Schreibmaschine
thumb|Klein-Adler 2
Eine Schreibmaschine ist ein mechanisches oder elektromechanisches Gerät, das die Tastatureingabe ihres Benutzers als Text zu Papier bringt.
Es besteht aus einem Tastenfeld, einem mechanischen oder elektronischen Übertragungsmechanismus, der auch Speicher- und Korrekturelemente enthalten kann, und einem Ausgabegerät, das mittels fliegender (Typen) (mechanische Schreibmaschinen), Kugelkopf, Typenrad oder Typenwalze den Text auf das Papier aufdruckt. Das Papier wird meist über eine Walze zeilenweise weiterbefördert. Die horizontale Positionierung erfolgt mit einem Wagen. Je nach Bauweise verschiebt dieser die Walze mit dem Papier nach jedem geschriebenen Buchstaben um einen Schritt nach links oder die schreibende Einheit um einen Schritt nach rechts. Der Zeilenvorschub erfolgt auf Anforderung des Bedieners, durch Betätigen entweder des Zeilenvorschubhebels oder der Zeilenvorschubtaste.
Mehrere Exemplare eines Schriftstückes (so genannte Durchschläge), werden mit Hilfe von Kohlepapier erstellt.
| Inhaltsverzeichnis |
Entwicklung und Geschichte
[[Bild:1804 Jeffersons-Polygraph-Monticello Cville VA.jpg|thumb|left|240px|Der Polygraph von Thomas Jefferson - eine frühe "Schreibmaschine"]] Die Ursprünge der Schreibmaschine sind nicht bekannt. Erste Hinweise auf eine Maschine stammen aus dem Jahr 1682. Da man davon jedoch weder das Modell, noch den Namen des Erfinders kennt, einigte man sich auf Henry Mill, der 1714 das erste bekannte Patent für den Vorläufer der Schreibmaschine erhielt. Aber auch von dieser Konstruktion sind weder Zeichnungen erhalten, noch verrät die Beschreibung die konstruktiven Einzelheiten. Er bekam sein Patent wohl nur für die Idee einer Schreibmaschine.
Die erste wirklich gebaute Schreibmaschine stammt deshalb wohl von dem Italiener Pellegrino Turi aus dem Jahre 1808. 1832 machte Karl Drais einen Vorschlag einer Schreibmaschinentastatur unter welcher der Papierstreifen durch ein Uhrwerk weiterbewegt werden sollte. Von 1864 bis 1869 entwickelte Peter Mitterhofer fünf verschiedene Typen von Schreibmaschinen. Die erste Schreibmaschine, die auch verkauft wurde, die sogenannte Skrivekugle, kam von dem Direktor des dänischen Taubstummeninstitutes, Pastor Malling Hansen. Die ersten Modelle waren teilelektrifiziert (Wagenrücklauf) und ab 1875 wurden sie auch in Wien durch die Firma Szabel handwerklich gefertigt.
Die Remington Nr. 2 erschien 1878 und konnte zwischen Groß- und Kleinbuchstaben umgeschaltet werden und das Farbband selbständig transportieren. Außerdem hatte sie, wie das Vorgängermodell, bereits die Qwertz-Tastatur (englisch: Qwerty-Tastatur).
Die erste in Deutschland produzierte Schreibmaschine wurde 1882/83 von der Hamburger Nähmaschinen-Fabrik Guhl&Harbeck unter der Bezeichnung "Hammonia" auf den Markt gebracht. Geringe Stückzahlen wurden nach England und Kanada exportiert.
1893 ließ der deutsche USA-Emigrant Franz Xaver Wagner eine Typenhebelschreibmaschine patentieren. Diese wurde 1896 von dem Unternehmer John T. Underwood auf den Markt gebracht. Sie war eine der ersten Schreibmaschinen, bei der man das Geschriebene sofort sehen konnte. Davor musste man dazu erst den Wagen oder die Walze nach oben klappen. Underwood hatte insbesondere mit dem Modell No.5 aus dem Jahre 1900 sehr großen Erfolg in den USA. Diese Maschine setzte in Ihrer Konstruktion den Maßstab für alle nachfolgenden Maschinen anderer Hersteller Weltweit. 1920 waren über 50% aller Schreibmaschinen in den USA von Underwood.
Die erste Blindenschreibmaschine wurde 1899 von Oskar Picht erfunden.
1903 kam mit der Blickensderfer Electric die erste elektrische Schreibmaschine. Diese konnte sich jedoch nicht auf dem Markt durchsetzen, obwohl die Technik der Konkurrenz um Jahrzehnte voraus war. Vermutlich scheiterte sie daran, dass es in den verschiedenen US-Bundesstaaten keine einheitliche Netzspannung gab oder gar manche Orte nicht über Elektizität verfügten.
Zwischen 1903 und 1933 baute AEG 350.000 Zeigerschreibmaschinen vom Typ Mignon. Bei ihr wurde mit der linken Hand der Zeiger zum gewünschten Buchstaben geführt und mit der rechten Hand auf das Papier gebracht.
1910 gab es in den USA bereits mehr als einhundert Schreibmaschinenfabriken.
1910 kam aus Dresden mit Erika No.1 die erste deutsche Reiseschreibmaschine.
