Baster

Mit Baster werden die aus Mischlingsbeziehungen zwischen Nama -Frauen und Buren in Südafrika entstandenen Familien bezeichnet.

Geschichte

Nach der Inbesitznahme der Kapregion durch holländische Seefahrer unter ihrem Kapitän Jan van Riebeeck im Jahre 1652 trafen die europäischen Kolonialisten auf dort bereits ansässige Nama -Stämme. Durch den Nachzug weiterer Siedler, nicht nur aus Holland, sondern verstärkt auch aus Deutschland und Frankreich, entstand ein spürbarer Arbeitskräftemangel auf den neu eingerichteten Farmen. Da die Beziehungen zwischen den burischen Farmern und den Nama zunächst durchaus friedlicher Natur waren, ließen sich immer mehr Nama im Umfeld der Farmen nieder und heuerten dort als Farmarbeiter an. Sie lernten deren Sprache und Gebräuche kennen und - da Frauen in der Anfangszeit der Kolonisierung "Mangelware" waren - bauten in immer größer werdendem Umfang persönliche Beziehungen zu ihren Arbeitgebern auf.

Die daraus entstandenen Kinder genossen zumeist eine europäische Erziehung, gewisse Schulbildung und waren auch in ihrer Lebensart sehr viel stärker durch ihre Nähe zu den Europäern als durch ihre Namaverwandschaft geprägt. Daraus entwickelte sich ein immer stärker werdendes Überlegenheitsgefühl gegenüber den nicht "europäisierten" Nama, so dass der anfängliche Schimpfname "Bastard" immer mehr zum allseits anerkannten Ehrennamen "Baster" wurde. Dieser Herkunftsstolz war auch bei der Partnerwahl ausschlaggebend und förderte damit eine völlige Trennung von der Nama-Verwandschaft. Die Baster legten ihre Nama-Namen ab und nahmen die ihrer burischen Väter an: "van Wyk", "Diergaard", "Mouton" und "Koopman" galten ( und gelten) unter den Baster geradezu als Adelstitel. Die größer werdenden Basterfamilien gündeten Clans und sahen sich mit zunehmendem Wohlstand nach eigenem Farmland und Weidegründen um. Die Kapregierung begegnete derartigen Bestrebungen durchaus wohlwollend, weil sie damit die Möglichkeit sah, die Basterfamilien als Puffer in den Grenzgebieten zu den von Norden und Osten drängenden Nama- und Xhosa-Völkern einzusetzen. Auf diese Weise kamen die Baster in den Besitz von Schusswaffen, die sie sehr wohl zu nutzen verstanden.

Mitte des 19. Jahrhunderts lösten sich die Baster aus ihrer Abhängigkeit zur Kapregierung und wanderten 1868 unter Führung ihres Kapitäns Hermanus van Wyk in Südwest-Afrika ein. Hier fand ein Teil von ihnen mit Zustimmung der ständig in Fehde liegenden Herero und Nama südlich von Windhoek ein neues Siedlungsgebiet: den diesem Stammesteil den Namen gebenden Ort Rehoboth - daher auch der Stammesname Rehoboth Baster. Ihnen war von den beiden "Platzherren" in Okahandja und Hoachanas wiederum eine Pufferrolle zugedacht. Die anderen Teilstämme der Baster fanden neue Siedlungsplätze im Süden des Landes und begründeten dort unter ihren Führern Vilander ( Kalahari-Baster), Vries (Kalkfontein-Baster) und Swart (Süd-Baster) jeweils eigenständige Gemeinwesen. Die Rehoboth-Baster wurden in ihrer Puffer-Rolle sehr gefordert: Rehoboth wurde wiederholt Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen, Plünderungen und Zerstörungen, insbesondere nachdem sich hier auch der Nama-Stamm der Swartboois angesiedelt hatte.

Nach der Inbesitznahme von Südwest-Afrika durch Deutschland und Begründung der Kolonie Deutsch-Südwestafrika schlossen die Rehoboth Baster als einer der ersten Stämme Schutz- und Beistandsverträge mit der deutschen Schutzmacht ab ( 1885 ) und unterstützten diese aktiv bei der angestrebten Befriedung des unruhigen Landes durch Gestellung von Baster-Verbänden. Auch zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde in Rehoboth eine Freiwilligenkompanie der Baster unter deutscher Führung aufgestellt, jedoch mit der ausdrücklichen Beschränkung, nicht gegen Weiße eingesetzt werden zu dürfen. Im Gegenzug für ihre loyale Haltung erhielten die Rehoboth Baster von der deutschen Kolonialverwaltung beschränkte Autonomierechte zugestanden. Nachdem sich die Baster kurz vor Kriegsende 1915 gegen die deutsche Bevormundung erhoben hatten, wurden ihnen zunächst auch von der südafrikanischen Mandatsverwaltung diese Autonomierrechte weiter zugestanden, aber 1925 wieder aberkannt. Die Baster erhoben sich zwar gegen diese Maßnahme, lenkten jedoch ein, als die Südafrikaner mit der Bombardierung von Rehoboth drohten. [Bearbeiten]

Heutige Situation

1994 stellten die Baster mit 39.000 Menschen etwa 2,5% der namibischen Bevölkerung. Ihre Sprache ist Afrikaans. Die Rehoboth Baster genießen auch seit der Unabhängigkeit Namibia s einen Sonderstatus und damit verbundene Autonomierechte. Die Stadtverwaltung z.B. liegt wie früher in den Händen eines "Baster-Rates", der von den 4 Kapitänsfamilien van Wyk, Diergaard, Koopman und Mouton dominiert wird. Ihre Kultur ist traditionell afrikaans und evangelisch-lutherisch geprägt.

Siehe auch: Liste durch Vermischung entstandener Ethnien

See also: Baster, 1652, 1868, 1885, 1915, Afrikaans, Buren, Deutsch-Südwestafrika, Herero, Hoachanas