Römische Legion

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Detail der Trajanssäule mit Szenen aus der Legion und Marine

Die römische Legion war ein selbständig operierender Verband mit 4.000 – 6.000 Legionären und leicht bewaffneten Hilfstruppen in etwa gleicher Stärke. Er kommt in heutigen Begriffen am ehesten der Division nahe.

In der langen Geschichte der Legion wandelten sich die Stärke, Zusammensetzung und Ausrüstung der Legion. Die Legion der klassischen römischen Kaiserzeit wurde durch die Heeresreform des Marius ab 107 v. Chr. geprägt.

Inhaltsverzeichnis

Die Legion in der Königszeit und der Zeit der Republik

Königszeit

Zur Zeit der römischen Republik war die Armee eine Wehrpflichtarmee, wobei die Wehrpflicht an die politischen Rechte gekoppelt war. Wer keine Steuern zahlte, musste nicht zur Armee, besaß aber auch keine politischen Rechte. Je nach Vermögen wurde man in eine der fünf Klassen eingeteilt und diente dann als Reiter, schwerer Infanterist, wiederum in drei Klassen eingeteilt, oder leichter Infanterist. Die Ausrüstung musste selbst gestellt werden.

Der Ursprung der Legion (von legio = die Lese) lag Mitte des 7. Jahrhundert v. Chr. in der Hopliten-Phalanx, die mit dem Speer als Hauptwaffe ausgerüstet und in 3 Tausendschaften unter 3 Tribunen (tribuni militum) unterteilt war. Hinzu kamen 3 Hundertschaften (centuriae) Reiter unter den drei Abteilungsführern (tribuni celerum). Insgesamt bestand das Angriffsheer Roms am Anfang der Königszeit also aus ca. 3.300 Mann. Die Stärke der Legion wurde nach der Vereinigung der Bergrömer des Palatin mit den Hügelrömern des Quirinal auf 6 Tausendschaften Fußvolk und 6 Hundertschaften Reiterei verdoppelt.

Im Rahmen der Servianischen Heeresreform unter König Servius Tullius, die auch den Bau der ersten Stadtmauer Roms mit sich brachte, wurde die Legion neu geordnet: Sie bestand aus 6.000 Mann in 6 Reihen plus 2.400 Mann Leichtbewaffnete. In den ersten 4 Reihen der Phalanx standen 40 Centurien der vollausgerüsteten Hopliten (classis), in den folgenden beiden Reihen je 10 Centurien der nicht voll ausgerüsteten Hopliten der zweiten und dritten Vermögensklasse. Die Bürger der untersten Vermögensklassen stellten 24 Centurien der Leichtbewaffneten, die bei Bedarf auch Lücken in der Phalanx auszufüllen hatten. Hinzu kamen i.d.R. pro Legion 6 Centurien Reiterei. In der Legion dienten die Bürger des ersten Aufgebotes vom 18. bis 46. Lebensjahr. Die älteren Jahrgänge hatten die Stadtmauern daheim zu schirmen. Neben die Legion der römischen Bürger trat die gemeinsame Legion der latinischen Bundesgenossen Roms. Mit dem zunehmenden Erstarken Roms im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. wurden mehrere Legionen gleichzeitig ins Feld gestellt.

Römische Republik

Erste Veränderungen

Im 4. Jh. v. Chr. wurde die bisher relativ starre Phalanx durch Einführung der flexibleren Manipularordnung verbessert, wodurch die Legion in späteren Feldzügen gegenüber der griechischen und makedonischen Phalanx die Überlegenheit gewann.

Die bisherige Legion von 8.400 Mann wurde in 2 neue Legionen je 4.200 Mann geteilt. Jede Legion bestand aus 10 Manipeln (von manus = die Hand, die Schar) in je 3 Treffen zu je 4 Reihen. Vorn standen die Hastaten, dann die Principes, schließlich die Triarier. Die beiden ersten Treffen erhielten das Pilum, eine neuartige Wurflanze, während das dritte Treffen weiterhin mit der langen Stoßlanze ausgerüstet blieb. Das Pilum wurde auf Kommando aus einer Entfernung von ca. 10 bis 20 Schritt geschlossen in den Feind geworfen, um seine Reihen zu öffnen und seine Schilde zu beschweren. Anschließend erfolgte der Kampf mit dem Schwert (Gladius). Jeder Legion waren zudem 300 Reiter (equites) zugeteilt.

