Reichsparteitage

Der Begriff Reichsparteitage wird heute allgemein auf die Reichsparteitage der NSDAP bezogen, die von 1923 bis 1938 in Deutschland stattfanden und besonders ab 1933, in der Zeit des Nationalsozialismus, große Propagandaveranstaltungen der Staatsführung um Adolf Hitler bildeten.

Inhaltsverzeichnis

Die Reichsparteitage

thumb|200px|Reichsparteitag 1934

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Reichsparteitag 1936

Die ersten Reichsparteitage der NSDAP fanden 1923 in München und 1926 in Weimar statt. Ab 1927 fanden sie immer in Nürnberg statt. Nürnberg wurde zunächst aus pragmatischen Gründen als Veranstaltungsort gewählt. Nürnberg lag zentral im Deutschen Reich und besaß mit dem Luitpoldhain eine für Großveranstaltungen geeignete Versammlungsstätte. Auch konnte die NSDAP bei der Organisation auf die in Franken gut organisierte Partei unter Gauleiter Julius Streicher zurückgreifen. Die Nürnberger Polizei stand der Veranstaltung wohlwollend gegenüber. Später wurde der Veranstaltungsort gerechtfertigt, indem die Reichsparteitage in die Tradition der Nürnberger Reichstage des Heiligen Römischen Reiches gestellt wurden. Nach 1933 wurden sie als Reichsparteitage des Deutschen Volkes jeweils in der ersten Septemberhälfte durchgeführt, nach der NS-Ideologie sollte dabei die Verbundenheit von Führung und Volk bekundet werden. Das wurde zum Ausdruck gebracht durch eine jährlich wachsende Zahl von zuletzt mehr als einer halben Million Teilnehmern und Besuchern aus allen Gliederungen der Partei, der Wehrmacht und des Staatsapparates.

Jeder Parteitag wurde unter einen programmatischen Titel gestellt, der sich auf bestimmte Ereignisse bezog.

Ablauf

Wichtigster Inhalt der Reichsparteitage war die fast religiös anmutende Ausrichtung auf Adolf Hitler. Er stand als von der Vorsehung gesandter nationaler Erlöser und Führer großen Menschenmengen gegenüber, die seine Reden hörten, ihm Eide schworen und an ihm vorbei marschierten. Als Sinnbild für die Volksgemeinschaft sollten sie die Stärke des deutschen Volkes demonstrieren. Die Besucher der Reichsparteitage ordneten sich freiwillig der Disziplin und Ordnung unter und sollten unter einem gemeinsamen Willen als "neues Volk" wieder auferstehen.

Wichtiger Bestandteil der Reichsparteitage waren auch zahlreiche Aufmärsche und Paraden aller Organisationen des NS-Staates (Wehrmacht, SA, SS, Hitler-Jugend, u.a.) und die Verkündung von wichtigen Eckpunkten der nationalsozialistischen Ideologie. So wurden während des Reichsparteitages 1935 die Nürnberger Rassengesetze zum Schutz des deutschen Blutes verkündet. Aber die Machtdemonstration der NS-Verbände sollte sich nicht nur auf das Reichsparteitagsgelände abseits der Innenstadt beschränken. Die Vorbeimärsche der verschiedenen Formationen vor dem "Führer" auf dem im Herzen der Altstadt gelegenen Hauptmarkt - seit April 1933: Adolf-Hitler-Platz - verband das Parteitagsgeschehen eng mit Stadt. Zahlreiche, nicht selten begeisterte Zuschauer säumten die Strecke der Marschierenden quer durch die Innstadt. Auf dem Paradeplatz selbst wurden eigens Holztribünen aufgebaut. Die langen Züge der Massen durch die fahnengeschmückte historische Kulisse Nürnbergs stellte die gewünschte Verbindung her zwischen der ehemaligen "Stadt der Reichstage" und der "Stadt der Reichsparteitage". Die Partei ohne lange Geschichte bemächtigte sich der Vergangenheit des tradionsreichen Gemeinwesens.

Zwischen 1935 und 1938 gehörte auch eine Festaufführung von Richard Wagners Meistersingern am Abend des Eröffnungstages mit zum Programm. Hitler war ein großer Freund Richard Wagners und die Oper galt als Ausdruck der heroisch-deutschen Weltanschauung.

Reichsparteitagsgelände

Hauptartikel Reichsparteitagsgelände

thumb|Reichsparteitag 1935 Mit dem Ausbau des Parteitagsgeländes 1935 erhielt Nürnberg den Beinamen Stadt der Reichsparteitage, mit dem auch symbolhaft der Machtanspruch der Partei dargestellt werden sollte. Das Gesamtkonzept für das 11 km2 große Reichsparteitagsgelände entwickelte Albert Speer von 1934-1936 und ab 1935 wurden unter großem Zeitdruck begonnen, die Pläne zu verwirklichen, aber das Gelände wurde niemals ganz fertiggestellt. Mit der Luitpoldarena entstand der damals größte Aufmarschplatz der Welt für die SA und SS für 150.000 Teilnehmer, die Kongreßhalle für 50.000 Besucher (nicht ganz fertig gestellt), die seit 2001 das Dokumentationszentrum der Stadt Nürnberg beherbergt, das Zeppelinfeld - für 250.000 Teilnehmer und 70.000 Zuschauer gedacht - sowie eine große Fläche als Teilnehmerlager wurden fertiggestellt. Das Märzfeld mit Tribünen für 50.000 Zuschauer wurde nur zur Hälfte fertiggestellt. Das Deutsche Stadion für 400.000 Zuschauer geplant als grösstes Sportstadium der Welt verblieb im Planungsstadium, lediglich der Aushub wurde fertig gestellt. Der heutige Silbersee und Silberbuck liegen auf dem Gelände. Die Luitpoldarena wurde nach dem Krieg wieder abgerissen, die restlichen Flächen dienen auch heute noch für Veranstaltungen.

Die Anlage sollten nach Innen und nach Außen den Machtanspruch des Regimes demonstrieren. Die Bauten sollten den Besuchern das Gefühl geben, an etwas sehr großem Teil zu haben, aber gleichzeitig klein und unbedeutend zu sein. Sie unterstützten den Führermythos und sollten durch das Gemeinschaftsgefühl die Volksgemeinschaft stärken. Mit dem nächtlichen Einsatz von Flakscheinwerfern als Lichtdom sollte die sakrale Atmosphäre der Veranstaltungen unterstrichen werden. Albert Speer war auch größtenteils für die Choreographie und den Lichtdom verantwortlich.

Das Reichsparteitagsgelände stellt die zu Stein gewordene Ideologie der Nationalsozialisten dar:
Du bist nichts, dein Volk ist alles!

Propagandafilme

Über die Reichsparteitage von 1933 und 1934 drehte Leni Riefenstahl jeweils einen Dokumentarfilm. In Anlehnung an das Motto des Parteitages nannte sie den ersten Film Sieg des Glaubens. Dieser wurde jedoch nach dem Röhm-Putsch wieder aus dem Verkehr gezogen.

Die Propagandaveranstaltung von 1934 wurde von ihr mit 16 Kamerateams und über 100 Mitarbeitern zum Film Triumph des Willens verarbeitet. Für die wirkungs- und kraftvollen Bilder erhielt sie den Deutschen Filmpreis und die Goldmedaille in Venedig. Nach dem Krieg wurde die Aufführung des Films wegen Verherrlichung des Nazi-Regimes in Deutschland verboten.

Literatur

Weblinks

See also: Reichsparteitage, 1. September, 1923, 1926, 1927, 1933, 1934, 1935, 1936, 1937