1921 Erschien auf dem deutschen Markt die Mercedes Elektra, eine mechanisch angetriebene Schreibmaschine mit seitlich angeflanschtem Elektomotor. Es gab auch eine Version dieser Maschine, welche anstelle des Motors eine Riemenscheibe hatte um den Antrieb über eine Deckentransmission (meist mit einer Dampfmaschine angetrieben) zu ermöglichen. Der Lärm in Schreibsälen mit bis zu 50 solcher Maschinen enorm. Die Rechte der Nutztung des Namens Mercedes für seine Schreibmaschine hatte sich der findige Hersteller vom Automobilbauer Daimler Benz erkauft, in der Hoffnung alleine über den Namen, welcher damals schon allgemein für Qualität und Robustheit stand, dem Käufer suggerieren sollte eine besonders wertige Maschine gekauft zu haben.
Kleinere Verbesserungen gab es immer wieder. Die großen Innovationen kamen nach dem 2.Weltkrieg zumeist von IBM. 1947 erschien mit der IBM Executive die erste Schreibmaschine mit Proportionalschrift.
In den 1960'ern Jahren eroberte mit der Selectric von IBM die elektrische Schreibmaschine endgültig die Büros.
1962 begann IBM mit dem Verkauf der ersten Schreibmaschinen mit Kugelkopf, der IBM 72, und brachte damit eine Maschine mit einem gänzlich neuen Konstruktionsprinzip heraus. Die Kugelkopfschreibmaschine war mechanisch ein Meisterwerk und äußerst komplex. IBM hielt über mehrere Jahre ein Patent für diese Technologie. Als dieses auslief und andere Hersteller (wie zum Beispiel Triumph-Adler mit der SE-1000) ebenfalls längst entwickelte Kugelkopfschreibmaschinen endlich aus der Schublade ziehen und auf den Markt bringen konnten war dieser für Kugelkopfmaschinen jedoch nicht mehr sehr empfänglich. Schon bald erschienen die ersten elektronischen Schreibmaschinen.
Ende der 1960er kam zusätzlich zum Farbband, einem mit schwarzer, teilweise auch zweifarbig eingefärbten Seidenbändern, Kunststoff-Farbbänder zum Einsatz, die einen sehr gleichmäßigen Andruck mit maximaler Färbung brachten, der allerdings mit dem Nachteil einherging, dass nur wenige Schreiben mit einem solchen Farbband geschrieben werden konnten, da es nur in einer Richtung ablief und danach weggeworfen wurde. Diese Bänder waren mit Carbon beschichtet, die angeschlagene Type brachte das gesamte Carbon an dieser Stelle auf einmal vom Farbband auf das Papier. Diese Farbbänder waren auch in vielen anderen Farben erhältlich. Mit dem Aufkommen von Schreibmaschinen mit Korrekturfunktion (über ein spezielles Korrekturband, welches die Farbe vom Papier wieder abhob) wurde noch unterschieden, ob ein solches Carbonband korrekturfähig war, oder nicht. Für wichtige Dokumente, zum Beispiel bei Banken oder Notaren, durften nur nicht korrigierbare Bänder werwendet werden. Um zu verhindern, dass versehentlich das falsche Farbband eingelegt wurde, hat man in die Schreibmaschinen eine sogenannte Bankensperre eingebaut, die über eine mechaninsche kodierung das einlegen eines solchen Farbbandes verhindert.
1973 wurde von IBM die so genannte tastengesteuerte Korrektureinrichtung eingeführt. thumb|250px|left|IBM Selectric 2003 wurde die Schreibmaschine aus dem Verbraucherpreisindex gestrichen, nachdem sie längst von den Computern verdrängt worden war.
Aktuell gibt es noch Schreibmaschinen des japanischen Herstellers Brother, der aber aufgrund der Marktlage (=Konkurrenz zum Computer) das Sortiment der höherwertigen Textverarbeitungssysteme der zuletzt DOS-kompatiblen Displayschreibmaschinen mit eingebautem Diskettenlaufwerk (LW-Reihe) zugunsten der einfacheren herkömmlichen Schreibmaschinen der AX-Reihe einstellte. Die zuletzt gebaute Schreibmaschine der LW-Reihe war die Brother LW-840ic, die einem Computer nur in wenigen Dingen wirklich unterlegen war. Kurz gesagt, ist eine LW-840ic ein Laptop-Computer mit integriertem Tintenstrahldrucker.
Hersteller von Schreibmaschinen waren Adler, Hermes, Underwood, Olivetti, Olympia, Optima, Wanderer (Continental) in Chemnitz, Mercedes in Zella-Mehlis, Seidel u. Naumann (Ideal, Erika) in Dresden, Clemens Müller (Perkeo, Urania) in Dresden, Triumph (später fusioniert mit Adler), Torpedo, Rheinmetall, Remington, AEG (später fusioniert mit Olympia), Stoewer (Modell 1-5, Stoewer Record, Stoewer Elite) in Stettin, Frister u. Rossmann (Senta), Kappel, um nur einige zu nennen. Die Bezeichnungen in Klammern sind einzelne Namen von Schreibmaschinen bzw. Modellreihen.
Verschiedene Konstruktionen
Zu Beginn hatte die Schreibmaschine nur einen Taster und Zeiger. Bald jedoch kamen Modelle mit vielen Tastern. Diese gab es dann mit Typenhebel, Typenstab, Typenrad, Typenscheibe, Typenplatte, Typenstange und Typenband. Später kam noch der Kugelkopf hinzu.
Mit Einführung von Kugelkopf und Typenrad konnten Schriftgröße und Schrifttypen leicht ausgewechselt werden. Durch einen leicht versetzten Anschlag konnte mit elektrischen Schreibmaschinen auch fett geschrieben werden.
Siehe auch
- Schreibmaschinenschrift
- Vittorio Emmanuele II Monument in Rom (im Volksmund wegen seiner Form auch Schreibmaschine genannt)
- Tastschreiben
Weblinks
Kategorie:Schreibgerät Kategorie:Büromaterial