Jedes Manipel bestand aus drei Truppenteilen:

  1. Triarii (altgediente, schwerbewaffnete Veteranen/Elitesoldaten im dritten Glied)
  2. Principes (Soldaten im zweiten Glied, ähnlich bewaffnet wie Hastati)
  3. Hastati (schwerbewaffnete Soldaten der vordersten Linie)

Die Triarier wurden in der Legion als Elitesoldaten verehrt und in der Regel nur in auswegslosen Situationen eingesetzt.

Die Zusammenfassung von zwei Zenturien zu einem Manipel war vor allem im Gefecht von taktischer Bedeutung. Dort wurde das Kommando stets vom älteren der beiden Zenturionen (dem jeweiligen 'Centurio Posterior') geführt. Die bisherige Einstufung nach Vermögensklassen fiel weg. Stattdessen wurde das Dienstalter maßgeblich. Die Rekruten begannen als Leichtbewaffnete, kamen dann zu den Hastaten, später den Principes und schließlich zu den Triariern. Somit gaben die erfahrensten Soldaten, die Triarier, der Truppe den Rückhalt.

In Notsituationen wie den Punischen Kriegen gegen Karthago, insbesondere nach dem Verlust mehrerer Legionen gegen Hannibal, wurde die Einteilung nach unten geöffnet, um die nötige Anzahl von Rekruten zu erhalten. Diese waren teilweise nicht in der Lage, ihre Ausrüstung selbst zu beschaffen, und der Staat musste diese stellen.

Im weiteren Verlauf der römischen Geschichte kam es zu einer Verarmung der italienischen Kleinbauern, die dem Milizsystem die Grundlage entzog, da die verarmten Bauern nicht mehr unter die Wehrpflicht fielen.

Die Heeresreform des Marius

Durch die Niederlagen gegen die Kimbern und Teutonen wurde eine Heeresreform immer dringender, die dann unter Marius ab 107 v. Chr. erfolgte und bei der die Organisation der Legion und die Ausrüstung stark geändert wurden. (Nach dieser Reform wurde der Legionär ob des umfangreichen Gepäcks auch der mulus Marianus, „Das Maultier des Marius“, genannt.)

Konkret setzte Marius u.A. folgende Änderungen in seinen Reformen durch:

Die Grundlagen dieser Heeresreform wurden auch in der nächsten Reform des Augustus nicht verändert, die aber für eine Vereinheitlichung des Heeres sorgte.

In der späten Kaiserzeit wurden Kaiser und Gegenkaiser von den Legionen ausgerufen (Soldatenkaiser). Die Prätorianergarde, die einige Kaiser ermordete, war keine Legion, sondern eine Sondertruppe.

Die Legion der klassischen Kaiserzeit

Gliederung

Die Legion nach der Heeresreform des Marius war in Legionstruppen, in denen römische Bürger als schwere Infanterie dienten, und Auxiliareinheiten (Hilfstruppen) verbündeter Völker gegliedert. Nach der Reform der Legion in der Kaiserzeit wurde die Römische Legion mit einer Standardgröße von knapp 5.500 Mann geführt von einem Stab aus 11 Offizieren.

Die Legion kommandierte stets der Legatus. Diesem stand ein Tribunus Laticlavius als Stellvertreter zur Seite. Als dritthöchster Legionsführer rangierte der Praefectus Castrorum (Lagerkommandant), der höchste Dienstgrad, den ein Nichtadeliger erreichen konnte, und damit der Traum eines jeden einfachen Legionärs. Anschließend folgten 5 Tribuni Angusticlavii, die quasi noch im höheren Offiziersstand dienten. Dahinter standen noch der Primus Pilus, der höchste aller Zenturionen und gleichzeitig auch der Führer der ersten Kohorte (von cohors = umzäunter Ort) der Legion, sowie der Princeps und der Hastatus.

thumb|Die römische Legion zur Kaiserzeit

Die Legion (Sollstärke) setze sich zusammen aus (siehe dazu auch die Grafik):

Legionstruppen (5.500 Mann):
1. Kohorte (810 Mann):
1 Zenturie à 162 Mann
2 Manipeln zu je zwei Zenturien à 324 Mann
2. bis 10. Kohorte (4.320 Mann):
je Kohorte 3 Manipel zu je zwei Zenturien à 80 Mann
Kavallerie (120 Mann):
4 Schwadronen (Turmae) à 30 Mann. Sie dienten in erster Line zur Aufklärung und Kommunikation.
Adjutanten und Offiziere (250 Mann)

Hinzugezählt werden mussten außerdem fast die gleiche Anzahl an:

Auxiliartruppen (rund 5.000 Mann):
Kohorten (Infanterie)
10 Kohorten
Kavallerie (Ala)
4 Schwadronen
Cohors Equitata (gemischte Einheit aus Infanterie und Kavallerie)

So kam eine Legion inklusive Hilfstruppen und Tross bei Vollbesetzung auf knapp 11.000 Mann.

