Reformatio Sigismundi

In Zusammenhang mit den Bemühungen um eine Reichsreform des Heiligen Römischen Reiches in der Regierungszeit Kaiser Sigismunds (1410-1437) entstand, verfasst von einem anonym gebliebenen Autor, 1439 auf dem Konzil von Basel die Schrift Reformatio Sigismundi, die sich zu Unrecht auf den deutschen Herrscher bezog. Die Reformatio wurde auf Deutsch verfasst und wahrscheinlich dadurch zur am weitesten verbreiteten Reformschrift dieser Zeit. U.a. wurde der Text 1476 erstmals gedruckt und erlebte bis 1522 sieben Neuauflagen. Auch ist er zum Teil im 15. Jahrhundert gar als „Reichsgesetz“ behandelt worden. Die Reformatio steht am Anfang einer Entwicklung, die verfassungsrechtlich-politische Grundsätze nicht mehr nur auf Latein, sondern auch auf Deutsch formulierte.

Inhaltlich unterscheidet sich die Reformatio kaum von den anderen politischen Reformtexten aus der Zeit Sigismunds. Sie unterbreitet Vorschläge zur Kirchen- und Reichsreform und tut dies teils unter praktischen, teils unter realitätsfernen Gesichtspunkten. Eine Sakramentenlehre kommt in der Schrift vor, die Reformatio spricht sich für Priesterehe und Säkularisation von Kirchengut aus, sie enthält eine angebliche Vision Kaiser Sigismunds über das Auftreten eines Priesterkönigs Friedrichs, sie enthält Pläne für eine weltliche Reform von Königtum (Kaisertum) und (deutschem) Reich.

Literatur

See also: Reformatio Sigismundi, 1439, 1476, 1522, Deutsche Sprache, Heiliges Römisches Reich, Kirchenreform, Konzil von Basel, Latein, Priesterehe