: Wirklichkeit - eine Annäherung