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Detail vom Konstantinsbogen mit Feldzeichen
Die Feldzeichen (Signum) genossen göttliche Verehrung und wurde daher besonders geschützt. In der 1. Kohorte und insbesondere in der Zenturie des Feldzeichens dienten daher nur besonders ausgewählte Soldaten (Triarier).

Die Zusammenfassung von zwei Zenturien zu einem Manipel blieb nominell noch bestehen, verlor aber im Laufe der Kaiserzeit zu Gunsten der Kohorte ihre taktischen Bedeutung.

Die Einheiten der Auxiliartruppen waren stärkeren Unterschieden als die Legionstruppen unterworfen, da sie teilweise über spezielle Ausrüstung verfügten (z.B. Bogenschützen) oder an die typischen Gegebenheiten der Herkunftsländer angepasst waren. Gewöhnlich waren die Auxiliareinheiten nicht mit den Legionen zusammen, sondern in eigenständigen Lagern (Castra) untergebracht, z. B. am Limes.

Weiterhin verfügte die Legion noch über Spezialtruppen wie Geschütze und über einen Tross zur Versorgung der Legion, außerdem noch über einen umfangreichen Verwaltungsapparat, da die Legion auch Aufgaben der Verwaltung in ihrer Provinz und sehr viele Baumaßnahmen wahrzunehmen hatte. Die Verwaltung rekrutierte sich aus den aktiven Soldaten der jeweiligen Einheiten

Ab dem zweiten Jahrhundert n. Chr. wurde eine neue Art von Auxiliartruppen aufgestellt, die Numeri, deren Stärke beträchtlich unter der der bisherigen Auxiliartruppen lag (ca. ein Drittel). Auch diese Truppen wurden selbständig in kleineren Kastellen eingesetzt.

Es sind ca. 50 Legionen bekannt, allerdings existierten maximal nur ca. 35 Legionen auf einmal. Jede Legion besaß eine Nummer und einen Namen. Teilweise waren Nummern doppelt vergeben, da während der Bürgerkriege jede Partei Legionen aufstellte.

Siehe auch Liste der römischen Legionen.

Unterhalb der Centuria gab es auch ein Vielzahl von Dienstgraden, die entweder in der Centuria oder bei Abkommandierungen erreicht werden konnten. Es sind über 100 Dienstgrade oder Funktionsbezeichnungen bekannt, die natürlich nicht alle gleichzeitig existierten.

Der einfache Soldat hieß miles gregarius. Die nächste Stufe waren die immunes, die vom normalen Tagesdienst befreit, aber noch keine Vorgesetzte waren: sie könnte man am ehesten mit den heutigen Gefreiten vergleichen. Als principalis erhielt der Legionär dann auch einen höheren Sold und Vorgesetztenfunktion. In einer Centuria gab es als Stellvertreter des Centurios den optio, der auch ein optio ad spem, also ein zur Beförderung zum Centurio heranstehender Optio, sein konnte. Rangmäßig über dem Optio, aber nicht als Vorgesetzter, stand der signifer, der Feldzeichenträger. Weiterhin gab es noch einen tessarius, eine Art Kompaniefeldwebel. Diese drei gehörten zu den prinicipales, wobei der tessarius den anderthalbfachen Sold eines Legionärs, (sesquiplicarius) und der Signifer und der Optio den doppelten Sold (duplicarius) erhielten. Weiterhin gab es noch den cornicen, den Hornbläser, und den custos armorum, den Waffenwart, die beide zu den immunes zählten.

Ausrüstung

Der Legionär der Kaiserzeit verfügte über ein umfangreiches Arsenal an Waffen, Schutzausrüstung, Schanzwerkzeug und persönlicher Ausrüstung. Diese Ausrüstung ist im Laufe der Jahrhunderte starken Veränderungen unterworfen, bedingt durch die Wechsel in der Struktur des Staates und der Armee wie auch die verschiedenen Feinde und die kulturellen Einflüsse.

Waffen

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Legionäre um 70 n.Chr
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Legionär um 175 n.Chr.

