Romeo und Julia auf dem Dorfe

Romeo und Julia auf dem Dorfe ist eine Novelle von Gottfried Keller, die erstmals 1856 in der Sammlung Die Leute von Seldwyla erschien.

Personen

Inhalt

Die Geschichte beginnt an einem Septembermorgen, an dem die Bauern Manz und Marti ihre Felder pflügen. Zwischen deren Feldern liegt das Feld des aus der Gemeinde ausgestoßenen ‚schwarzen Geigers’. Da die Eigentumsrechte dieses Feldes ungeklärt sind, pflügen die beiden Bauern ruhigen Gewissens jedes Jahr eine Furche mehr, sodass ihre Felder immer größer werden. Die beiden Nachbarn bewirtschaften ihre Felder in friedlicher Atmosphäre, was sich jedoch ändert, als das mittlere Feld versteigert und von Manz erworben wird. Dieser besteht darauf, den von Marti unrechtmäßig in Anspruch genommenen Teil von ihm zu bekommen. Den Streit, der daraus entsteht, wollen die beiden vor Gericht lösen, was sie aufgrund des kostspieligen Prozesses ihren gesamten Besitz kostet. Manz zieht, in der Hoffnung auf eine bessere finanzielle Situation, mit seiner Familie in die Stadt und eröffnet eine kleine Gaststube. Martis Frau stirbt und so lebt Vrenchen alleine mit ihrem Vater im Haus. Sali, Manz’ Sohn, und Vrenchen waren vor dem großen Streit gut befreundet und verbrachten viel Zeit am Feld ihrer Väter. Durch die entstandene Feindschaft der Familien verloren sich die beiden jedoch völlig aus den Augen. Nach einigen Jahren begegneten sich Manz und Marti beim Fischen wieder, was einen Kampf der beiden zur Folge hat. Auch Sali und Vrenchen treffen sich wieder, indem sie versuchen, ihre Väter auseinander zu bringen. Als sich ihre Blicke treffen, merken die beiden eine enge Verbundenheit. Aufgrund der Rivalität ihrer Eltern müssen sie sich allerdings ohne das Wissen ihrer Väter auf dem schicksalsbehafteten Feld treffen. Als sie ihre gemeinsame Zeit ungestört genießen wollen, sehen sie den ‚schwarzen Geiger’. Kurz darauf sucht Marti seine Tochter und überrascht diese beim Liebesspiel mit Sali. Als er ihr Gewalt antun will, greift Sali ein und schlägt den Vater seiner Geliebten irrenhausreif. Da Vrenchen nach diesem Vorfall auf sich alleine gestellt ist, muss sie das Dorf verlassen und sich eine Betätigung suchen. Sie will jedoch noch einen schönen Abend mit Sali verbringen. Die beiden haben den Wunsch, ihren letzten gemeinsamen Abend in einem Tanzlokal zuzubringen, wozu sie jedoch weder genug Geld noch Tanzschuhe haben. Dafür opfert Sali seinen letzten Wertgegenstand und verkauft seine Uhr. In der Schenke ‚Paradisgärtlein’ treffen sie den ‚schwarzen Geiger’, welcher ihnen rät, in die Berge zu den Heimatlosen zu gehen, um dort illegal zu heiraten. Zunächst wollen die beiden dem Rat folgen, ändern dann jedoch den Entschluss und entscheiden sich für den Freitod. Am folgenden Morgen werden die beiden im nahen Fluss tot geborgen.

Interpretation

Keller zeigt mit seinem Werk die verkrampften Prinzipien der damaligen Zeit auf. Auch heute sind diese in machen Gebieten noch sehr aktuell, was die Geschichte sehr lebensnah macht. Der Anlass für dieses Buch war ein Zeitungsartikel von 1847, in dem im Grunde genau diese Geschichte passiert. Keller will unter anderem auch die zerstörende Wirkung eines grundlosen Streits zeigen, welcher wie in diesem Fall sogar zur vollkommenen Verarmung und Zerstörung zweier Familien führt.

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See also: Romeo und Julia auf dem Dorfe, 1856, Gottfried Keller, Novelle (Literatur)