Sacco und Vanzetti
Nicola Sacco (* 1891 in Torremaggiore/Foggia) und Bartholomeo Vanzetti (* 1888 in Villa Faletto/Cuneo) wurden in der Nacht vom 23. August auf den 24. August 1927 im Staatsgefängnis von Charleston, Massachusetts auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Der Fall löste internationale Proteste aus, da die Schuld nicht unbedingt klar war.
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Biographie
Sacco war Arbeiter in einer Schuhfabrik und Vanzetti, gelernter Konditor, verkaufte als ungelernter Arbeiter zur Zeit seiner Verhaftung Fische. Sie waren 1908 mit großen Hoffnungen aus Italien in die USA eingewandert, da sie dort die Chance für ein besseres Leben sahen. Dort lernten sie sich innerhalb der Arbeiterbewegung kennen, und zwar in den Gruppen um Galleani und Tresca, die anarchistische Zeitungen herausgaben. Um ihrer Einberufung zum Wehrdienst zu entgehen, fuhren sie zusammen mit anderen italienischen Anarchisten nach Mexiko und wurden Freunde.
Der Fall Sacco und Vanzetti
In Berührung mit der amerikanischen Justiz kamen Sacco und Vanzetti wegen des Arbeiters Andrea Salsedo. Dieser war ohne Angabe von Gründen verhaftet worden, blieb acht Wochen im Haft und verstarb dann im Gefängnis unter mysteriösen Umständen. Sacco und Vanzetti gehörten zu den Aktivisten beim Protest gegen diesen Polizeiskandal. Am 5. Mai 1920 wurden Sacco und Vanzetti in New York verhaftet. Ihnen wurde vorgeworfen, am 15. April 1920 in South Braintree, Massachusetts einen Raubmord an dem Lohnbuchhalter Palmenter und dem Wächter Berardelli begangen zu haben.
Zu dieser Zeit herrschte in den USA eine große Angst vor dem Kommunismus. Da Sacco und Vanzetti, die sich zwar nicht als Kommunisten bezeichneten, aber als Anarchisten, Friedensaktivisten und Mitglieder in der Arbeiterbewegung den Autoritäten bekannt waren, wurden sie von der Justiz benachteiligt.
Obwohl Sacco und Vanzetti Alibis für die fragliche Zeit hatten, wurden Entlastungszeugen nicht vernommen, Beweismittel zurückgehalten und ein parteiisches Geschworenengericht auf den Fall angesetzt. Richter Webster Thayer ließ es sich nicht nehmen, in aller Öffentlichkeit zu verlauten: "Denen werden wir's schon zeigen und die Kerle aufhängen."
So kam es, dass Sacco und Vanzetti am 31. März 1921 in Dedham, Massachusetts zum Tode verurteilt wurden. Das Todesurteil löste in den USA und anderen Orts einen Sturm der Entrüstung aus, so dass sich ein langjähriger Kampf mit einer weltweiten Solidaritätskampagne um die Aufhebung des Urteils entspann.
Der Portugiese Celestino Madeiros, der wegen Raubmordes zu Tode verurteilt war, ließ im Gefängnis am 18. November 1925 Sacco einen Zettel mit den Worten: "Ich bekenne hiermit, an dem Verbrechen in South Braintree beteiligt gewesen zu sein, Sacco und Vanzetti sind dagegen nicht dabei gewesen." zukommen.
Dies wurde zudem noch von einem Komplizen belegt. Der Raubmord war das Werk der Morelli-Bande gewesen. Doch selbst diese Aussagen beeindruckte die amerikanische Justiz nicht.
Die Revisonseingaben wurden abgewiesen. Der Gouverneur von Massachusetts, Fuller, lehnte alle Gesuche ab.
Im Jahre 1941 sagten die beiden Anarchisten-Führer Carlo Tresca und Max Eastmann aus. "Sacco was guilty but Vanzetti was innocent." (deutsch: "Sacco war schuldig, aber Vanzetti war unschuldig"). Im Oktober 1961 wurden zudem ballistische Tests an Saccos Waffe durchgeführt, die bewiesen, dass es sich um die Tatwaffe handelte.
Internationale Proteste
Als ein Hinrichtungstermin 1927 am 10. August 1927 bekannt wurde, kam es zu einer bis dahin noch nie gesehenen Protestwelle rings um den Erdball. Es kam zu vielen Anschlägen, gewaltigen Demonstrationen und wilden Streiks bis hin zu Generalstreiks in Südamerika. Dabei waren etliche Menschenleben zu beklagen. In Genf stürmte eine empörte Masse das Völkerbundgebäude und schlug den berühmten Glassaal in Trümmer. Selbst gesetzgebende Körperschaften forderten Gouverneur Fuller auf, die beiden Anarchisten freizugeben. Alle US-Botschaften wurden streng bewacht. In Tokio zog sich der US-Botschafter auf seinen Landsitz zurück. In vielen Städten Deutschlands protestierten Arbeiter. Selbst die amerikanische Presse berichtete nun von "Unstimmigkeiten" während des Prozesses.
Doch der amerikanische Staat demonstrierte Härte. Letztendlich wurde das Urteil in der Nacht vom 23. auf den 24. August 1927 vollstreckt. Zusammen mit Sacco und Vanzetti wurde Madeiros hingerichtet.
Sacco und Vanzettis Vermächtnis aus der Todeszelle:
"Macht aus unseren Leiden, aus unserem Schmerz, unseren Fehlern, unseren Niederlagen und aus unseren Leidenschaften für die künftigen Schlachten und die große Emanzipation ein kostbares Gut."
Späte Rehabilitation
Ein Gesuch für eine Revision des Verfahrens vor der Hinrichtung lehnte der damalige Gouverneur von Massachusetts, Fuller, ab.
Im Juli 1977 gab der Gouverneur von Massachusetts eine Ehrenerklärung für Sacco und Vanzetti und deren Familien ab.
Die Geschichte von Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti wurde 1971 von Giuliano Montaldo verfilmt. Aus dem Soundtrack dieses Films stammt das bekannte Lied Here's to you (Text: Joan Baez, Komposition: Ennio Morricone). Eine deutsche Übersetzung dieses Liedes stammt von Franz Josef Degenhardt. Der Maler Ben Shahn widmete dem Urteil seine bekannte Zeichnung The Passion of Sacco & Vanzetti (1931/32).
Literatur
Weblinks
- http://www.law.umkc.edu/faculty/projects/ftrials/SaccoV/SaccoV.htm englisch, aber mit Fotos
Sacco und Vanzetti Sacco und Vanzetti
Sacco und Vanzetti Sacco und Vanzetti Sacco und Vanzetti Sacco und Vanzetti
siehe auch
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