Schanzwerkzeug

Persönliche Ausrüstung

Die Bekleidung des Legionärs bestand neben den oben angeführten Rüstungsteilen aus:

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Nachbau einer römischen Handmühle

Je nach Einsatzgebiet kommen noch andere Ausrüstungsgegenstände hinzu wie Strümpfe oder Hosen (feminalia). Die Gruppe (contubernium) verfügte über ein Maultier, auf dem das Schanzwerkzeug, ein Lederzelt und evtl. zusätzliche Verpflegung verladen war.

Ebenso gehörte eine Getreidemühle zur Gruppenausrüstung, das Getreide wurde nämlich ungemahlen ausgegeben. Teilweise verfügte die Gruppe noch über einen (wohl meist unfreien) Helfer, der sich auch um das Maultier kümmerte. Insgesamt wird die Zahl dieser „Helfer“ pro Legion auf über tausend geschätzt, da insbesondere der Tross und die Reitereinheiten über eine erhebliche Anzahl von Pferdeknechten verfügt haben müssen. Allerdings ist der Status dieser „Helfer“ nicht ganz geklärt, man geht davon aus, dass es sich überwiegend um Sklaven gehandelt hat.

Taktik

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Römische Legionäre um 70 n.Chr. Der Hintergrund soll kein reales Lager darstellen.
Der Erfolg der römischen Legion beruhte auf der überlegenen Ausrüstung, Ausbildung und hohen Disziplin im Gefecht.

Die Legion kämpfte sowohl in geschlossener Schlachtordnung, sodass der einzelne Soldat nur von vorn angreifbar und sehr gut durch den großen Schild gedeckt war, aber auch – im Gegensatz zur Phalanx – in lockerer Schlachtordnung, in der der Legionär keinen Kontakt zu Nachbarn, Vorder- und Hintermann hatte. Dies erforderte weit größere Disziplin, als in den dichten Reihen der Phalanx zu kämpfen. Die normale Schlachtordnung wies dabei eine Gliederung in drei Reihen auf. Zwei Centuriae wurden zu einem Manipel zusammengefasst, das unter dem Befehl des dienstälteren Centurios kämpfte. Die Manipel waren wiederum in Kohorten zusammengefasst. Mit Ersatz der Manipeltaktik durch die Kohortentaktik war ein schablonenfreies Manövrieren möglich, und die Truppe wurde beweglicher.

Der Gegner wurde auf ca. 20 Schritt Entfernung mit einem Hagel aus Wurfspießen (Pila) überschüttet. Diese sollten, neben dem Beifügen von Verlusten, den gegnerischen Schildwall auflösen und die Formation auflösen.

Die Legion in der Spätantike

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Legionär gegen Ende des 3.Jhdts. in einer nördlichen Provinz

In der Spätantike wandelte sich das Erscheinungsbild der Legion grundlegend. Durch die Heeresreform Diokletians wurde die Anzahl der Legionen stark erhöht (etwa 60), wobei allerdings ihre Sollstärke herabgesetzt wurde (ca. 1000–2000 Mann und Hilfstruppen). Gleichzeitig wuchs auch die Zahl der so genannten foederati, die in den Reihen der römischen Armee kämpften. Die Armee wurde schließlich in Grenzheer (Limitanei), Marschheer (Comitatenses) und Gardetruppen (Palatini, siehe Comitatenses) unterteilt. Die Rolle der Reiterei nahm stetig zu, besonders im Rahmen der Auseinandersetzungen mit den barbarischen Reiterheeren (Goten, Hunnen) und vor allem im Kampf mit den Sassaniden, in deren Heer die Panzerreiterei eine herausragende Rolle spielte. In diesem Zusammenhang ist auch der Bedeutungsverlust der Legion zu erklären. Die Standardeinheit der römischen Armee wurde der numerus mit einer Größe von etwa 300 Mann.

Im oströmischen Reich wurde die Legion im Laufe des späten 6.und des frühen 7. Jahrhunderts langsam aufgelöst. Zu den letzten nachweisbaren Legionen gehört die legio IV Parthica, die noch unter Kaiser Maurikios erwähnt wird.

Siehe auch

Portal Rom - Themenliste RomRömisches ReichLegionslagerListe der römischen LegionenAuxiliartruppenThebaische LegionRömische MarineKataphraktRömische Kampftechnik

Literatur

Weblinks

Eine Vielzahl von Gruppen versucht, die Ausrüstung der römischen Legion möglichst originalgetreu nachzubauen und zu erproben.

Weitere Weblinks:

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See also: Römische Legion, 107 v. Chr., 2. Jahrhundert, 4. Jahrhundert v. Chr., 5. Jahrhundert v. Chr., 7. Jahrhundert v. Chr., Augustus, Auxiliartruppen