Scheinanglizismus
Als Scheinanglizismus werden Wörter in der deutschen oder einer anderen Sprache bezeichnet, die aus dem Englischen zu kommen scheinen und meist auch englisch ausgesprochen werden. Tatsächlich sind diese Wörter im englischen Sprachraum aber unbekannt oder haben eine andere Bedeutung, so dass es mit Englischsprachigen zu Verständnisproblemen kommen kann. Es handelt sich bei den Scheinanglizismen um einen Fall der Pseudoentlehnung. Das bekannteste Beispiel ist das Wort „Handy“ ([ˈhɛndi], manchmal auch [ˈhændi]) – im britischen Englisch mobile phone und im amerikanischen Englisch cell phone oder cellular phone.
Scheinanglizismen – wie auch die Verwendung von Anglizismen – sollen manchmal der deutschen Aussage eine gewisse Modernität verleihen. Besonders verbreitet sind sie in der Jugendsprache, der Werbe- oder Mediensprache und in einigen Fachsprachen.
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Bewertung
Im sprachpolitischen Diskurs dienen Scheinanglizismen oft als Beleg für die Bedrohung der deutschen Sprache durch den angloamerikanischen Einfluss (siehe auch Denglisch). Von anderer Seite wird die Bildung von Scheinanglizismen als Zeichen der Lebendigkeit der Sprache und ihrer Fähigkeit gesehen, die expressiven Möglichkeiten durch kreative Nutzung fremder Einflüsse zu erweitern. Dem wird entgegengehalten, dass die Ästhetik des Ausdrucks und die kulturelle Eigenständigkeit des Deutschen unter der Verwendung von Scheinanglizismen und Anglizismen leiden. Des weiteren wird als problematisch angesehen, dass allgemeine Ausspracheregeln auf solche Wörter oft nicht anwendbar sind, bis die Schreibweise angepasst wird (Beispiel: das „a“ in „Handy“ wird als „ä“ ausgesprochen – die eingedeutschte Schreibweise „Händi“ konnte sich bisher nicht durchsetzen).
Offen ist, ob die Entwicklung der Sprache von solchen Kontroversen beeinflusst wird oder sich ganz unabhängig davon vollzieht.
Beispiele
Handy, Oldtimer, Beamer. Weitere Beispiele in der Liste der Scheinanglizismen.
Siehe auch
Weblinks
- Knapp, Robbin D. 2003. „Erfundene englische Wörter im Deutschen“. In Robb: Menschliche Sprachen. 28. Oktober 2003.
