Schlafwagen
thumb|256px|Österreichischer Schlafwagen Typ P/AB30
thumb|256px|Italienischer Schlafwagen Typ Excelsior
thumb|256px|Ungarischer Schlafwagen Typ CAF
thumb|256px|Russischer Schlafwagen Typ WLABmee
Ein Schlafwagen ist ein spezieller Eisenbahnwaggon, der im Nachtreisezug das Schlafen während der Fahrt ermöglicht. Vom Schlafwagen zu unterscheiden ist der Liegewagen.
Ein Schlafwagen hat Abteile für je 1 bis 4 (meistens 2 oder 3) Personen, teilweise können zwei Abteile miteinander verbunden werden. Die Betten können für den Tagesverkehr in Sitzplätze umgewandelt werden. In jedem Abteil ist eine Waschgelegenheit vorhanden, darüberhinaus hat ein Schlafwagen in den meisten Fällen einen Dienstraum ("Office") für den Schlafwagenschaffner sowie eine oder mehrere Toiletten und teilweise Duschen. In den Luxusabteilen einiger moderner Schlafwagen sind kleine Badezimmer mit eigenem WC und Dusche vorhanden.
Meistens ist im Schlafwagenzuschlag ein Frühstück inkludiert, das rechtzeitig vor dem Ausstieg ins Abteil gebracht wird.
Geschichte
Der erste Schlafwagen in Deutschland fuhr am 1. Oktober 1873 zwischen Berlin und Ostende. Dieser Schlafwagen gehörte der Internationalen Schlafwagengesellschaft (CIWL) und stand nur den Fahrgästen der ersten Wagenklasse zur Verfügung.
Bis zum ersten Weltkrieg gab es in Europa lediglich drei Gesellschaften, die Schlafwagen betrieben:
- die CIWL, welche die Schlafwagen in Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, Österreich, Russland und Spanien betrieb.
- die KPEV, welche die Schlafwagen in Deutschland betrieb und Schlafwagen der ersten und zweiten Wagenklasse anbot.
- die Schwedische Staatsbahn, die bis 1914 als erste Bahngesellschaft auch Schlafwagen der dritten Wagenklasse zwischen Malmö und Stockholm einführte.
Eine Fahrt im Schlafwagen kostete vor dem ersten Weltkrieg 10 Mark in der ersten und 8 Mark in der zweiten Wagenklasse - zusätzlich zum Fahrpreis. Damals kostete die Übernachtung im Luxushotel 4 Mark, im Mittelklassehotel 2 Mark. Noch teurer waren die Zuschläge in Frankreich, wo die CIWL ein Monopol besaß. Auf der Strecke Paris - Marseille kostete der Schlafwagen in der ersten Klasse 45 Franc (nach damaligem Wechselkurs 36 Mark) Zuschlag.
Die 1916 gegründete Mitropa übernahm 1917 die Schlafwagen der CIWL in Deutschland, 1922 die Schlafwagenkurse nach Dänemark und Schweden und 1926 die innerdeutschen Schlafwagenkurse der Deutschen Reichsbahn. Schlafwagen 3. Klasse gab es in Deutschland seit 1922 auf den wichtigen Strecken von Berlin nach Ostpreußen, Köln, München und Stuttgart.
Die ersten Schlafwagen der CIWL hatten einen Stahlrahmen mit Holzaufbau und einer Teakholz-Lattenverkleidung. Ab den 1920er Jahren wurden Schlafwagen in Ganzstahlbauweise gebaut. Auf einem einheitlichen Rahmen mit 23,452 m Länge über Puffer entstanden Schlafwagen verschiedener Raumaufteilung (Typ S, Lx, Y und Z).
