Richard Holbrooke

Richard Charles Albert Holbrooke (* 24. April 1941 in New York City) ist ein professioneller amerikanischer Diplomat, Herausgeber von Nachrichtenmagazinen, Autor, Direktor des Peace Corps und Investment Banker.

Holbrooke wurde in New York als Sohn einer aus Stuttgart stammenden, 1933 in die USA eingewanderten Mutter geboren, studierte Geschichte, internationale Politik und Deutsch. 1962 graduierte Holbrooke zum B.A. an der Brown University und trat anschließend in den Auswärtigen Dienst seines Landes. Von 1962 bis 1966 war er als regionaler Repräsentant der Agency for International Development (AID) in Vietnam tätig, wo er sich mit John Negroponte zeitweilig eine Wohnung teilte. Gegen Ende dieser Phase wurde er Stabsassistent der Botschafter Maxwell Taylor und Henry Cabot Lodge. 1966 kam er zum Stab des Weißen Hauses von Präsident Lyndon B. Johnson. Zwischen 1967 und 1969 arbeitete er als Spezialassistent der Staatssekretäre Nicholas deb. Katzenbach und Elliot Richardson, wo er einen Band der Pentagon-Papiere verfasste. In der gleichen Zeit nahm er auch als Mitglied der amerikanischen Delegation an den Pariser Friedensgesprächen zu Vietnam teil.

In den 1970er Jahren war Holbrooke US-Berater in Indonesien. Es gibt Berichte, nach denen Holbrooke aktiv die brutale Invasion Jakartas in Osttimor unterstützte, die mit militärischer Hilfe der USA ausgeführt wurde. Einige Kritiker werfen Holbrooke in diesem Zusammenhang vor, mitverantwortlich für den Tod von 200.000 Timoresen und für Menschenrechtsverletzungen zu sein.

In den 1980er Jahren kehrte Holbrooke als Abteilungsleiter für Ostasien und den Pazifik Präsident Jimmy Carters Korea-Politik des Abzugs amerikanischer Truppen aus Südkorea um und stellte die operative amerikanische Leitung unter dem Kombinierten US-Südkoreanischen Kommando wieder her. Einige Kritiker argumentieren, daß dies zu US-Unterstützung bei dem brutalen Gwangju-Massaker im Mai 1980 führte, bei dem ca. 5.000 Zivilisten ums Leben kamen. Viele vergleichen das Gwangju-Massaker in Südkorea mit dem auf dem Tiananmen-Platz 1989 in Peking, mit dem die chinesische KP die Demokratie-Bewegung gewaltsam beenden ließ. Kurz nach dem Gwangju-Massaker vollendete General Chun Doo Hwan seinen Staatsstreich, den er sechs Monate zuvor begonnen hatte und wurde im Februar 1981 der unpopulärste Staatschef in der Nachkriegsgeschichte Koreas. Später wurde Holbrooke ein gutbezahlter Berater der südkoreanischen Hyundai Corporation.

Holbrooke wurde einer breiten internationalen Öffentlichkeit bekannt, als er im Bosnischen Bürgerkrieg die rivalisierenden Fraktionen an einen Tisch brachte. Er reiste nach Belgrad zu Slobodan Milošević in Begleitung ausgewählter hochrangiger US-Militärs, die er seinem Gesprächspartner mit der Bemerkung vorstellte, diese Soldaten befehlen die amerikanischen Luftstreitkräfte, die bereit stehen, Sie zu bombardieren, wenn wir nicht zu einer Einigung gelangen. Er erreichte auf diese Weise die Unterschrift von Slobodan Milošević, Alija Izetbegović und Franjo Tudjman unter den Vertrag von Dayton 21. November 1995, das noch heute Grundlage für die Stationierung der SFOR-Truppen der NATO in Bosnien darstellt (siehe auch: Balkankrieg). Holbrookes Bemühungen um die Verhinderung militärischer Auseinandersetzungen im Kosovo blieben ergebnislos.

Holbrooke war die einzige Person, die als Abteilungsleiter für zwei verschiedene Weltregionen (sowohl Asien, wie Europa) tätig war.

Er ist Mitglied des Internationalen Instituts für Strategische Studien in London, des Citizens Committee for New York City und des Economic Club von New York. Er ist Mitglied der Führung von AIG und National Endowment for Democracy und Vorsitzender des International Rescue Committee and Refugees International. Er ist Vizepräsident von Perseus LLC. 1993 war Holbrooke neun Monate Botschafter der USA in Deutschland. 1996 wurde er mit der Manfred-Wörner-Medaille ausgezeichnet. Er war 1998 ebenfalls Gründungsvorsitzender der American Academy in Berlin einer privat finanzierten Stiftung für kulturelle und intellektuelle deutsch-amerikanische Kontakte. 2002 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz.

Zwischen 1972 und 1976 war Holbrooke erster Herausgeber des Magazins Foreign Policy. Zwischen 1974 und 1975 war er Mitherausgeber des Nachrichtenmagazins Newsweek. Seit 1992 ist er Mitglied der Carnegie Kommission zu Amerika und der sich ändernden Welt. Gesponsort von der Carnegie-Stiftung gab er 1992 als Vorsitzender der Kommission Regierung und Erneuerung eine Studie heraus, zu der selbst beitrug. Holbrooke veröffentlichte zahllose Artikel und zwei Bücher.

Holbrooke ist Vater zweier Söhne.

Lebensstationen

Werke

Weblinks

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Personendaten
Holbrooke, Richard
US-Diplomat, ehem. Botschafter in Deutschland und bei den Vereinten Nationen
24. April 1941
New York City, USA

See also: Richard Holbrooke, 1941, 1962, 1966, 1970er, 1980, 1980er, 1989, 1993