Rudyard Kipling

thumb|Rudyard Kipling

Joseph Rudyard Kipling (* 30. Dezember 1865; † 18. Januar 1936) war ein britischer Schriftsteller und Dichter.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Kindheit und Jugend

Kipling wurde in Bombay, Indien, geboren. Sein Vater war John Lockwood Kipling, ein Lehrer an der örtlichen Jeejeebhoy Kunstschule und späterer Direktor des Museums von Lahore, seine Mutter hieß Alice (geb. Macdonald). Ein Onkel mütterlicherseits war der Maler Edward Burne-Jones, ein anderer der Politiker Stanley Baldwin. Seinen ausgefallenen Vornamen Rudyard verdankt er dem Lake Rudyard in Staffordshire, an dem seine Eltern sich verlobt hatten.

Im Alter von sechs Jahren kam Rudyard Kipling nach England, lebte bei Pflegeeltern und besuchte die Schule, erst in Southsea und später das United Services College in Devon.

thumb|Soldiers Three, Titel der Orginalausgabe, 1888

Literarische Karriere

1882 kehrte Kipling nach Lahore (im heutigen Pakistan) zurück, wo seine Eltern inzwischen lebten. Er arbeitete dort zunächst als Redakteur einer örtlichen Zeitung und begann Lyrik und Erzählungen zu schreiben. Ab Mitte der 1880er Jahre bereiste er den indischen Subkontinent als Korrespondent des in Allahabad erscheinenden The Pioneer. Seine Bücher wurden in der Zwischenzeit erfolgreich; bis 1888 hatte er bereits sechs Bände mit Kurzgeschichten veröffentlícht, darunter Soldiers Three (1888). Eine Kurzgeschichte dieser Zeit war "Der Mann, der König sein wollte" ("The Man Who Would Be King"), die später (1975) mit Sean Connery und Michael Caine in den Hauptrollen verfilmt wurde.

Im folgenden Jahr, 1889, kehrte Kipling nach England zurück und ließ sich in London nieder. Zu seinen literarischen Freunden und Förderen gehörten Henry Rider Haggard und Henry James. Schnell wurde er berühmt für seine realistischen Erzählungen und die Gedichte, in die er die Rhythmen der Umgangssprache und den Slang, beispielsweise von Soldaten, meisterhaft integrierte. Seine Lyrik übte einen großen Einfluss auf Bertolt Brecht aus. Sein erster Roman, "Das fahle Licht" (The Light that Failed), erschien 1890. Eine seiner berühmtesten Ballade ist The Ballad of East and West (die mit "Oh, East is East, and West is West, and never the twain shall meet" beginnt).

1892 heiratete er Caroline Balastier; ihr Bruder, ein amerikanischer Autor, war ein Freund Kiplings. Kipling lebte mit seiner Frau die nächsten vier Jahre in den Vereinigten Staaten. In dieser Zeit begann er Kinder- und Jugendbücher zu schreiben, unter anderem sein heute in Deutschland (auch durch den Disney-Zeichentrickfilm) bekanntestes Werk: Das Dschungelbuch (The Jungle Book) - und das zweite Dschungelbuch, The Second Jungle Book, die in den Jahren 1894 und 1895 entstanden.

