Reusenfallen

Reusenfallen
thumb|300px|center|Reusenfalle G. violacea
Systematik
Abteilung: Blütenpflanzen (Magnoliophyta)
Klasse: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Unterklasse: Asternähnliche (Asteridae)
Ordnung: Lamiales
Familie: Wasserschlauchgewächse
(Lentibulariaceae)
Wissenschaftlicher Name
Genlisea
A.St.-Hil. 1833

Die Reusenfallen, Genlisea, sind eine Gattung aus der Familie der Wasserschlauchgewächse (Lentibulariaceae). Alle der bekannten 21 Arten sind fleischfressende Pflanzen. Der botanische Name der Gattung leitet sich von der französischen Schriftstellerin Stephanie Felicité Comtesse de Genlis her.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Reusenfallen sind wurzellose, rosettenförmige Kräuter, einjährig oder ausdauernd. Sie sind relativ klein, im Durchmesser 1 - 5 Zentimeter und nur wenige Zentimeter hoch. Insgesamt unterscheiden sich die Arten der Gattung nur wenig voneinander.

Blätter

Zwei Blatttypen sind zu unterscheiden, nämlich die oberirdischen Blätter und die unterirdischen Fallen, die Reusenblätter ("Rhizophylle").

Die oberirdischen Blätter der Pflanzen stehen in einer Rosette, sind hellgrün und zwischen 3 und 50 Millimeter lang. Sie sind meist spatelförmig, vereinzelt spatelförmig-obovat (d.i. verkehrt eiförmig), ihre Oberfläche ist glatt und ohne sichtbare Nervatur. Bei manchen Arten wie z.B. Genlisea aurea sind die Blätter mit einem schleimigen Sekret überzogen, dessen Funktion noch unklar ist. thumb|250px|right|Rhizophyll Genlisea violacea

Fallen

Die Fallen sind eigentlich unterirdische Blätter, sogenannte Rhizophylle, also von einem Rhizom ausgehende Blätter. Die Pflanzen locken ihre Beute wahrscheinlich durch chemische Lockstoffe an, die von den Rhizophyllen abgegeben werden. Bei der Beute handelt es sich um Wimpertierchen, Fadenwürmer und andere kleine Bodenbewohner, Arten mit größeren Blasen erbeuten aber auch Strudelwürmer und Wenigborster.

Die Rhizophylle haben die Fom eines umgedrehten Ypsilons, wobei die beiden Arme jeweils korkenzieherartig verdreht sind, dem "Gewinde" entlang sind schlitzförmige Öffnungen verteilt. Zuvor aber verdickt sich der Stiel nach mehreren Millimetern in eine Blase, die die Funktion eines Verdauungsorgans hat. Zwischen den Gewinden und der weiter oben gelegenen Blase ist das Rhizophyll hohl und in Kammern unterteilt, die durch gerichtete Härchen voneinander getrennt sind. Die gerichteten Härchen erlauben den einmal durch die Öffnung eingedrungenen Beutetieren nur die Bewegung in Richtung der Blase, daher der deutsche Name „Reusenfalle“. In der Blase und auch in der übrigen Falle sitzen Drüsen, die der Verdauung der Beute dienen. Es ist unklar, warum die gelösten Nährstoffe nicht wieder aus der Falle heraussickern, vermutet wurden u.a. schwache Unterdrücke, die die Fallen wie Pumpen wirken lassen würden.

Die bereits von Charles Darwin vermutete Karnivorie der Gattung wurde erst 1998 definitiv belegt.

250px|thumb|Samenkapsel Genlisea repens

Blüten

Die Blütenstiele ragen mit bis zu 50 cm Höhe wie bei allen Karnivoren weit über die Pflanze selbst hinaus. An ihrem Ende tragen sie traubenförmige Blütenstände mit bis zu vier meist violetten oder (bei einigen amerikanischen Arten) gelben, gespornten Blüten.

