Reform
Reform (lat. für re zurück; formatio Gestaltung: Wiederherstellung) bezeichnet eine planvolle, gewaltlose Veränderung (im Gegensatz zur Revolution), mit dem Ziel der Linderung oder Beseitigung bestehender (sozialer, kultureller oder wirtschaftlicher) Missstände , oder allgemeiner eine Änderung von Lebensverhältnissen und ihren Voraussetzungen zum Neuen, Besseren hin. Beispiele finden sich in den Sozialreformen Bismarcks, der Rechtschreibreform oder in der Lebensreform-Bewegung.
Reformen im religiösen Bereich, wie die Reformation durch Martin Luther wollen den Gläubigen von Irrwegen des Glauben zur "Quelle" zurückführen, z.B. indem Luther die Bibel in die Volkssprache übersetzte.
Die Bewertung einer Reform beziehungsweise ihrer Auswirkungen ist abhängig von der Perspektive.
Der Gebrauch des Wortes Reform in der aktuellen deutschen Politik
In Zeiten des institutionalisierten sozialen Friedens mit zahlreichen, allgemein akzeptierten Kooperationen quer über Interessensgegensätzen hinweg (Sozialpartnerschaft) war Reform einmal das Schlüsselwort, eine Hoffnung auf Demokratisierung wie unter Willy Brandt, oder für sozial schwache Gruppen auf Beteiligung an gesellschaftlichen Reichtum (Umverteilung).
Am Beginn des 21. Jahrhunderts wird das Wort Reform vor allem in der neoliberalen Politik verwendet im Sinne einer Umgestaltung des Gemeinwesens, die den Kräften des Marktes Aufgaben überlässt, die vorher der Staat innehatte (Privatisierung).
Kirchen, Gewerkschaften und Arbeitslose kritisieren den dabei stattfindenden Sozialabbau. Lobbyisten nehmen in Medien Einfluss auf die Diskussionen um einen Reformstau oder um Eigenverantwortung, Solidarität wird als antiquiert dargestellt. Die Parteien haben dabei teils unterschiedliche Vorstellungen von Reformen.
In der deutschen Politik sind derzeit Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt (Hartz-Konzept) und in der Sozialversicherung (Rürup-Kommission), eine Föderalismus- und eine Steuerreform sowie Veränderungen am Arbeitsmarkt, im Bildungswesen (Studiengebühren) aktuell und Gegenstand heftiger Kontroversen. Aber auch zu kürzende Subventionen verursachen Streit. Die entsprechende Änderungsvorschläge stoßen auf massiven Widerstand von Lobbyisten aller Seiten und betroffenen Teilen der Bevölkerung. Für alle diese Änderungsvorschläge wird das Wort Reform benutzt
In Deutschland stiegen (Stand 2005), trotz Privatisierung und Sozialabbau die Zahl der Arbeitslosen und die Gegensätze zwischen arm und reich. Vermehrt wird deshalb auch die traditionelle Koppelung von Arbeit und Einkommen kritisiert und etwa ein Grundeinkommen gefordert.
Siehe auch:
- Agrarreform, Bodenreform, Gesundheitsreform, Gebietsreform, Rechtschreibreform, Sozialreform, Steuerreform, Hochschulreform
- Reformstau, Salami-Taktik
- Reformation
- Veränderung, Gestaltung, Evolution
- Preußische Reformen
- Hartz-Konzept
- Neoliberalismus, Privatisierung
- Thinktank, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Bertelsmann Stiftung, Bürgerkonvent, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung
Literatur
- Albrecht Müller: Die Reformlüge. Droemer, 2004 ISBN 3-426-27344-6
- Gabor Steingart: Deutschland - Der Abstieg eines Superstars ISBN 3492046150
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