Sacco di Roma

Der Sacco di Roma (ital. Plünderung Roms) durch deutsche Landsknechte und spanische Söldner begann in den Morgenstunden des 6. Mai 1527 unter dem Pontifikat von Papst Clemens VII. und dauerte einen Monat. Es war die erste Plünderung Roms seit dem Vandaleneinfall 455 unter ihrem König Geiserich.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Spanien und Frankreich kämpften um die Vorherrschaft in Italien. Papst Clemens VII. aus dem Hause der Medici hatte erfolglos versucht, beide gegeneinander auszuspielen. Deshalb beendete er 1526 die Allianz mit dem deutschen Kaiser und spanischen König Karl V. und schloß sich am 22. Mai der profranzösischen Liga von Cognac an. Der Heiligen Liga von Cognac gehörten neben Papst Clemens VII. noch der französische König Franz I., der Herzog von Mailand Francesco II. Sforza, die Republik Venedig und einige kleinere oberitalienische Herrscher an.

Kaiser Karl V. hatte den französischen König Franz I. in der Schlacht bei Pavia gefangen genommen und von ihm den Verzicht auf Oberitalien gefordert. Um seine Freilassung besorgt, ging Franz I. auf die Forderungen ein, zog die Zusage aber nach seiner Freilassung umgehend wieder zurück. Die kaiserlichen Truppen, welche in Oberitalien kämpften, hatten schon seit längerem keinen Sold mehr erhalten. Da der Papst mit seiner Bündnispolitik gegen den Kaiser arbeitete, zogen die Söldner nach Rom, und plünderten die Stadt. Auch die Befehlshaber, wie der angeschlagene deutsche Feldhauptmann Georg von Frundsberg und Charles Lannoy, konnten die Truppen nicht davon abbringen.

Die Plünderungen

Ein über 24.000 Mann starkes Heer mit deutschen Landsknechten, spanischen Söldnern und italienischen papstfeindlichen Condottieri versammelte sich im Kloster Sant’Onofrio auf dem Hügel Gianicolo und erhielt am Morgen des 6. Mai 1527 von Generalkapitän Herzog Karl von Bourbon das Signal zum Angriff. Rom, eine der reichsten Städte dieser Zeit, war auf einen solchen Angriff überhaupt nicht vorbereitet, nachdem die Stadt 410 n. Chr. den letzten großen Überfall durch die Goten unter Alarich erlebt hatte. Die Stadt wurde von zwei Seiten gestürmt: Während die deutschen Söldner von Trastevere aus einfielen, zogen die spanischen und italienischen Söldner vom Vatikan aus durch die Stadt. Die Söldner raubten, folterten und töteten wahllos unter allen Ständen der Bürger Roms. Einen Monat lang herrschte der Schrecken in der ewigen Stadt. Man geht heute von weit über 30.000 Opfern aus. Dies ist für die damalige Zeit eine sehr hohe Zahl und entspricht über der Hälfte der damaligen Bevölkerung Roms. Die Söldner kämpften mit fünf Meter langen Spießen, mit Hellebarden, Schwertern (Katzbalger), Mordäxten, Messern sowie Händen und Zähnen. Sie schmierten Körperfett der Toten auf Spieße, z.T. zerhackten, brieten und aßen sie Körperteile. Kirchen und Paläste wurde geplündert und in Brand gesetzt, auch vor Krankenhäusern machten sie nicht Halt. Über 90% der Kunstschätze in Rom, darunter die Goldschmiedearbeiten der Kirchen, gingen in den Tagen des Mai 1527 verloren. Der Wert der Beute wird auf rund 10 Millionen Dukaten geschätzt.

Die römische Miliz wehrte sich verzweifelt, konnte jedoch kaum dem Sturm der kaiserlichen Söldner standhalten. Die Schweizergarde, die 1506 von Papst Julius II. als Leibwache engagiert worden war und als nahezu unbesiegbar galt, hatte sich vor St. Peter zusammengezogen und verteidigte den Vorplatz mit dem Obelisken erbittert. Etwa drei Viertel der Schweizergarde (147 von 189 Gardisten, darunter der Hauptmann Kaspar von Röist) fielen bei der Verteidigung der Stadt.

