Sandinistas

Sandinistas (Frente Sandinista de Liberación Nacional FSLN: Sandinistische Nationale Befreiungsfront) ist eine linksgerichtete Befreiungsbewegung in Nicaragua, die 1979 an der Spitze einer breiten Widerstandsbewegung die seit 43 Jahren bestehende Diktatur der Somoza-Dynastie mit Präsident Anastasio Somoza Debayle stürzte und daraufhin Nicaragua bis 1990 regierte.

Der FSLN ist eine am 23. Juli 1961 in Nicaragua von Carlos Fonseca gegründete, revolutionäre Bewegung in Opposition zur Diktatur der Familie von Anastasio Somoza Debayle. Anfangs bemühten sich die Sandinisten nach dem Vorbild Fidel Castros an der Grenze zu Honduras, eine Landguerilla aufzubauen, was jedoch 1963 zunächst scheiterte.

Zeitweilig 3 Tendenzen: guerra popular prolonganda, tendezia proletaria, terzerista, Gruppe der Zwölf

Nach mehreren Jahren des schließlich erfolgreichen revolutionären Kampfes kam der FSLN am 19. Juli 1979 unter Führung von commandante Daniel Ortega an die Macht. Er führte neben dem Aufbau demokratischer Strukturen auch soziale Reformen durch, die der bis dahin unterdrückten, vor allem ländlichen Bevölkerung, zugute kam (unter anderem Reform des Gesundheitswesens mit freier medizinischer Versorgung, Alphabetisierungskampagne).

Von Anfang an sah sich die sandinistische Regierung massivem wirtschaftlichem Druck seitens der Vereinigte Staaten, die Somoza unterstützt hatten, aber auch mächtigen internationalen Institutionen ausgesetzt. Bei den Wahlen vom 25. Februar 1990 musste der FSLN ihre Regierungsmacht abgeben.

Die Gründer des FSLN beriefen sich in ihrem Namen auf Augusto César Sandino (1895-1934), General des Widerstandes gegen US-Truppen in Nicaragua (1912-1925 und 1927-1933) und ihre nicaraguanischen Verbündeten.

Ideologisch umfasst der Sandinismus (Sandinismo) ein breites Spektrum von Meinungen, die vom revolutionären Marxismus bis zur Befreiungstheologie und reformistischen Agenden einer Verbreiterung bäuerlichen Eigentums reichen. Während der Revolution fanden die Sandinisten große Unterstützung in der bäuerlichen und indigenen Bevölkerung Nicaraguas, sowie bei vielen neuen sozialen Bewegungen in Übersee, besonders bei der neuen Linken in Europa, wo teilweise auch internationale Brigaden zu deren Unterstützung nach Nicaragua aufbrachen. Diese Brigaden unterstützten die soziale und entwicklungspolitische Infrastruktur auf Seiten der Revolution und schufen internationale Aufmerksamkeit und Gegenöffentlichkeit zu den in allen westlichen Medien verbreiteten US-Propaganda vom "kommunistisch gequälten" Nicaragua.

Die Nicaraguanische Revolution bildete eine Provokation für mächtige, v.a. US-amerikanische Konzerne, die während der Somoza-Diktatur in Nicaragua investiert hatten und gefährdete auch politisch die US-Dominanz in der Region. Auch die Unterstützung der Sandinisten durch mit der UdSSR verbündete Staaten, beispielsweise durch das kommunistische Kuba und die DDR, sowie die Wirkung der FSLN auf Befreiungsbewegungen in Nachbarstaaten Nicaraguas, wie etwa die Unterstützung der linken Revolutionäre in El Salvador bewirkte, dass die USA die gegnerischen "Contras" (abgeleitet von Konterrevolution = Gegenrevolution), Terroristengruppen, die von Basen im benachbarten Honduras aus agierten, mit finanziellen, geheimdienstlichen (siehe Iran-Contra-Affäre) und militärischen Mitteln förderte. So blieb Nicaragua auch nach der Revolution noch relativ lange Schauplatz bürgerkriegsähnlicher Zustände in Folge der konterrevolutionären Anschläge und Angriffe der Contras.

FSLN nach 1990

Die FSLN hat seit der Wahlniederlage 1990 stark mit ihrem Image zu kämpfen. Als erstes kam mit der Piñata das moralische Desaster, bei dem sich viele Sandnisten aus purer Habgier bereichert hatten. Interne Konflikte zwischen den Lagern drohten die FSLN zu spalten, doch Daniel Ortega schaffte es mit eiserner Hand an der Macht zu bleiben. Nach Jahrzehnten an der Spitze der FSLN hat sich Daniel Ortega einen ihm hörigen Führungszirkel geschaffen, der ihn vor jeglicher Kritik abschirmt. Autoritär und realitätsfremd hat er es geschafft über die Jahre politischer Führer der FSLN zu bleiben. Dafür hat die Partei jedoch einen hohen Preis gezahlt. 1994 und 1995 traten zahlreiche berühmte Intellektuelle aus der FSLN aus, darunter Gioconda Belli, die Brüder Fernando und Ernesto Cardenal, sowie Sergio Ramirez. Dieser gründete eine Partei, die jedoch 1996 nur eine kleine Wählerschaft fand. Außerdem hat die FSLN ihre Basis verloren. Große Teile der Bevölkerung sind tief enttäuscht von den Machenschaften der Partei. Auf politischer Ebene kam in den späten 90ern der "Verrat" durch den Pakt mit der AL. Viele Sandinisten sahen ihre Ideale verraten, als die FSLN just der Partei erhebliche Zugeständnisse machten, die der Inbegriff für Korruption war. Nebenbei wurde der Pakt als Schwächung der Demokratie empfunden.

