Eurokommunismus
"Eurokommunismus" ist ein um das Jahr 1975 von nichtkommunistischer Seite geprägter Ausdruck, der die Abwendung einiger kommunistischer Parteien (KPs) Europas vom Sozialismus sowjetischer Prägung bezeichnete.
Die Eurokommunisten verneinten den internationalen Führungsanspruch der KPdSU über die Kommunistischen Parteien und proklamierten unter Verzicht auf die Parole der "Diktatur des Proletariats" einen demokratischen Weg zum Sozialismus innerhalb der pluralistischen parlamentarischen Systeme Westeuropas.
In den 1970er und 1980er Jahren vertraten vor allem die kommunistischen Parteien Italiens, Spaniens und Frankreichs eurokommunistische Ansichten. Wichtiger Vertreter und Vorreiter des Eurokommunismus war Enrico Berlinguer, von 1972 bis 1984 Generalsekretär der Italienischen Kommunistischen Partei (PCI - Partito Comunista Italiano). Schon vor Berlinguer hatte die KP Italiens eine kritische Haltung gegenüber der KPdSU in der Sowjetunion eingenommen. So verurteilte sie schon 1968 die Niederschlagung des reformkommunistischen Prager Frühlings durch Truppen des Warschauer Pakts unter sowjetischer Führung.
Obwohl nicht in Europa, gilt auch die relativ einflussreiche Kommunistische Partei Japans (KPJ) als "eurokommunistisch".
In Westeuropa folgten die politisch erfolgreichen kommunistischen/sozialitstischen Parteien, d.h. KPs mit ständigen Mandaten in Parlamenten, Bürgermeistern oder teilweiser Regierungsbeteiligung seit den 1970er Jahren zunehmend einer eurokommunistischen Ausrichtung; viele an der KPdSU ausgerichteten KPs wie z.B. die westdeutsche DKP dagegen fanden kaum Rückhalt in größeren Teilen der Bevölkerung.
Seit dem Zusammenbruch der UdSSR Anfang der 1990er Jahre kann man fast alle kommunistischen Parteien und Bewegungen Europas zum Eurokommunismus zählen. Der Begriff hat aber an Bedeutung verloren, da er bewusst als Pendant zum Sozialismusbegriff der UdSSR entwickelt wurde.