Nach Streitereien mit Verwandten kehrte die Familie nach England zurück. 1897 veröffentlichte er "Die mutigen Kapitäne" (Captains Courageous) und, anlässlich des 50. Thronjubliäums von Königin Victoria das Gedicht Recessional - einen pessimistischen, warnenden Blick auf die Selbstgefällig- und Selbstherrlichkeit des Britischen Empires. Im folgenden Jahr reiste er nach Afrika. Er freundete sich dort mit dem britischen Imperialisten Cecil Rhodes an und begann erneut Material für ein weiteres Kinderbuch, Geschichten für Kinder (Just so Stories) zu sammeln, das 1902 erschien. Zu einem Synonym des Imperialismus wurde der Titel seines Gedichts The White Man's Burden [1] von 1899, mit dem er die Zivilisierung der "Wilden" zu einer ethischen Last verklärt, die dem "Weißen Mann" auferlegt sei. Das Gedicht richtet sich, vor dem Hintergrund des Spanisch-Amerikanischen Krieges in dem die USA Kuba und die Philippinen eroberten, an den US-Präsidenten Theodore Roosevelt (mit dem Kipling persönlich bekannt war). Kiplings Botschaft ist, dass moderne, dynamische Staaten wie die USA, stagnierende europäische Kolonialmächte wie Spanien zurückdrängen und die Bürde für die Entwicklung der Menschen in den Kolonien auf ihre Schultern nehmen müssen. Das Gedicht gilt als eines der wesentlichen Zeugnisse des Imperialismus; sein Titel wurde sprichwörtlich.

1901 erschien der Roman Kim, der bis heute als eines von Kiplings bedeutendsten Werken gilt. Kim, Sohn eines irischen Soldaten, wächst als Waisenkind auf den Straßen Lahores auf, wo er, trotz seiner britischen Abstammung als "Eingeborener" gilt. Den Roman durchzieht eine Kriminal- und Spionagegeschichte, die als Anlass dient, Kim durch große Teile Indiens reisen und die jeweiligen Gebräuche erleben zu lassen. Der Roman gilt als eine der besten literarischen Darstellungen Indiens in der Kolonialzeit - eine Wertung, der sich auch viele heutige indische und pakistanische Autoren und Kritiker anschließen.

Während des Burenkriegs hielt sich Kipling zeitweise in Südafrika auf. 1907 wurde ihm als erstem englischen Schriftsteller der Literaturnobelpreis verliehen. In diesen Jahren entstanden zwei Poesie- und Erzählbände: 1906 Puck of Pook Hill und 1910 Belohnungen und Feen (Rewards and Fairies). Dieser Band enthält eines seiner beliebtesten Gedichte: If —.

Erster Weltkrieg und später

Nach dem Ersten Weltkrieg ging Kiplings Popularität zurück. Dazu kam eine persönliche Krise: Sein ältester Sohn John starb 1915 bei der Schlacht von Loos. Kipling, der schon zuvor Deutschland sehr kritisch gegenüber gestanden hatte, wurde in der Folge virulent deutschlandfeindlich. Zudem wich der Optimismus früherer Jahre einer zunehmend düsteren Haltung, was sich in vielen seiner späten Erzählungen niederschlägt.

Kipling schrieb bis in die frühen 1930er Jahre hinein, wenn auch der Erfolg immer mehr ausblieb. Er starb 1936 an einer Gehirnblutung und geriet danach, mit Ausnahme einzelner Gedichte und der Kinderbücher, für einige Zeit in Vergessenheit. Heute wird Kiplings politische Einstellung zwar immer noch kritisiert - wobei auch hier mittlerweile differenzierte Wertungen in den Vordergrund getreten sind. Sein literarisches Werk, Lyrik, Erzählungen und der Roman Kim, gelten aber im englischsprachigen Raum heute als Klassiker. Seit den 1970er Jahren wurde auch zunehmend die Qualität seiner späten Erzählungen von der Kritik betont. Im deutschen Sprachraum begann eine Neubewertung Kiplings, der hier fast nur als Kinderbuchautor bekannt war, mit einer neu übersetzten Ausgabe seiner Werke im Haffmans Verlag (ab 1987).

Nach dem Tod seiner Frau wurde sein Haus "Bateman's" 1939 in East Sussex dem National Trust vermacht und in ein öffentliches Museum umgewandelt.

Auswahl-Bibliografie

Erzählungen und Romane

Gedichte

Weblinks

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Personendaten
Kipling, Joseph Rudyard
britischer Schriftsteller und Nobelpreisträger
30. Dezember 1865
Bombay, Indien
18. Januar 1936

See also: Rudyard Kipling, 18. Januar, 1865, 1899, 1902, 1907, 1915, 1936, 30. Dezember