Des weiteren wurden im Laufe der 90er Jahre einige Machenschaften der FSLN aus den 80er Jahren bekannt. Neben der Bevölkerung wandten sich auch ehemalige ideologische Unterstützer angewidert von der FSLN ab.

Ein weiterer heikler Punkt in der Geschichte des FSLN sind die Missbrauchsvorwürfe gegen Daniel Ortega. Im Mai 1998 verklagt ihn seine 30jährige Stieftochter offiziell wegen sexueller Gewalt. Sie warf (und wirft) ihm vor, sie von 1978 bis 1998 mehrfach sexuell missbraucht und vergewaltigt zu haben. Als ein Strafgericht in Nicaragua das Verfahren eröffnet, erklärt die Verteidigung Ortegas dieses sofort für ungültig, da Daniel Ortega als Abgeordneter Immunität genieße. Im Juni wurde das Verfahren tatsächlich ausgesetzt, da die Klage erst behandelt werden könne, wenn der Kongress Ortegas Immunität aufhebe.

Im Dezember 2000 verzichtete Daniel Ortega auf seine parlamentarische Immunität und tat so, als wolle er vor Gericht beweisen, dass seine Stieftochter lüge. Im Nachhinein stellte es sich jedoch als großes Theater heraus, da er wußte, dass das Verfahren eingestellt wurde, da es nach nicaraguanischem Recht verjährt war. In der Öffentlichkeit wurde versucht dieses Thema soweit wie möglich zu verschweigen.

Im November 2000 schafften es die Sandinisten in fast allen wichtigen Gemeinden einschließlich der Hauptstadt Managua zu gewinnen. Daniel Ortega präsentierte sich als stolzer Gewinner und nutzte gleich die Gelegenheit, um zu betonen, dass er der einzige Präsidentschaftskandidat für die FSLN sei, in dem er u. a. behauptete, dass es zu gewagt sei, nun mit neuen Führerfiguren zu experimentieren. Doch dass die FSLN die Kommunalwahlen gewonnen hatten, lag nicht an ihm. Eher im Gegenteil, die aufgestellten Kandidaten hatten sich deutlich von Daniel Ortega und dem ihm ergebenen Führungszirkel distanziert. Der neugewählte sandinistische Bürgermeister Lewites hatte sogar die Parteifarben abgelehnt, statt in tradionellem Rot–Schwarz plakatierte er in neutralem Gelb.

Nach der letzten Wahlniederlage 2001 wurde spekuliert, ob dies das Ende der politischen Karriere Ortegas sei. Das könnte eine Möglichkeit für die FSLN sein, wieder zu der Volkspartei zu werden, die sie einmal war. Es gibt innerhalb der FSLN Kräfte, die versuchen die Partei in Richtung Sozialdemokratie zu öffnen, doch die Macht des alten Kaders war bisher zu groß. Bis heute zeichnet sich jedoch noch kein Abgang Ortegas von der politischen Bühne ab.

Die Kommunalwahlen im November 2004 brachten der FSLN neben der Wahl von José Dionisio "Nicho" Marenco Gutiérrez zum Nachfolger von Herty Lewites als Bürgermeister von Managua auch insgesamt 44 Prozent der Stimmen gegenüber 35 Prozent für die PLC und 11 Prozent für APRE, die FSLN erhielt die Mehrheit der Stimmen in den Regionen Chontales, Boaco, Nueva Segovia, Madriz, Jinotega, Estelí, Chinandega, León, Managua, Masaya, Carazo, Matagalpa, Región Autónoma Atlántico Sur sowie Río San Juan. Weiterhin erhielt die FSLN fast 90 der 152 Bürgermeisterposten im Land.

Der ehemalige Bürgermeister von Managua, Herty Lewites, gab Anfang 2005 bekannt, als Präsidentschaftskandidat der FSLN bei den Wahlen 2006 anzutreten. Dieses Bestreben beantwortete die Führung der FSLN, unter anderem Daniel Ortega, mit dem Ausschluss Lewites aus der Partei. Trotz der Anfeindungen aus den Reihen der FSLN-Funktionäre erklärte Lewites bei einer Kundgebung am 13. März 2005, erneut seine Absicht als Kandidat der FSLN bei den Wahlen antreten zu wollen. Daniel Ortega hingegen wurde nach dem Ausschluss Lewites von der Parteiführung zum erneuten Präsidentschaftskandiaten der FSLN für die Wahlen 2006 ernannt.

Umfragen von CID Gallup Latinoamerica im Februar und März 2005 zeigten einen Beliebtheitsvorsprung von Herty Lewites gegenüber Daniel Ortega.

Weblinks

FSLN

See also: Sandinistas, 1895, 19. Juli, 1912, 1925, 1927, 1933, 1934, 1961, 1963