Schma Jisrael
Das Schma Jisrael (kurz: Schma; hebr. für "Höre Israel!") und die folgenden Bibelverse sind das zentrale Glaubensbekenntnis der Juden, und im wesentlichen auch der Christen. Im Hebräischen wird der Text, der täglich unzählige Male gebetet, so sprechen gläubige Juden das Schma morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafengehen. Es wurde auch schon oft vertont und wird auch als jüdische Sterbegebet verwendet. Es besteht aus Deuteronomium 6,4, einem Satz aus der Mischna (mJoma 6,2) sowie den Toraabschnitten Deuteronomium 6,5-9, 11,13-21 und Numeri 15,37-41.
In der jüdischen Liturgie wird das Schma von drei Lobsprüchen umrahmt, die sich philosophisch-inhaltlich auf jeweils einen Abschnitt des Schma beziehen.
Einer bekannten Melodie liegt folgender Wortlaut zugrunde, der sich möglichst vielen Bibelübersetzungen anlehnt:
Höre, Israel: Jehova ist ein einziger Gott.
Und du sollst Jehova, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele und allen deinen Kräften -
Und deinen Nächsten wie Dich selbst.
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Ein orthographisches Detail
Bei einer Christlich-Jüdischen Tagung fragte der bekannte Wissenschafter und Rabbi, Prof. Schalom ben Chorin nach der Stuttgarter Ausgabe der hebräischen Bibel und betete den ersten Satzes des "Höre Israel".
Dann machte er die Tagungsteilnehmer auf ein Detail aufmerksam:
Der letzte Buchstabe des ersten Wortes ist ein Ain, der letzte Buchstabe des letzten Wortes ein Daleth, beide hervorgehoben durch größeren Druck. Beide Buchstaben zusammen ergeben die Konsonantencharakteristik des Wortes ed, Zeuge. Und der Inhalt dieses Zeugnisses ist dieser erste Satz:
Höre Israel, JHVH ist unser Gott, JHVH ist ein einziger.
Die Ehrfurcht vor seinem heiligen Namen verbietet uns, diesen auszusprechen, weshalb wir statt dessen stets „der Herr” sagen.
Dann erzählte Ben Chorin von Rabbi Akiba, der als Märtyrer bis zum letzten Atemzug seines Lebens dem Herrn treu blieb und das Wort echad, ein Einziger, immer wieder aussprach. Dieses Wort werde allen Juden beim Sterben noch vorgesprochen, um es möglichst lange nachzusprechen.
Einheitsübersetzung
In der wichtigsten ökumenischen Bibelübersetzung, an der auch einige jüdische Fachleute mitwirkten, lauten die Verse in Deuteronomium (5.Buch Mose, Kap.6, 4-9):
4 Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig.
5 Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
6 Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.
7 Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen. Du sollst von ihnen reden, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst.
8 Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden.
9 Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und in deine Stadttore schreiben.
Dieser Text gehört zum heiligsten Gut des mosaischen Glaubens. Jeder gläubige Jude betet das "Höre, Israel" täglich. Schon die Anrede sagt: Dieses Gebot ist zuerst an die Juden gerichtet - aber es betrifft uns auch.
Es ist Gebot, Gebet und Glaubensbekenntnis, es hält das jüdische Volk zusammen. Ein Bonner Prediger meint dazu: Das verpflichtet uns Christen, mit diesem Text so umzugehen, dass ein Jude unter meinen Zuhörern keinen Anstoß daran nehmen müsste.
Wo in Martin Luthers Übersetzung das Wort "HERR" in Großbuchstaben gesetzt ist, steht im Urtext der Eigenname Gottes. Jeder Jude hört das sofort mit. Denn wenn ein Jude aus seiner Bibel liest und dort auf den Gottesnamen trifft, liest er laut "der Herr", so wie Luther übersetzt hat. Kein gläubiger Jude spricht den Gottesnamen aus.
Für Christen kann das störend sein, denn im Neuen Testament bedeutet "Herr" manchmal Jesus als Lehrer oder als Messias, dann wieder Gott als Vater. Demgegenüber meinte man vor der Zeit Christi mit "Herr" ausschließlich den Schöpfer. Im Technischen Zeitalter ist man jedoch klare Begriffe gewöhnt.
Eigenname Gottes - und guter Vater
Deshalb freut den zit. Bonner Pfarrer, dass die Einheitsübersetzung den Eigennamen Gottes stehen lässt und nicht umschreibt. Wenn wir Gott lieben sollen und ihn sogar "Abba" nennen, also "Papa", wie Jesus sagt, dann dürfen wir auch seinen Namen aussprechen. Wenn wir uns ihm, dem Vater, zuwenden wollen, müssen wir nicht fürchten, damit seinen Namen zu missbrauchen. Dann lautet der erste Satz unseres Predigttextes so:
Höre, Israel! Jahwe ist unser Gott, Jahwe allein.
Primär erinnert "Jahwe" - Ich bin (für Dich) DA - dass Gott dem Mose und dem Volk die Befreiung aus Ägyptens Knechtschaft zusagte: ich bin bei dir, du darfst dich 100-prozentig auf mich verlassen.
Literatur
- Meir Seidler: Schma Jisrael. Einheit - Die jüdische Sicht; Eichenau: Kovar, 1998. ISBN 3-925845-76-3
Weblinks
- http://www.jcrelations.net/de/displayItem.php?id=913 (jüdisch-christlicher Dialog, Ben Chorin)
- http://www.ekir.de/Bonn-Holzlar/ew/hoere.htm (aus christlicher Sicht)
- http://hometown.aol.de/srednik/Predigt_2005-03-06_-_Hoere_Israel_der_Herr_ist_unser_Gott.htm (aus christlicher Sicht)
- http://alt.bibelwerk.de/bibel/ (Einheitsübersetzung, siehe Dt.6, 4-9)
- Das Schma Jisrael im Morgengebet
- http://www.hagalil.com/judentum/gebet/schma.htm
