Scholastik

Die Scholastik (v. lat.: schola = Schule) ist eine philosophische Richtung, die gegen Ende des 11. Jahrhunderts entstand. Sie löste langsam aber sicher die spirituell-mystizistisch geprägten Intellektuellen des frühen Mittelalters ab, die stets eine Einheit der Seele mit dem Göttlichen herstellen wollten und glaubten dieses Streben sei der einzige Sinn des menschlichen Geistes. Die Entwicklung der Scholastik lässt sich in drei Abschnitte aufteilen: Früh-Scholastik (9.-12. Jh.), Hoch-Scholastik (12./13. Jh.) und Spät-Scholastik (14./15. Jh.).

Großen Einfluß, vor allem auf die Früh-Scholastik, hatten auch die arabische und die jüdische Philosophie.

Die Scholastik war sehr rationalistisch geprägt: Sie stellte die menschliche Vernunft in den Vordergrund, und sprach dem menschlichen Geist eine Sinnhaftigkeit zu, die auch zu anderen Zwecken als der inneren Kontemplation eingesetzt werden müsse.

Gemeinsam war allen Scholastikern zum einen die Betonung des menschlichen Verstandes, und zum anderen der unbedingte Glaube an die christliche Offenbarung als unanzweifelbare Wahrheit. Das Projekt der Scholastik war, dem Verstand und dem Glauben eine gleichberechtigte Existenz zu verschaffen.

Die Scholastik erreichte ihren Höhepunkt mit Thomas von Aquin und Wilhelm von Ockham von Mitte des 13. bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Sie verebbte in den aufkommenden Tendenzen des Humanismus und des Neu-Platonismus (die durch die Florentiner Platonische Akademie wieder entdeckt wurde) zu Beginn der Neuzeit am Ende des 15. Jahrhunderts zusammen mit der Bildungshoheit des Klerus.

Dennoch war die Scholastik keine einheitliche Strömung, denn die Ansätze der einzelnen Vertreter waren sehr unterschiedlich. Sie manifestierten sich im Universalienstreit. Die Hochscholastik, insbesondere unter Thomas von Aquin, verschmolz die christlichen Glaubensgrundlagen mit der Logik und den ontologischen Anschauungen des wiederentdeckten Aristoteles und dem ptolemäischen Weltbild aufs Engste: Durch den Verstand sollte der Mensch in die Lage kommen, Gottes innerstes Wesen zu erkennen. Eine spätscholastische Richtung, die insbesondere von Wilhelm von Ockham geprägt wurde, vertrat genau gegenteilige Ansichten und trennte Wissenschaft und Glaube durch eine unüberbrückbare Linie: der Verstand konnte nur Erkenntnis von der empirisch erfahrbaren Welt liefern, aber er konnte nie jene Bereiche betreten, in denen Gott absolute Freiheit genoss. Erkenntnisse über Gott konnte also nur der Glaube, nicht der Verstand liefern.

Zu den wesentlichen Zügen der Scholastik gehört der Exemplarismus.

Inhaltsverzeichnis

Kernpunkte und wesentliche Vertreter

Die Scholastik sprach zunächst einmal dem menschlichen Verstand eine zentrale Rolle beim Verständnis des christlichen Glaubens zu. Der Verstand sollte nicht länger nur dem Glauben untergeordnet sein, sondern er sollte dazu dienen, den Glauben zu erforschen und neue gültige Wahrheiten über den Glauben zu finden.

Anselm von Canterbury und Hugo von Sankt Viktor gehörten zu den ersten, die diese radikale These aufstellten.

Die Scholastiker vollzogen im Grunde den Schritt von Platon zu Aristoteles erneut: Nicht mehr die Weltverneinung, sondern das Annehmen der Welt und logische Begründung treten in den Vordergrund.

Im 13. Jahrhundert unterscheidet Albertus Magnus zwischen Wissen, das wissenschaftlich erworben (empirisch begründet und logisch abgeleitet) wird, und solchem, das theologisch abgeleitet wird.

Sein Schüler, Thomas von Aquin, hatte sich dann vorwiegend mit der Kritik der konservativen Theologen herumzuschlagen, die das Aufdecken und Ableiten von Naturgesetzen als eine Einschränkung der Allmächtigkeit Gottes betrachteten. Von Aquin argumentierte dagegen, dass Gott den Menschen mit seinem Verstand und seiner Autonomie geschaffen habe. Diese Gaben hätten ihren Ursprung in der Natur Gottes, so könne ihre tägige Anwendung den Menschen nur näher zu Gott bringen, aber nicht von ihm entfernen. Im Gegenteil: Ein Verzicht auf den Einsatz seiner Fähigkeiten, hieße, dass der Mensch die Erwartungen, die Gott in ihn gelegt hat, indem er ihm diese Fähigkeiten gab, nicht erfüllen würde.

Arabische und Jüdische Einflüsse

Nach dem Ende der Antike hatten vor allem die Araber die griechische Philosophie bewahrt und weiterentwickelt. Im Zuge der Reconquista und der Kreuzzüge gelangten die Werke arabischer und jüdischer Philosophen in lateinischer Übersetzung nach Europa und hatten dort z. T. erheblichem Einfluß. Genannt seien hier vor allem:

Da in Europa lange Zeit nur die lateinischen Übersetzungen bekannt waren, wurden manche dieser Philosophen (z. B. Avicenna) bis ins 20. Jahrhundert hinein für Scholastiker gehalten.

Dieser Artikel bedarf einer Überarbeitung. Eine Begründung befindet sich in der Regel auf der Diskussionsseite. Wenn du Lust hast, verbessere den Artikel und entferne anschließend diesen Baustein.

Wichtige Scholastiker

Siehe auch

Literatur

See also: Scholastik, 11. Jahrhundert, 13. Jahrhundert, 14. Jahrhundert, 15. Jahrhundert, Al-Ghazali, Albertus Magnus, Anselm von Canterbury, Aristoteles