Sanfte Mobilität
Sanfte Mobilität steht für nachhaltige, umweltschonende, sozial verträgliche und unfallarme Fortbewegungsarten wie zu Fuß gehen, Radfahren und Öffentlicher Verkehr (siehe auch Umweltverbund).
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Entwicklung der Mobilität
Die Verkehrspolitik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat vielerorts durch eine konsequente Förderung des motorisierten Individualverkehrs (MIV) und eine Vernachlässigung der sanften Mobilitätsarten eine ständig zunehmende Motorisierung bewirkt. Beispielsweise nahm die Länge des Straßennetzes in Österreich von 1960 bis 1990 um 25 % zu, während die Länge des Schienennetzes um 5 % abnahm. Die in Relation zum Verbraucherpreisindex sinkenden Treibstoffpreise haben die Motorisierung zusätzlich unterstützt. Die daraus resultierende Zunahme des MIV beeinträchtigt die Lebensqualität vieler Menschen durch Abgase, Lärm und Einschränkung in der nicht-motorisierten Bewegungsfreiheit. In Siedlungsräumen besteht der Großteil der öffentlichen Flächen aus Fahrbahnen und Parkplätzen für Autos, während nur ein kleiner Teil für sanfte Mobilität in Form von Gehsteigen, autofreien Straßen (Fußgängerzonen) und Plätzen, Parks, Radwegen, Busspuren und Straßenbahntrassen zur Verfügung steht.
Forschungsergebnisse
Einige Wissenschaftler wie z. B. Frederic Vester oder Hermann Knoflacher haben die Mechanismen für diese Entwicklungen analysiert. Ein paar wesentliche Punkte dieser Analysen sind:
- Das Gesetz der Zeitkonstanz: Je schneller die Fortbewegung möglich ist, desto länger werden die zurückgelegten Wege. Aus Geschwindigkeitssteigerungen resultiert kein Zeitgewinn, sondern nur eine Raumausdehnung. Die Folgen sind Zentralisierung, Zersiedelung, ein flächenhafter Zerfall der Dorfstruktur und -kultur und der Verlust von Nahversorgung und Arbeitsplätzen im ländlichen Raum.
- Angebot schafft Nachfrage: Der Ausbau des Straßensystems bewirkt eine Zunahme des Verkehrs. Das Schließen von Autobahnlücken bewirkte beispielsweise immer wieder enorme Zuwachsraten im Straßentransitverkehr, ebenso der Bau von Entlastungs- und Umfahrungsstraßen bzw. der Ausbau vorhandener Straßen.
- Fehlende Kostenwahrheit beim MIV und Flugverkehr: Bei der Berücksichtigung der gesamtwirtschaftlichen und ökologischen Folgekosten deckt der PKW-Verkehr weniger als die Hälfte, der LKW-Verkehr nur etwa ein Fünftel der durch ihn verursachten Kosten. Unter diesem Aspekt erweist sich das Defizit der Eisenbahnen deutlich geringer als jenes des MIV-Verkehrs. Auch der Flugverkehr ist unter diesen Aspekten nicht kostendeckend, für Kerosin muss sogar weder eine Mineralöl- noch eine Mehrwertsteuer entrichtet werden.
Strategien für eine sanfte Mobilität
Daraus wurden Strategien entwickelt, wie die Verkehrsentwicklung zugunsten einer sanften Mobilität und einer höheren Lebensqualität geändert werden kann: Eine Verkehrspolitik, die sanfte Mobilität fördert, versucht, durch Maßnahmen und Investitionen die Verkehrsmittel der sanften Mobilität zu attraktivieren, wobei es auch notwendig ist, die übrigen Verkehrsmittel (MIV, Flugverkehr) nicht weiter zu fördern und durch Besteuerung (z.B. Ökosteuer, Ökobonus-System, Parkraumbewirtschaftung, Innenstadtmaut) und Beschränkungen (z.B. LKW-Nachtfahrverbot, Geschwindigkeitsbegrenzungen) zu reduzieren. Gleichzeitig muss sie auch die Verteilung der Flächen im öffentlichen Raum zugunsten der sanften Mobilität verändern, z.B. durch Verkehrsberuhigung und Straßenrückbau.
Sanfte Mobilität spielt auch im Tourismus eine immer bedeutendere Rolle (siehe Sanfter Tourismus).
Organisationen zur Förderung Sanfter Mobilität
Deutschland
- Verkehrsclub Deutschland (VCD)
- ADFC - vertritt die Interessen der RadfahrerInnen
- FUSS e.V. - vertritt die Interessen der FußgängerInnen
- autofrei leben! - Die Initiative der Autofreien
Österreich
- Verkehrsclub Österreich (VCÖ)
- Arbeitsgemeinschaft umweltfreundlicher Stadtverkehr (ARGUS) - vertritt die Interessen der RadfahrerInnen
- Verein Fahrgast - vertritt die Interessen der BenutzerInnen öffentlichen Verkehrs
- GGG - Verein zur Rückgewinnung öffentlicher Flächen für sanfte Mobilität
Schweiz
Literatur
- Hermann Knoflacher:
- Katalysatoren für Nichtmotorisierte, 1985
- Verkehrsplanung für den Menschen, 1987
- Fußgeher- und Fahrradverkehr, 1995
- Zur Harmonie von Stadt und Verkehr, 1996
- Landschaft ohne Autobahnen, 1997
- Stehzeuge - Der Stau ist kein Verkehrsproblem, 2001
- Frederic Vester: Crashtest Mobilität, 2000; Ausfahrt Zukunft, 1990.
- Christian Höller (Hg., VCÖ): Sanfte Mobilität - Strategien gegen den Verkehrsinfarkt, 1991
Weblinks
- Positionspapier der Naturfreunde Internationale zum Thema Flugverkehr
- Ruedi Meiers Seite zum Thema Nachhaltiger Freizeitverkehr
- Die Autofreie Seite
- autofrei wohnen
- Bahnfakten - eine Seite des VCÖ
