Rechtsmedizin
Die Rechtsmedizin (auch: Gerichtsmedizin, Gerichtliche Medizin, forensische Medizin) umfasst die Entwicklung, Anwendung und Beurteilung medizinischer und naturwissenschaftlicher Kenntnisse für die Rechtspflege sowie die Vermittlung arztrechtlicher und ethischer Kenntnisse für die Ärzteschaft.
Die Aufgaben- und Forschungsbereiche der Rechtsmedizin sind Thanatologie (z.B. Leichenschau bei außergewöhnlichen Todesfällen), forensische Traumatologie, Toxikologie, Alkohol- und Drogenforschung und -Diagnostik, forensische Molekularbiologie (z.B. DNA-Untersuchungen), forensische Sexualmedizin, Verkehrsmedizin und -psychologie, Glaubwürdigkeitsbeurteilungen aus medizinischer und forensischer Sicht, medizinische Begutachtungskunde, Behandlungsfehlergutachten, Abstammungsgutachten, Versicherungsmedizin (z.B. Verletzungsgutachten), Fotografie & Neue Medien (Streifenlichttopometrie), Informationstechnologie & -management.
Interdisziplinär gibt es auch in anderen Studiengängen als der Humanmedizin Vorlesungen in Rechtsmedizin, z. B. für Zahnmediziner oder Juristen.
| Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Die erste systematische Ausarbeitung zur Rechtsmedizin sind die Questiones medico-legales des römischen Arztes Paolo Zacchia (latinisiert: Paulus Zacchias Romanus, 1584-1659). Im Jahr 1532 findet man in der "Peinlichen Halsgerichtsordnung" (Constitutio Criminalis Carolina) Karls V. Hinweise auf die Zuziehung von Ärzten bei der Entscheidung medizinischer Fragen in der Rechtsprechung. Der Zürcher Stadtrat ließ ab dem 16. Jahrhundert verletzte oder getötete Personen regelmäßig durch die Vorsteher der Gesellschaft der Bader und Chirurgen, die "fünf geschworenen Meister", besichtigen. Im 19. Jahrhundert legten Ambroise Tardieu, Johann Ludwig Casper und Carl Liman die Fundamente für die moderne Rechtsmedizin als empirisch fundierte Wissenschaft. In Freiburg (Breisgau) war "Medicina legalis" seit der Mitte des 18. Jahrhunderts durch eigene Vorlesungen vertreten. 1804 wurde in Wien die erste Lehrkanzel für "Staatsarzneykunde" bzw. für "Gerichtliche Medizin und Medizinische Polizei" im deutschsprachigen Raum eingerichtet.
Siehe auch
Literatur
- R. Brinkmann, Burkhard Madea (Hrsg.), Handbuch der gerichtlichen Medizin 1 und 2, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg New York, 2004. ISBN 3-540-00259-6.
- Burkhard Madea (Hrsg.), 100 Jahre Deutsche Gesellschaft für Gerichtliche Medizin/Rechtsmedizin. Vom Gründungsbeschluss 1904 zur Rechtsmedizin des 21. Jahrhunderts. Deutsche Gesellschaft für Gerichtliche Medizin/Rechtsmedizin 2004
- Burkhard Madea (Hrsg.), Praxis Rechtsmedizin, Springer, Berlin Heidelberg New York 2003
- H. Patscheider, H. Hartmann, Leitfaden der Rechtsmedizin, Verlag Hans Huber, Bern Stuttgart Toronto 1993, ISBN 3-456-82383-5
- Ch. Reiter, Synopsis und Atlas der Gerichtsmedizin, WUV/Universitätsverlag Wien 2002
Weblinks
- Einführung in die Rechtsmedizin
- 200 Jahre Wiener Lehrkanzel für Gerichtliche Medizin
- Rechtsmedizin für Juristen (Uni Rostock)