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kamen neue modernere Schlafwagen zum Einsatz. Die CIWL stellte im Jahre 1955 den Schlafwagen Bauart "P" in Dienst. Dieser Wagen in geschweißter Edelstahlbauweise hatte 20 verschachtelte Einbettabteile - auf diese Weise war es möglich, Alleinreisenden ein preisgünstigeres Angebot zu machen. In den Jahren 1992 - 1994 wurden 20 Schlafwaggons der Bauart "P" modernisiert und umgebaut; aus den 20 kleinen Abteilen wurden 10 Dreibettabteile. Dadurch erhielten sie die neue Bezeichnung AB30. Zu finden sind diese Waggons bei den Bahngesellschaften ÖBB (10 Stück), SNCB (5 Stück) und NS (5 Stück). Die Wagen der SNCB und NS fahren heute für die privaten Ferienzugbetreiber The Train Company und Euro Express Trein Charter.
Im Jahre 1957 wurde ein weiterer Schlafwagen-Typ mit Universal-Abteilen in Betrieb genommen. Dieser Schlafwagen wurde von Hansa in Bremen gebaut und hatte 11 gleiche Abteile mit jeweils 3 Betten pro Abteil. Dieses Fahrzeug bekam die Bezeichnung "UH" (U = Universal, H = Hansa). Im selben Zeitraum stellte die DSG (Deutsche Schlafwagengesellschaft) einen eigenen Schlafwagen-Typ mit der Bezeichnung AB33 in Dienst (später als WLABmh 174/175 bezeichnet), ebenso von Hansa gebaut, jedoch mit 26,4 m Länge über Puffer.
Ab dem Jahre 1964 wurde von CIWL ein weiterer Schlafwagen-Typ auf die Schienen gestellt. Dieser Wagen erhielt die Bezeichnung "MU" und hatte 12 Universalabteile mit jeweils 3 Betten pro Abteil. Die Schlafwagen des Typs MU sind heute noch in vielen Teilen Europas anzutreffen, teilweise im Eigentum der Bahnen, teilweise von der CIWL angemietet.
In den 1970er Jahren wurde von der CIWL der Schlafwagen-Typ "T2" mit 18 verschachtelten 2-Bett-Abteilen in Betrieb genommen. 1975 folgte ein weiterer Schlafwagen-Typ mit der Bezeichnung "T2S", der jedoch nicht bei der CIWL, sondern bei diversen Bahngesellschaften in Dienst gegangen ist. Dieser Wagen wurde mit 17-2-Bett-Abteilen ausgestattet. 1999 wurden fünf Schlafwagen der Bauart "T2S"(alle im Bestand der ÖBB) modernisiert und umgebaut. Dadurch bekamen diese Wagen die neue Bezeichnung AB33s.
In den 1960er und 1970er Jahren entstanden in der DDR Schlafwagen des Typs OSShD-B/Y, die in zahlreiche Ostblockländer exportiert wurden und dort teilweise heute noch laufen.
In den neunziger Jahren kam es zu einem kleinen Boom im Bau von Schlafwagen. So entstanden Neubau-Fahrzeuge für die Ungarische Staatsbahn (MAV), Rumänische Staatsbahn (CFR), Deutsche Bahn (DB), Italienische Staatsbahn (FS), CityNightLine (CNL), CIWL, usw...
In all den Jahren wurden nicht nur Schlafwagen, sondern von Talgo auch Schlafwagen-Züge gebaut. Diese Züge bestehen aus mehreren Gliedern und umfassen im Zugverband Schlafwagen, Liegewagen, Ruhesesselwagen sowie Speisewagen, Bistrowagen und Barwagen. Die meisten dieser Talgo-Züge fahren in Spanien, aber auch einige in Deutschland.
Schlafwagen bestehen aus mehreren Abteilen, die unterschiedlich eingerichtet sind. Die Abteile der CIWL-Schlafwagen, die ab 1955 gebaut wurden, sind im großen und ganzen einheitlich (Universal) aufgebaut. Sie bestehen aus 3 übereinander angeordneteten Betten und einem Tisch, der im inneren das Waschbecken beherbergt. Des weiteren gibt es eine Verbindungstüre in das Nachbar-Abteil. Das bedeutet, dass immer 2 Abteile durch solch eine Verbindungstüre getrennt sind.
Bei Schlafwagen neueren Datums wurden das Universal-Konzept durch ein neues Konzept ersetzt. Dieses neue Konzept behinhaltet Deluxe-Abteile und Economy-Abteile, um das Angebot attraktiver zu gestalten. Die Economy-Abteilen entsprechen dem Aufbau im großen und ganzen der Universal-Abteile, während die Delux-Abteile zusätzlich noch mit einem WC und einer Dusche ausgestattet sind.
