Reformpädagogik
Unter der Bezeichnung Reformpädagogik werden verschiedene Ansätze zur Reform von Schule, Unterricht und allgemeiner Erziehung zusammengefasst, die sich Ende des 19. Jahrhunderts und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gegen Lebensfremdheit, Intellektualismus und Autoritarismus der vorherrschenden "Paukschulen" wandten. In Deutschland gab es eine starke gegenseitige Beeinflussung mit der Jugendbewegung und entsprechend auch völkische Reformpädagogen. Einige Reformpädagogen verbanden zumeist eine liberale Grundhaltung mit starkem sozialem Engagement.
Wichtige Prinzipien waren die Selbsttätigkeit der Schüler, praktische Tätigkeiten, Lernen durch Handeln, ...
Reformansätze aus anderen geschichtlichen Epochen, einschließlich der Gegenwart, werden im Artikel Bildungsreform behandelt.
| Inhaltsverzeichnis |
Bedeutende Richtungen und Vertreter
- Die Landschulbewegung von
- Hermann Lietz (Landerziehungheim: Schloss Bieberstein (Hessen)
- Gustav Wyneken
- Paul Geheeb (Odenwaldschule und Ecole d'Humanité)
- Kurt Hahn (Salem, Erlebnispädagogik)
- Alexander Sutherland Neill (Summerhill)
- Ruth Cohn und die Themenzentrierte Interaktion TZI
- Ovide Decroly
- John Dewey (Projekt, Demokratisierung)
- Célestin Freinet (Freinet-Pädagogik, Klassendruckerei, freie Texte)
- Janusz Korczak (Kindergericht, Kinderrechte)
- Maria Montessori (Freiarbeit, Jahrgangsmischung, Integration)
- Ellen Key (Jahrhundert des Kindes, Lernumgebung)
- Berthold Otto (Gesamtunterricht)
- Hugo Gaudig (Freie geistige Schularbeit, Gruppenarbeit, Selbsttätigkeit)
- Georg Kerschensteiner (Arbeitsschule, Berufsschule)
- Paul Östreich (Arbeitsschule, Produktionsschule, Bund entschiedener Schulreformer)
- Fritz Karsen (Schulgemeinde, Schuldemokratie, Karl-Marx-Schule)
- Adolf Reichwein (Arbeitsschule, Schulfilm, Vorhaben)
- Clara Grunwald (Arbeit mit Material)
- Rudolf Steiner (Waldorfschule, Anthroposophie)
- Peter Petersen (Jena-Plan Schule, jahrgangsübergreifend)
- Carleton Washburne (Winnetka-Plan)
- Robert Baden-Powell (Pfadfinderbewegung)
- Otto Glöckel
Kritik
Aufgrund der starken Verbindung der bürgerlichen Reformpädagogik mit der deutschen Jugendbewegung, aber auch mit völkischen Teilen der Jugendbewegung finden sich in den Werken zahlreicher Reformpädagogen völkische, nationalistische, antisemitische oder eugenische Äußerungen, z.T. auch an entscheidenden Stellen der pädagogischen Theorien.
Meist vergessene Reformpädagogen
Der sozialistisch bzw. sozialdemokratisch orientierte Teil der deutschsprachigen Reformpädagogik wurde von den Nazis zum Schweigen gebracht und ist danach kaum mehr in Erscheinung getreten. Ihr Wirken wird in der von den überlebenden Reformpädagogen bestimmten Literatur kaum oder gar nicht berücksichtigt.
Bedeutende Vertreter dieser Richtung waren:
- Siegfried Bernfeld (1892–1953)
- Anna Siemsen (1882-1951) [1]
- Willi Steiger ("s'blaue Nest")
- Kurt Löwenstein (1895-1939)
Literatur
- Hager, Maik, Exposé Reformpädagogik. Die Reformpädagogik unter Berücksichtigung der pädagogischen Tätigkeit Fritz Karsens, TU Berlin WiSe03/04 (www.leistungsschein.de).
- Oelkers, Jürgen (1996): Reformpädagogik – eine kritische Dogmengeschichte. Juventa Verlag Weinheim und München. 3. vollst. bearbeitete und erweitete Auflage.
- Röhrs, Hermann (Hg.) (1998): Die Reformpädagogik. Ursprung und Verlauf unter internation. Aspekt. Deutscher Studienverlag Weinheim. 5. durchgesehene und ergänzte Auflage 1998.
Siehe auch
- Portal Pädagogik
- Alternativschule
- Entschulung
- Vorschule
- Demokratische_Erziehung
- Geschichte der Pädagogik
- Bildungsreform
