Schiffskiel (Sternbild)
| Daten des Sternbildes Kiel des Schiffs | |
|---|---|
| Deutscher Name | Kiel des Schiffs |
| Lateinischer Name | Carina |
| Lateinische Abkürzung | Car |
| Lage | auf Himmelsäquator |
| Rektaszension | 6h 2m bis 11h 20m |
| Deklination | -50° 45´ bis -75° 40´ |
| Fläche | 494 Quadratgrad Rang |
| Sichtbar auf Breitengraden | 14° n. Br. bis 90° s. Br. |
| Beobachtungszeitraum für Deutschland | Nicht beobachtbar |
| Anzahl der Sterne mit Größe < 3m | 3 |
| Hellster Stern, Größe | Canopus (α Carinae), -0,7 m |
| Meteorströme | |
| Nachbarsternbilder (von Norden im Uhrzeigersinn) | Fliegender Fisch Chamäleon |
| 300px|Karte des Sternbildes Kiel des Schiffes | |
Der Kiel des Schiffes (Carina) ist ein ausgedehntes Sternbild des Südhimmels.
| Inhaltsverzeichnis |
Beschreibung
Der Kiel des Schiffs zieht sich unterhalb der Sternbilder Achterdeck des Schiffs und Segel des Schiffs hin. Er enthält den auffallend hellen Stern Canopus. Von Deutschland aus ist das Sternbild nicht zu sehen.
Geschichte
Der Kiel des Schiffs ist Teil des antiken Sternbildes Argo Navis, das zu den 48 von Ptolemäus beschriebenen Sternbildern gehörte.
Da das sehr ausgedehnte Argo Navis dem französischen Astronomen Lacaille für die Astronomie zu unübersichtlich war, teilte er es im Jahre 1763 in die Sternbilder Kiel des Schiffs, Achterdesck des Schiffs (Puppis) und Segel des Schiffs (Vela) auf. Dabei wurden die ursprünglichen Sternbezeichnungen beibehalten, so dass jeder griechische Buchstabe in den drei Sternbildern nur einmal vorkommt. Daher gibt es einen Stern α Carinae (Canopus), jedoch keine Sterne α Puppis oder α Velorum.
Nachdem der britische Astronom Edmond Halley von der Insel St. Helena aus den Südhimmel beobachtet hatte, veröffentlichte er im Jahre 1679 einen Sternkatalog, in dem er die Region um den Stern β Carinae als Robur Carolis, „Karlseiche“ beschrieb. Damit war der Baum gemeint, in dem sich 1651 der englische König Karl II. nach seiner Niederlage gegen Oliver Cromwell versteckt hielt. Halleys Vorschlag konnte sich allerdings nicht durchsetzen.
Mythologie
Argo Navis war in der griechischen Mythologie das Schiff des Jason und seiner Gefährten, den Argonauten, die das goldenes Vlies, ein goldfarbenes Widderfell suchten. Jason, Sohn des Königs Aison von Thessalien war von seinem Halbbruder Pelias um die Thronfolge gebracht worden. Jason sollte den Thron wieder erhalten, wenn er Pelias das goldene Vlies brachte – eine schier unlösbare Aufgabe, da das sagenhafte Fell in einem heiligen Hain in Kolchis von einem todbringenden Drachen bewacht wurde. Mit Hilfe der Königstochter Medea gelangte Jason jedoch in den Besitz des Fells. Das Schiff Argo und das Vlies wurden in den Himmel versetzt, letzteres als Sternbild Widder.
Für die Ägypter war die Konstellation ebenfalls ein Schiff, mit dem ihr Gott Osiris fuhr. In Canopus sahen sie einen Steuermann.
Himmelsobjekte
Benannte Sterne
| Stern | Namen | Größe |
|---|---|---|
| α Car | Canopus, … | -0,7m |
| β Car | Miaplacidus | 1,7m |
| ε Car | Avoir | 1,9m |
| η Car | Eta Carinae | 6m |
Canopus (α Car) ist ein extrem leuchtstarker Stern der Spektralklasse F0 in 150 Lichtjahren Entfernung. Mit einer scheinbaren Helligkeit von -0,7m ist er nach Sirius der zweithellste Stern am Nachthimmel
Miaplacidus (β Car) gehört der Spektralklasse A1 an und ist 80 Lichtjahre von der Sonne entfernt.
Avoir ist 150 Lichtjahre entfernt und gehört der Spektralklasse K0 an.
Der 6.000 Lichtjahre entfernte Stern Eta Carinae ist ein äußerst interessantes Objekt. Mit einer Helligkeit von 6m kann er heute mit bloßem Auge nicht wahrgenommen werden. Als Edmond Halley im 17. Jahrhundert seinen Sternkatalog aufstellte, war Eta Carina mit 4m wesentlich heller, wobei sich die Helligkeit unregelmäßig veränderte. In den Jahren 1833 bis 1843 stieg die Helligkeit dramatisch an und Eta Carina war mit -1m der zweithellste Stern am Himmel. Zu diesem Zeitpunkt muss der Stern die viermillionenfache Leuchtkraft unserer Sonne besessen haben. In den folgenden Jahren nahm die sichtbare Helligkeit ab. Untersuchungen zeigen jedoch, dass der Stern nach wie vor extrem leuchtstark ist, wobei seine Strahlung allerdings durch ausgestoßene Gas- und Staubwolken absorbiert und als langwellige Infrarotstrahlung abgegeben wird. Eta Carina hat offensichtlich ein Endstadium erreicht und wird in naher Zukunft als Supernova explodieren. Möglicherweise hat die Explosion bereits stattgefunden, jedoch ist der Lichtblitz aufgrund der immensen Entfernung noch nicht auf der Erde eingetroffen.
