Römisch-deutscher Kaiser

Römisch-deutscher Kaiser ist die in der neueren Literatur, so auch in der Wikipedia verwendete Bezeichnung für die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Diese Terminologie vermeidet Verwechslungen mit den Kaisern der Römerzeit, aber auch mit dem späteren preußischen Königtum beziehungsweise den preußisch-deutschen Kaisern des 19./20. Jahrhundert. Beides waren die mittelalterlichen Herrscher nicht.

Diese Herrscher wollten sich - in Anknüpfung an die spätantike Kaiseridee und der Idee der Translatio imperii - in direkter Nachfolge der römischen Caesaren sehen. Im Laufe der Zeit entstand auch der Name des Heiligen Römischen Reiches (erstmals in dieser Form 1254 belegt). Seit dem 11. Jahrhundert ließen sie sich daher vor ihrer Kaiserkrönung zum Rex Romanorum (König der Römer), womit auch ein Anspruch auf die Kaiserkrone verknüpft war, ernennen. Die Anknüpfung an das antike römische Reich hatte auch heilsgeschichtliche Gründe: Nach dem Glauben des Mittelalters gab es vier Weltreiche. Eines davon, das Vierte, wurde mit dem römischen Reich gleichgesetzt. Dieses Reich war im Westen untergegangen, aber im Osten bestand es auch verfassungsrechtlich fort (Byzanz). Durch die Translatio-Imperii-Theorie war nun das byzantinische Kaiserreich auf Karl den Großen und später auf Otto I. übergegangen - später bestritt man den byzantinischen Kaisern gar den Titel eines römischen Kaisers, den diese weiterhin für sich in Anspruch nahmen.

Umgangssprachlich und in der älteren Literatur wird die Bezeichnung deutscher Kaiser für die „Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ verwendet. Im 18. Jahrhundert wurden diese Bezeichnungen auch in offiziellen Dokumenten übernommen.

Der Zusatz „Deutscher Nation“ taucht erstmals 1438 („deutsche Landen“ bereits 1409), in einem Gesetz 1486, auf. Verstärkt taucht die Betonung auf deutsche Nation in der Reformationszeit auf, als das Imperium in Italien de facto nicht mehr vorhanden war und sich größtenteils auf deutsche Sprachgebiete bezog. Auch im Abwehrkampf gegen Karl den Kühnen von Burgund wird diese Terminologie verwendet.

Im Reich setzte sich mehr und mehr die Ansicht durch, dass der König (bzw. zukünftige Kaiser) von den Kurfürsten gewählt würde, der dann entweder vom Papst zum Kaiser gekrönt wurde, oder, allerdings erst in der Frühen Neuzeit, in das Kaiseramt nachrückte. Das Papsttum hingegen hatte im Mittelalter immer darauf bestanden, dass es über die „Eignung“ des Kaisers selbst entscheiden könnte - was im Reich auf erheblichen Widerstand stieß (siehe Staufer). Der offizielle Königstitel bis zur Ottonenzeit lautete Rex Francorum (König der Franken) und Regnum francorum orientalium („Königreich der östlichen Franken“), danach Römischer König.

Aber auch der König des Ostfrankenreiches (seit dem 11. Jahrhundert vom Papsttum - in abwertender Weise - auch als Regnum Teutonicorum [Königreich der Deutschen] bezeichnet). Otto I. wurde umgangssprachlich schon Rex Teutonicorum (König der Deutschen oder deutscher König) genannt. Als Ursprung des Namens können die Straßburger Eide angesehen werden, durch die ein romanischsprachiges (altfranzösisch) Westfrankenreich und ein deutschsprachiges Ostfrankenreich entstand.

Nach der Kaiserkrönung wurde die Titulatur ergänzt um den kaiserlichen Zusatz semper Augustus - „immer Mehrer des Reiches“, da man Augustus fälschlich vom lateinischen Verb augere (deutsch: vermehren, vergrößern) ableitete. Der Begriff Mehrer stand dabei für die Pflicht des Herrschers, die Rechte des Imperiums zu schützen und zu erhalten. Konkret bedeutete dies, dass der Kaiser die Entfremdung von Reichsrechten wie Regalien (wie in Italien) oder den Verlust von Gebieten (wie im westlichen Grenzraum an Frankreich) zu verhindern hatte. Allerdings wurde dieser Zusatz zum Teil auch vor der Kaiserkrönung gebraucht.

Seit Maximilian I. (1508) nannte sich der neugewählte König auch „Erwählter Römischer Kaiser“, auf eine Krönung durch den Papst wurde fortan mit Ausnahme Karls V. verzichtet.

Siehe auch

Literatur

See also: Römisch-deutscher Kaiser, 11. Jahrhundert, 1409, 1438, 1486, 1508, 18. Jahrhundert, Byzantinisches Reich, Byzanz, Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation