Res publica literaria
Res publica literaria - in der frühen Neuzeit das international gängige Wort für die "Gelehrte Republik" das "Commonwealth of Learning" - die lose Korporation des internationalen Wissenschaftsbetriebs.
Zur res publica literaria gehörten im engeren Sinne alle wissenschaftlich Publizierenden und in wissenschaftlichem Austausch miteinander stehenden - Bibliothekare, Archivare, Universitätsprofessoren, Historiker in öffentlichen Positionen, Theologen in kirchlichen Positionen... Mit dem Begriff galt die Vorstellung einer egalitären, keine Standesgrenzen und keine Nationen kennenden "Scientific Community".
Das wichtigste Medium im Austausch der res publica literaria war deren ausgedehnte briefliche Korrespondenz zwischen den Mitgliedern. Mit dem 17. Jahrhundert kam das literarische Journal als zentrales Medium auf.
Das Wort "res publica literaria" lebt fort im heutigen Sprechen über "Literatur". Mitte des 18. Jahrhunderts spaltete sich das wissenschaftliche Rezensionswesen in ein fachwissenschaftliches und ein breites auf, letzteres erhob die "belles lettres", Publikationen des breiten Publikumsinteresses, zum zentralen Rezensionsgegenstand - jene Materie, die im selben Rezensionsbetrieb "Literatur", "literarisch", im engeren Sinne des Wortes wurde. Mit dem neuen Literaturbegriff der im 19. Jahrhundert formuliert wurde, wurde das alte Wort für den Wissenschaftsbetrieb endgültig ungebräuchlich.
