Schlafes Bruder

Schlafes Bruder ist ein Roman des österreichischen Schriftstellers Robert Schneider aus dem Jahre 1992 (ISBN 3379015180). Das Buch wurde ein internationaler Erfolg und bisher in 32 Sprachen übersetzt. 1995 wurde es unter der Regie von Joseph Vilsmaier mit André Eisermann (Elias), Ben Becker (Peter) und Dana Vavrova (Elsbeth) in den Hauptrollen erfolgreich verfilmt. Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen und wurde sogar für den Golden Globe nominiert.

Inhalt

Johannes Elias Alder ist ein besonderer Mensch, der in Eschberg, einem kleinen Bergdorf in Vorarlberg, geboren ist, das ausschließlich von den Angehörigen zweier Familien bewohnt wird, den Lampartern und den Alders, die in inzestuösen Verbindungen leben. Im Alter von 5 Jahren findet er den "Wassergeschliffenen Stein". Er macht einige merkwürdige Veränderungen durch: So färben sich seine Pupillen gelb, er wird viel schneller erwachsen, und vor allem kann er alle Geräusche des Universums hören. Außerdem hört er den Herzschlag eines weiblichen Wesens, der mit dem seinen identisch ist - es ist der Herzschlag seiner Kusine Elsbeth. Fortan besteht eine spirituelle Verbindung zwischen den beiden, die für Elias weit tiefer geht als oberflächliches Verliebtsein.

Mit 10 Jahren bringt er sich selbst das Orgelspielen bei. Es entsteht der Eindruck, dass Gott ihn diese Gabe schenkte. Er spielt in so wunderlicher Weise, dass er es schafft, die Menschen durch Musik zu ändern. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist er ein aus der Dorfgemeinschaft ausgestoßenes Genie.

Peter – Elsbeths Bruder – bleibt Elias‘ einziger Freund. Dieser seinerseits ist in Elias verliebt und auf eine gewalttätige Art eifersüchtig auf die Liebe zwischen Elsbeth und Elias.

Je älter die Kinder werden, desto tiefer wird ihre Liebe. Die Dreiecksgeschichte hat jedoch keine Zukunft, da jeder eine andere Vorstellung dieser Liebe hat. Elias sieht die Liebe zu Elsbeth als etwas Tiefes, Göttliches, das er nicht durch Körperlichkeit „beschmutzen“ will, er drückt die Liebe in seinem außergewöhnlichen Orgelspiel aus. Elsbeth wiederum fühlt sich durchaus körperlich zu Elias hingezogen, lässt sich aber, als sie von ihm nicht das bekommt, was sie sich wünscht, auf einen anderen Dorfburschen ein, den sie später auch heiratet. Peter – der das Genie Elias‘ erkennt – verehrt den Freund zutiefst, will ihn ganz für sich alleine haben und geht dabei sprichwörtlich über Leichen.

Elias hadert mit Gott wegen seiner unglücklichen Liebe und bittet diesen, ihn davon zu befreien. Daraufhin erbarmt sich Gott und heilt ihn von der Liebe zu Elsbeth – offensichtlich aber ohne, dass dies Elias bewusst wird. Nach außen wird diese Heilung deutlich durch die Veränderung seiner Augenfarbe.

Durch einen Zufall wird er vom Domorganist zu Feldberg entdeckt und von ihm zum Orgelwettbewerb der Domschule eingeladen. Elias geht widerwillig mit Peter zum Wettbewerb, wo er über den Choral von Johann Sebastian Bach "Komm, oh Tod, Du Schlafes Bruder" extemporiert. Er gewinnt und erhält einen Preis, flieht aber trotz des Angebots einer fundierten Ausbildung.

Um seine Liebe zu Elsbeth zu bezeugen, bringt er 22-jährig das größtmögliche Opfer: sein Leben. In Gedenken an den Bach-Choral und die Worte eines Wanderpredigers ("wer schläft, liebt nicht") beschließt er, nicht mehr zu schlafen. Die Nähe zu Gott, so der Wanderprediger, zeigt sich in der Natur: den Steinen, dem Wasser, dem Gras. Elias bittet Peter, ihn wach zu halten, stirbt dann aber nach einigen Tagen an Atemlähmung, hervorgerufen durch die als Muntermacher verwendeten Tollkirschen. Peter begräbt ihn heimlich, wandelt sich durch das Erlebnis des Todes seines Geliebten zum Guten und verliert seine sadistische Ader.

Später ist der wassergeschliffene Stein verschwunden, der von vielen Eschbergern als Fußstapfen Gottes gesehen wurde.

Weblinks

See also: Schlafes Bruder, 1992, André Eisermann, Atemlähmung, Ben Becker, Dana Vavrova, Golden Globe, Herzschlag, Johann Sebastian Bach, Joseph Vilsmaier