Reichsautobahn
thumb|Bau der Donaubrücke bei Leipheim, Bild von C.Th.Protzen thumb|Talbrücke bei Siebenlehn (Sachsen) in Bau, Bild von Fritz Jacobsen Bereits wenige Wochen nach der „Machtergreifung“ begann die nationalsozialistische Regierung unter Adolf Hitler mit der Wiederaufnahme der Planungen für den Bau der Reichsautobahn.
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Vorgeschichte
Bereits vor dem Beginn der Planung von Autobahnen durch Adolf Hitler gab es erste Autobahnprojekte in Deutschland. Eine der ersten Autobahnen war sicher die Avus in Berlin, die bereits von 1912–1921 gebaut wurde. Sie diente u. a. als Versuchsstrecke für bituminöse Straßendecken und wurde schon bald auch als Rennstrecke genutzt. Daneben diente sie auch dem Ausflugsverkehr im Westen Berlins als Ausfallstraße. Heute ist sie in ihrem nördlichen Abschnitt Teil der A 115.
Von 1929–1932 wurde die Autobahn Köln–Bonn unter Federführung der Rheinischen Provinzialverwaltung gebaut, den Vorsitz hatte der seinerzeitige Kölner Bürgermeister Konrad Adenauer. Die Autobahn trägt heute die Nummer A 555.
Von 1931–33 wurde die Umgehungsautobahn Opladen als Teilstück der geplanten Autobahn Köln–Düsseldorf gebaut und am 27. September 1933 in Betrieb genommen. Auch hier war die Rheinische Provinzialverwaltung federführend.
Eine Anzahl weiterer Autobahnen wurde bereits seit 1925 geplant. Hier eine Auswahl der Autobahnen (jeweils mit Planungsbeginn):
- Köln–Düsseldorf (1925)
- Aachen–Köln (1925)
- Mannheim–Heidelberg (1926)
- München–Leipzig–Berlin (MüLeiBerl) (1927)
- München–Starnberger See (1927)
- Leipzig–Halle (LeHa) (1927)
- Hansestädte–Frankfurt–Basel (HaFraBa) (1927)
Am 27. Juni 1933 erließ Hitler das Gesetz über die Errichtung eines Unternehmens Reichsautobahnen. Linienführung und Ausgestaltung sollte der Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen, Fritz Todt, festlegen (siehe auch Organisation Todt).
Die Reichsautobahnen waren als Zweigunternehmen der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft angegliedert, der Generaldirektor der Reichsbahn war gleichzeitig Vorsitzender des Vorstandes und des Verwaltungsrates der Reichsautobahnen.
Halbprivate Firmen wie die Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau (STUFA) und der Verein zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte–Frankfurt–Basel (HaFraBa) hatten die Planungen bereits in den 1920er Jahren begonnen. Mit der Berliner AVUS war 1921 die erste Autobahn im Deutschen Reich fertiggestellt worden. Demzufolge erhielt Fritz Todt im August 1933 Unterstützung von der zur Gesellschaft zur Vorbereitung der Reichsautobahnen e.V. (GEZUVOR) gleichgeschalteten HaFraBa.
Bau
Am 23. September 1933 setzte Hitler selbst in Frankfurt am Main den ersten Spatenstich. Im Oktober 1934 befanden sich 1.500 Kilometer im Bau (Frankfurt–Heidelberg, Duisburg–Dortmund u.a.), weitere 1.200 Kilometer waren für den Bau freigegeben. Am 19. Mai 1935 konnte die Teilstrecke von Frankfurt (Main) nach Darmstadt für den Verkehr freigegeben werden.
Nach der ursprünglichen Planung sollte das Autobahnnetz pro Jahr um 1000 km wachsen – dies gelang aber nur von 1936–1938.
Fritz Todt forderte, jede Trassenführung müsse auch landschaftlich angepasst werden. Zu diesem Zweck wurden jeweils der obersten Bauleitung Landschaftsarchitekten zugeordnet.
Die Bevölkerung nahm die Reichsautobahn nur zögernd an. Mit Werbefilmen wurde für die Nutzung der Autobahn geworben. Außerdem war die Pkw-Dichte noch sehr gering.