Schlafwagen bestehen nicht nur aus mehreren Abteilen, sie beinhalten auch WC's und ein Dienstabteil, welches Office genannt wird, und eventuell ein Dusch-Abteil. Das Office ist der Arbeitsplatz des Schlafwagenschaffners. Von hier aus werden die Gäste betreut. Hier befindet sich auch die Schaffnerrufanlage. Diese Anlage dient hauptsächlich als Kommunikation zwischen dem Schaffner und dem Gast. Eine weitere Funktion ist der Weckruf. Damit besteht die Möglichkeit sich wecken zu lassen.
Werden Schlafwagen in einem Nachtzug eingesetzt, dann ist in den meisten Fällen im Fahrpreis ein Frühstück inkludiert. Die Größe und Auswahl des Frühstücks hängt vom jeweiligen Betreiber des Schlafwagens ab.
Schlafwagen können direkt von einer Eisenbahngesellschaft betrieben werden oder Teil einen internationalen Schlafwagenpools sein. Solch einen internationalen Schlafwagenpool gab es in Europa von 1971 bis 1995. Alle Schlafwagen der CIWL und der DSG (in späterer Folge der Deutschen Bundesbahn) wurden in diesem internationalen Schlafwagenpool zusammengefasst, den Bahngesellschaften zugeteilt und konnten dadurch besser eingesetzt werden. Alle Schlafwagen bekamen in diesem Zusammenhang auch eine eigene Lackierung. Diese Pool-Lackierung sah folgendermaßen aus:
- Komplett kobaltblaues Farbkleid mit blauem bzw. grauem Dach.
- Unterhalb der Fenster einen weißen Streifen rund um den Wagen herum.
- Unterhalb des weißen Streifens ein eigenes Logo, bestehend aus dem Kürzel "TEN" und den Wörtern "Trans" "Euro" "Nacht". Die drei Wörter standen untereinander neben dem Kürzel.
Durch das Kürzel "TEN" kam es im laufe der Zeit dazu, dass man nicht mehr internationaler Schlafwagenpool sagte, sondern nur noch "TEN"-Pool.
Zu Beginn des internationalen Schlafwagenpools gab es bei der Deutschen Bundesbahn eine Besonderheit. Alle Schlafwagen der DSG, die damals in den Bestand der DB übergingen, hatten ein weinrotes Farbkleid mit cremefarbenen Dächern. So enstand eine eigene DB/DSG-Lackierung in der gleichen Farbaufteilung wie die Pool-Lackierung, jedoch mit die Farben weinrot (Wagenkasten) und beige (Dach). Im Lauf der 1980er Jahre wurden dann auch die DB-Schlafwagen kobaltblau (einschließlich Dach), dies hielt sich bis zur Einführung des verkehrsrot-lichtgrauen DB NachtZug-Anstrichs.
1995 wurde der internationale Schlafwagenpool ("TEN"-Pool) aufgelöst und die Wagen gingen in die Zuständigkeit der Bahngesellschaften über. Dabei hat man in den meisten Fällen die Lackierung des "TEN"-Pool beibehalten und lediglich das Logo entfernt. Das Ende des "TEN"-Pools führte auch dazu, dass die Bahngesellschaften eigene Nachtzug-Lackierungen entwickelten. So entstand z.B. die rot/weisse Lackierung der DB NachtZug.
Modernisierte Schlafwagen der ÖBB wurden in den 1990er Jahren achatgrau mit kobaltblauem Fensterband und rapsgelbem Streifen über den Fenstern lackiert (Typ P/AB30 unter den Fenstern blanker Edelstahl), bei Umbauten ab 2005 werden die ÖBB-EuroCity-Farben verwendet (Wagenkasten in verschiedenen Grautönen mit verkehrsrotem Dach).
Die SBB verwendeten nach Ende des TEN-Pools die Farbe Kobaltblau mit violetten Querstreifen im Fensterbereich sowie Mond und Sternen.