Papst Clemens VII. war in der Zwischenzeit von St. Peter aus durch einen Geheimgang, den Passetto, mit 42 Schweizern unter der Leitung von Herkules Göldli in die Engelsburg geflohen, wo sie von den Angreifern belagert wurden. Die letzten zurückgebliebenen Schweizer wurden, zusammen mit ein paar hundert betenden Menschen, vor dem Hochaltar von St. Peter niedergemetzelt. Der Zugang zum Geheimgang wurde aber nicht gefunden.

Die deutschen Landsknechte, die seit 1473 mit einer eigenen Verfassung für den Kaiser kämpften, waren "ein überwiegend mit langen Spießen, Hellebarden und Handrohren kämpfendes Fußvolk, dessen Männer aus oberdeutschen Gebieten stammten". Sie brachen sogar die Gräber in St. Peter auf und störten die Ruhe der dort Bestatteten. In das bekannte Fresko "La Disputa del Santissimo Sacramento" (Der Streit um das Allerheiligste) von Raffael ritzte man Spottverse.

In seiner Tischrede Nr. 3478 fasste Luther das Geschehen in seiner markanten Sprache folgendermaßen zusammen: "Rom ist itzt nur ein todt Aas und Haufen Schutt. Anno 1527 ist sie mit Sturm vom Herzogen von Bourbon, mit einem geringen Haufen Kriegsvolk, am allerfestesten Ort erobert und eingenommen, da die Römer und der Papst selbs sicher waren in der Kirchen. Der Papst entrann kaum, und floh davon in die Engelsburg. Es war ein solcher großer, dicker Nebel, dass die Feinde die Mauren erstiegen, ehe mans gewahr und inne ward; plünderten die Cardinäle; den Papst nahmen sie gefangen, der lösete sich mit dreij hundert tausend Ducaten, die er dem Kriegsvolk gab; da gaben sie ihn los und ließen ihn ziehen. Die besten Bücher wurden in den Bibereijen zurissen und kamen um. Die Copistereij war zum Pferdstall gemacht. Viel Römer kamen jämmerlich um, ausgenommen die da kaiserisch waren, und die Columneser. Es war eine sonderliche Strafe von Gott uber die Stadt."

Unter den Profiteuren dieses Raubzuges der Söldner befand sich unter anderem der kaiserliche Feldhauptmann Sebastian Schertlin von Burtenbach, welcher den Papst zu bewachen hatte.

Folgen

Nach einer mehrwöchigen Belagerung der Engelsburg kapitulierte am 5. Juni 1527 Papst Clemens VII. Er musste die Festungen Ostia, Civitavecchia und Civita Castellana übergeben, auf die Städte Modena, Parma und Piacenza verzichten und 400.000 Dukaten plus Lösegeld für die Befreiung der Gefangenen zahlen. Am 6. Dezember floh er nach Orvieto, bevor er am 29. Juni 1529 mit Kaiser Karl V. den Frieden von Barcelona schloss. Im Rahmen des Friedensvertrags wurde die Schweizergarde aufgelöst und dem Papst wurde eine multinationale Schutztruppe aufgezwungen. Erst durch Papst Paul III. wurde 1548 die Schweizergarde als Leibwache der Päpste wieder hergestellt. 1529 schließlich krönte Clemens VII. den Habsburger Karl V. noch zum Kaiser, da die erste Krönung durch den Kölner Erzbischof Hermann V. von Wied erfolgt war.

Die Schweizergarde hat den 6. Mai, den Tag, an dem fast die ganze Truppe in Erfüllung ihres Auftrages gefallen war, als hohen Gedenktag beibehalten. Auch heute noch werden im Gedenken an den Sacco di Roma jedes Jahr am 6. Mai die neuen Rekruten in Rom vereidigt.

Weblinks

Literatur



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See also: Sacco di Roma, 1473, 1506, 1526, 1527, 1529, 1548, 22. Mai, 29. Juni