Schlauchreifen

Schlauchreifen sind spezielle Fahrradreifen für den Einsatz im Radsport. Anders als bei den allgemein üblichen Drahtreifen bildet der Reifenmantel einen geschlossenen Schlauch, in dessen Innerem der eigentliche Reifenschlauch aus Gummi oder Latex liegt. Schlauchreifen sind sehr schmal, sie haben einen Durchmesser von etwa 20-25 mm. Ihr Gewicht liegt bei 200-300 Gramm.

Der Mantel eines Schlauchreifens besteht aus zwei bis drei Lagen von gummiertem Baumwoll- oder Nylongewebe (der Karkasse, auf der Lauffläche verstärkt durch eine Gummiauflage, häufig auch noch durch ein bis zwei Gewebestreifen darunter. Auf der Innenseite ist der Mantel vernäht, die Naht wird mit einem dünnen, aufgeklebten Textilband geschützt.

Durch diese Bauart kann die Karkasse besonders leicht und flexibel gehalten werden, gleichzeitig halten Schlauchreifen sehr hohem Reifendruck stand (bis 12 bar). Sie haben deshalb einen besonders geringen Rollwiderstand.

Schlauchreifen können nur auf spezielle Felgen montiert werden, die aus annähernd rechteckig geformtem Aluminiumrohr mit konkaver Außenfläche (dem Felgenbett) hergestellt werden. Felgenhörner wie bei Felgen für Drahtreifen fehlen. Schlauchreifenfelgen sind konstruktionsbedingt besonders leicht und stabil. Bis in die späten 60er Jahre waren auch Felgen aus Sperrholz verbreitet. Sie sind leichter als Aluminiumfelgen, aber aufwändiger in der Herstellung und halten Nässe nur bedingt stand, weshalb sie nicht mehr gebräuchlich sind. Zuletzt fanden Holzfelgen nur noch bei Bahnrädern Verwendung.

Um den Reifen auf der Felge zu halten, muß er aufgeklebt werden. Dazu wird Reifenkitt, ein zähflüssiger Klebstoff, oder Reifenklebeband verwendet. Bei starker Erwärmung (z. B. durch häufiges Bremsen bei einer langen Bergabfahrt) besteht das Risiko, dass der Klebstoff an Haftkraft verliert und sich der Reifen auf der Felge verschiebt, wodurch das Ventil abreißen kann.

Die Reparatur von Reifenpannen ist bei Schlauchreifen mühsam und kompliziert. Um den Innenschlauch zu flicken, muß die Naht an der richtigen Stelle des Mantels zertrennt und hinterher mit einer Sattlernadel wieder vernäht werden, was nur mit einiger Übung gelingt. Sie werden daher bei Pannen in der Regel durch neue ersetzt.

Seit den 1980er Jahren gibt es auch schmale Drahtreifen, die in Kombination mit Hohlkammerfelgen annähernd vergleichbare Fahreigenschaften haben. Da sie in der Regel weniger kosten als die arbeitsaufwändig herzustellenden Schlauchreifen und leichter zu reparieren sind, haben sie sich weitgehend durchgesetzt. Schlauchreifen werden heute vor allem im professionellen Radsport verwendet. Ein subjektiv höherer Fahrkomfort ist technisch nicht erklärbar. Vorteil der Schlauchreifen sind die wesentlich höheren möglichen Reifeninnendrücke sowie weitaus geringere rotierende Massen an den Laufrädern.

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