Früchte

Die Früchte der Reusenfallen sind kleine runde Kapseln. Die Art, wie die Früchte sich öffnen, um die Saat freizugeben, die Dehiszenz, dient als Unterscheidung der beiden Untergattungen (siehe unten): Die Samenkapseln von Arten der Untergattung Tayloria öffnen sich entlang länglicher Schlitze, bei den Samenkapseln der Untergattung Genlisea hingegen hebt sich die Spitze der Kapsel am Ende eines spiralförmigen Einschnitts ab.

Vermehrung

In den Früchten enthalten sind einige wenige kleine Samen, diese sind nur kurze Zeit keimfähig. Fast alle Arten vermehren sich darüberhinaus durch Ausläufer, eine künstliche vegetative Vermehrung ist problemlos durch Blatt-, Rhizophyll- oder gar Blütenstielstecklinge möglich.

Verbreitung

Reusenfallen sind Tropenpflanzen, ihre Verbreitungsgebiete sind gleichmäßig zum einen Afrika und Madagaskar sowie zum anderen Mittel- und Südamerika. Die Untergattung Tayloria (siehe unten) ist dabei in ihren Vorkommen auf Ostbrasilien beschränkt. Keine der Arten kommt auf beiden Kontinenten vor. Anders als bisher angenommen, ist diese evolutionäre Trennung nicht auf das Auseinanderdriften der früher zusammengehörigen Kontinente zurückzuführen (Gondwanatheorie), sondern auf nachträgliche Verbringung einer Stammform von Afrika nach Südamerika.

Afrika

In Afrika sind zehn Arten beheimatet, das Hauptvorkommen findet sich im Raum Sambia, Simbabwe, Mosambik und Malawi, von wo es bis nach Angola sowie Madagaskar ausstrahlt. Weitere kleine Verbreitungssgebiete existieren entlang der zentralafrikanischen Küste und im äußersten Westafrika (Guinea, Sierra Leone, Guinea-Bissau, Elfenbeinküste). Interessant ist dabei die Umgehung der hauptsächlich durch Regenwälder bestimmten Länder Zentralafrikas (DR Kongo, Ruanda, Burundi).

Amerika

Das Zentrum der Vorkommen in Amerika ist der Nordosten Südamerikas, hier vor allem Brasilien. Von den elf amerikanischen Arten finden sich dort neun, davon vier als Endemiten. Im benachbarten Venezuela sind sieben Arten beheimatet, zwei endemisch. Nebenvorkommen finden sich in Guyana, Kolumbien, Bolivien und Paraguay, nach Norden hin strahlt die Gattung über Zentralamerika (Honduras) noch bis nach Trinidad und Kuba aus.

Ökologie

Alle Arten besiedeln hauptsächlich extreme, nährstoffarme und humusarme, feuchte bis nasse Standorte vor allem auf Inselbergen und Ferricreten (Eisenkrustenböden), in denen sie häufig gemeinsam mit anderen Karnivoren (insbesondere Wasserschläuchen und Sonnentauen), aber auch Vertretern der Eriocaulaceae, Xyridaceae und Burmanniaceae vorkommen. Daneben finden sich Reusenfallen aber gelegentlich auch in Weißsandsavannen oder Sümpfen, einige wenige semi-aquatische Arten (z.B. G. repens) bevorzugen Gewässerränder als Lebensraum.

Da die Inselbergareale, in denen die meisten Arten beheimatet sind, seltene Lebensräume darstellen, sind die Arten zwar selten, sie sind jedoch nicht als bedroht anzusehen.

Verwendung

Ab den frühen 1990er Jahren kamen die ersten Arten bei Karnivorenliebhabern vereinzelt in Kultur. Ähnlich wie ihre Verwandten, die Wasserschläuche, führen sie in entsprechenden Sammlungen jedoch meist ein Schattendasein. Ansonsten wird die Gattung vom Menschen nicht genutzt.

Systematik

Die nächsten Verwandten der Reusenfallen sind die Wasserschläuche. Die Gattung selbst wird noch in zwei Untergattungen gegliedert: Tayloria und Genlisea. 200px|thumb|Genlisea lobata

200px|thumb|Genlisea pygmaea

Literatur

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