Doppelsterne
| Objekt | Größen | Abstand |
|---|---|---|
| &ypsilon; Car | 3,1m/6,0m | 127" |
| u Car | 3,8m/6,3m | 157" |
| I Car (ZZ Car) | 4,0m/6,2m | 233" |
| b1 Car | 4,9m/6,7m | 40,3" |
Der Kiel des Schiffs enthält vier Doppelsternsysteme, die bereits in einem kleineren Teleskop in Einzelsterne aufgelöst werden können.
&ypsilon; Car besteht aus zwei Sternen der Spektralklassen A8. Das System ist etwa 1.000 Lichtjahre von der Sonne entfernt.
u Car ist 70 Lichtjahre entfernt und besteht aus einem roten Stern der Spektralklasse K0 und einem weiß leuchtenden Begleiter der Klasse B3.
I Car, auch als ZZ Carinae bezeichnet, ist ein Doppelsternsystem in 1.500 Lichtjahren Entfernung, das aus zwei extrem hellen Sternen der Spektralklassen F2 und A2 besteht. I Car ist außerdem ein veränderlicher Stern.
b1 Car ist 1.000 Lichtjahre entfernt und besteht aus zwei weißlich leuchtenden Komponenten der Spektralklassen B3 und B9.
Veränderliche Sterne
| Objekt | Größe | Periode | Typ |
|---|---|---|---|
| R Car | 3,9m bis 10,3m | 308,7 Tage | Mira-Stern |
| I Car (ZZ Car) | 3,3m bis 4,2m | 35,53 Tage | Cepheid |
R Car ist ein veränderlicher Stern vom Typ Mira, dessen Helligkeit sich über einen Zeitraum von 308,7 Tagen stark ändert. Im Maximum ist der Stern 3,9m hell und kann ohne weiteres mit bloßem Auge gesehen werden. Im Minimum sinkt die Helligkeit auf nur 10,3m ab, und zur Beobachtung benötigt man ein Teleskop.
I Car oder ZZ Car ist ein Veränderlicher vom Cepheidentyp, dessen Sternhülle in einem regelmäßigen Abstand von 35,53 Tagen pulsiert. Die Helligkeit variiert dabei zwischen 3,3m und 4,2m.
Messier- und NGC-Objekte
| Messier (M) | NGC | sonstige | Größe | Typ | Name |
|---|---|---|---|---|---|
| 2516 | 4m | Offener Sternhaufen | |||
| 2808 | 6,5m | Kugelsternhaufen | |||
| 3114 | 4,5m | Offener Sternhaufen | |||
| 3293 | 5,5m | Offener Sternhaufen | |||
| IC 2602 | 2m | Offener Sternhaufen | Südliche Plejaden | ||
| 3372 | 3m | Emissionsnebel | Eta Carinae-Nebel | ||
| 3532 | 3,5m | Offener Sternhaufen |
Durch einen Teil des Sternbildes zieht sich das Band der Milchstraße. Hier befinden sich einige offene Sternhaufen und neblige Objekte. Da der französische Astronom Charles Messier das Sternbild von seinem Beobachtungsort aus nicht sehen konnte, sind im Sternbild keine „Messierobjekte“ verzeichnet.
NGC 2516 ist ein offener Sternhaufen in 2.000 Lichtjahren Entfernung, der bereits mit bloßem Auge gut zu erkennen ist. In einem Fernglas wird eine Vielzahl von Sternen sichtbar.
NGC 2808 ist ein Kugelsternhaufen in 30.000 Lichtjahren Entfernung, der im Fernglas als nebliges Fleckchen erscheint. Um ihn in Einzelsterne aufzulösen benötigt man ein Teleskop.
Der offene Sternhaufen NGC 3114 ist 2.500 Lichtjahren entfernt. Er ist ein schönes Objekt für das Fernglas oder Teleskop.
NGC 3293 ist ein offener Sternhaufen in 5.000 Lichtjahren Entfernung, der im Fernglas als nebliges Objekt erscheint. Um ihn aufzulösen benötigt man ein Teleskop.
Der offene Sternhaufen IC 2602 wird auch „Südliche Plejaden“ genannt. Der 800 Lichtjahre entfernte Sternhaufen ist den Plejaden ähnlich, wenn auch etwas lichtschwächer.
NGC 3372 ist der Emissionsnebel um den Stern Eta Carinae. Der Nebel ist bereits mit bloßem Auge zu erkennen und zeigt im Fernglas oder im Teleskop bei schwacher Vergrößerung interessante Strukturen.
400px|thumb|Detail des EtaCarinae-Nebels. Aufnahme des Hubble-Weltraumteleskops
Kategorie:Anerkanntes Sternbild
