Sarma
Sarma bezeichnet ursprünglich die Schule der "Neuen Übersetzungen" buddhistischer Schriften des tibetischen Buddhismus (Vajrayana), der Jowo Kadams Tradition (auch als "ältere Kadampa-Schule" bekannt). Zu dieser Schule gehörten solch berühmte Lehrer wie Atisha, Gyalwa Dromtönpa und die sogenannten "drei Kadam-Brüder" namentlich Geshe Potowa (dGe-bshes Po.to.ba), Geshes Pyangba (sPyan.snga.ba) und Geshes Puldyungba (Phul byung.ba).
In der zweiten Phase der Übertragung buddhistischer Schriften von Indien nach Tibet, ab dem 11.Jahrhundert, wurden speziell die tantrischen Texte übersetzt, die in der ersten Übersetzungs-welle im 9.Jahrhundert (sogenannte "Alte Übersetzungen", tib. Nyingma) unberücksichtigt geblieben waren. Aus dieser zweiten Übersetzungsphase gingen die neueren Schulen des tibetischen Buddhismus hervor. Zu diesen Schulen zählen die Kagyü-, Sakya- und Gelug-Schule. Die Kagyü-Schulen, gehen von Marpa dem Übersetzter aus, der die Mahamudra Übertragungslinie von Tilopa und Naropa weiterführte. Er traf während seiner dritten Reise nach Indien Atisha und studierte bei ihm die Lehren der Kadampa-Meister. Die Sakya-Tradition wurde von den "Jetsün-Gong-na-nga" (rJe.btzun.gong.ma.lnga), den "fünf ehrwürdigen höchsten Meistern" gegründet. Zu diesen zählen Kunga Nyingpo (Kun.dgah.snying.po) (1092-1158), Sonam Tsemo (bSod.nams.rtze.mo) Dragpa Gyaltsen (Grags.pa.rgyal.mtsan), der 1. Sakya Pandit Kunga Gyalsten (Kun.dgah.rgyal.mtsan) (1182-1251) und Dromtön Chögyal Pagpa Lodro Gyaltsen (hGro.mgon.chos. rgyal.hpags.pa Blo.gros.rgyal mtsen). Diese fünf höchsten Meister gründeten ihre Lehren auf denen des großen indischen Pandit-Mahasiddha Virupa (Gelehrter und Verwirklichter/Wundertäter Virupa). Sie übernahmen auch die Lehren Naropas und vieler anderer großer Mahasiddas. Der Meister Khön Könchog Gyalpo, hielt die Mahamudra-Übertragung des Übersetzters Brogmi Lotsawa. Der bedeutende 1.Sakya-Pandit Kunga Gyaltsen erhielt von Geshe Pybola (dGe-bshes sPyi.bo.lhas), über Geshe Ne-u Zurpa (dGe-bshes sNehu.zur.pa) und Gonpaba (dGon.pa.ba) die Lehren der älteren Kadampaschule von Atisha.
Einige Zeit später gründete der Meister Tsongkhapa (1357-1419) die Gelug-Schule. Er erhielt die Lehren der älteren Kadampa-Schule von Lamas der Sakya-, Kagyü- und Nyingma-Schule übermittelt. Die ältere Kadampa-Schule ist als eigenständige Schule nicht erhalten geblieben. Zu den Schriften der bestehenden Sarma-Traditionen zählen unter anderem das Heruka-, Chakrasamvara-, Hevajra-, Yamantaka- und das Kalachakra-Tantra.
Eine Neuübersetzung bereits in der ersten Übersetzungsphase übertragenener Schriften, aus denen sich die Nyingma-Schule entwickelte fand nicht statt. Daher besteht ein Unterschied zwischen dem tantrischen Übertragungssystem der Nyingma, die von sechs Tantraklassen ausgehen und dem der Sarma-Schulen, das auf vier Tantraklassen basiert. Wobei aber die unterschiedlichen Arten des Anuttarayogatantra der Sarma-Tradition mit den inneren Tantras der Nyingma-Tradition korrespondieren und auch ein reger Austausch tantrischer Übertragungen zwischen Nyingma und Sarma stattgefunden hat.
Zu den äußeren Tantras beider Schulrichtungen zählen
- Kriyatantra
- Caryatantra
- Yogatanta
Die inneren Tantras der Sarmaschulen werden als
- Anuttarayogatantra bezeichnet. Sie teilen sich auf in Vatertantra, Muttertantra und nichtduales Anuttarayogatantra.
Die inneren Tantras der Nyingmaschule sind
- Mahayoga
- Anuyoga
- Atiyoga/Dzogchen
Eine weitere Bedeutung hat sarma als serbisches Gericht: gewürzter Reis (variabel,auch mit Hackfleisch) wird in Kohlblätter eingerollt und in einem großen Kochtopf gedünstet.