Gesamtstrecke der deutschen Autobahnen:
- Ende 1935: 108 km
- Ende 1936: 1087 km
- Ende 1937: 2010 km
- Ende 1938: 3046 km
- Ende 1939: 3301 km
- Ende 1940: 3737 km
- Ende 1941: 3827 km
- Ende 1942: 3861 km
- Ende 1943: 3896 km
Bei Kriegsbeginn (siehe Zweiter Weltkrieg) waren 3.300 Autobahnkilometer fertig, von da an (1940) wurden verstärkt Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter eingesetzt. Die Eisenbahn blieb jedoch das wichtigste Transportmittel im Krieg. 1941/42 wurden die Baumaßnahmen eingestellt.
Nebenbetrachtungen
Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass die Reichsautobahn aus strategischen Gründen gebaut wurde. Dagegen spricht:
- Die Fahrbahndecke der meisten Reichsautobahnabschnitte war für Schwertransporte zu dünn, der Unterbau zu instabil. Militärisches Gerät (z. B. Panzer, Schwerlasttransporte) hätte die Fahrbahndecke sofort zerstört. Die Auslegung war am Pkw-Verkehr und den damals verbreiteten, relativ leichten Lastkraftwagen orientiert. Nur wenige Abschnitte waren so ausgelegt, dass man strategische Überlegungen unterstellen kann.
- Die Infrastruktur an der Autobahn (z.B. Parkplätze, Raststätten, Unterbringungsmöglichkeiten) wäre für Truppentransporte und größere Konvois nie ausreichend gewesen.
- Die Streckenplanung war nicht an möglichen Zielen einer Front orientiert. Die ersten Reichsautobahnen führten nicht in Richtung der Grenzen späterer „Feinde“. Ein großer Teil verband Wirtschaftszentren. Auch Reisegebiete wurden berücksichtigt. Die Autobahn München–Salzburg diente auch zur Anfahrt auf den Obersalzberg.
- Die Baumaßnahmen wurden bei Kriegsbeginn reduziert, später ganz eingestellt.
Ebenso hartnäckig hält sich die Aussage, Hitler habe mit dem Bau der Reichsautobahn die Arbeitslosigkeit überwinden wollen. Es gab damals über 6 Millionen Arbeitslose.
- In der aktivsten Phase waren maximal 60.000 Menschen direkt mit dem Bau der Autobahnen beschäftigt. Etwa die gleiche Anzahl arbeitete in Zulieferbetrieben. Etliche davon hatten auch schon vorher eine Arbeitsstelle und nahmen keinen zusätzlich angebotenen Arbeitsplatz in Anspruch.
- Die Bauleitung reklamierte oft erfolglos den Bedarf an Arbeitern.
- Zeitweise wurde eine große Anzahl von Zwangs- und Fremdarbeitern eingesetzt, die die Arbeitsmarktsituation im Deutschen Reich sicherlich nicht positiv beeinflussten.
Streckenübersicht
Literatur
- Peter Norden: Unternehmen Autobahn, Bayreuth 1983
- Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann Weiß (Hg.): Enzyklöpädie des Nationalsozialismus, München 1997.
Weblinks
- Die Reichsautobahnen (Geschichte, Bilder)
- Autobahn durch den Kaufunger Wald
- „Strecke 46“ Rhön–Spessart
- Ausführliche Infos zum Bau der Reichsautobahnen
- München–Salzburg
- Geschichte der OBR (Oberste Bauleitung Reichsautobahnen) Nürnberg
- Unternehmen Reichsautobahn, Mythos und Wahrheit
- Reichsautobahn – Asthetik und Zweckbestimmung
- Reichsautobahn "Berlinka" (polnische Strecken, in englisch)
- Rezension von Dr. Drewniok zu Mythos Reichsautobahn. Bau und Inszenierung der »Straßen des Führers« 1933 - 1941 (Schütz, Erhard / Gruber, Eckhard: 1996/2000, Verlag Christoph Links)
Siehe auch: Autobahn (Deutschland) Kategorie:Autobahn
