Schweizerische Volkspartei

Die SVP (Schweizerische Volkspartei; franz. Union démocratique du centre) ist die momentan wählerstärkste Partei der Schweiz.

Bei den letzten Parlamentswahlen (2003) errang sie 55 von 200 Sitzen im Nationalrat und acht von 46 Sitzen im Ständerat und ist somit die stärkste Partei im Parlament (vor der SP mit 52 bzw. neun Sitzen). Parteipräsident ist der Zürcher Nationalrat Ueli Maurer.

Geschichte

Auf Bundesebene wurde die Partei erstmals 1917 im Kanton Bern unter dem Namen Schweizer Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) aktiv. Sie war eine Abspaltung der vorwiegend städtisch geprägten Freisinnig-demokratischen Partei (FDP) und vertrat in erster Linie die Interessen der Bauern sowie der gewerblichen Klein- und Mittelbetriebe. Mit ihrem protektionistischen Programm erzielte die BGB in ihrem Stammkanton Bern sogleich einen durchschlagenden Erfolg und hatte in den 1920er Jahren regelmässig etwa die Hälfte aller Berner Wähler hinter sich. Grosse Erfolge erzielte die BGB aber auch in anderen bäuerlich und reformiert geprägten Kantonen. Dagegen blieb der Durchbruch unter den Gewerbetreibenden zunächst weitgehend aus.

Mit dieser soliden Basis gelang es der noch jungen Partei schon 1929, in die Schweizer Landesregierung, den Bundesrat, aufgenommen zu werden, als der im Amt verstorbene Berner FDP-Bundesrat Karl Scheurer zu ersetzen war. Die anderen bürgerlichen Parteien zogen damals die zwar unbequeme, aber auf dem Boden der traditionellen Schweiz stehende BGB der noch suspekten Sozialdemokratischen Partei (SP) vor. So zog der Berner Bauernführer Rudolf Minger in die Landesregierung ein.

Dieser Sitz wurde der Partei in der Folge nicht mehr ernsthaft streitig gemacht. Üblicherweise war es auch stets ein Vertreter der nach wie vor dominierenden Berner Sektion, der die Partei im Bundesrat vertrat; eine Ausnahme bildete nur der Bündner Leon Schlumpf (1980-1987).

1971 folgte nach dem Beitritt der Demokratischen Parteien der Kantone Glarus und Graubünden die Unbenennung in Schweizerische Volkspartei. Weiteren Zuzug erhielt die SVP seit den 1990er Jahren durch frühere Mitglieder von Parteien am äussersten rechten Rand des politischen Spektrums, vor allem von der früheren Autopartei sowie - in geringerem Ausmaß - von den Schweizer Demokraten. Dies blieb für den politischen Kurs der Partei nicht ohne Folgen.

Seit den frühen 1980er Jahren ist der charismatische, häufig und sicher zu Recht als populistisch angesehene Unternehmer und Nationalrat Christoph Blocher die inoffizielle Führungsfigur der Partei und deren grösster Geldgeber. Er war Parteipräsident der SVP des Kantons Zürich und wurde am 10. Dezember 2003 als Krönung der zahllosen Wahlsiege als zweiter Vertreter der SVP in den Bundesrat gewählt (Sprengung der Zauberformel in ihrer bisherigen Form nach 44 Jahren).

Heutige Ideologie

Unter Blochers Führung hat die SVP sich zunächst im Kanton Zürich, dann auch anderswo von einer biederen Handwerker- und Bauernpartei zu einer rechtspopulistischen Kraft gewandelt, die in der Schweizer Parteienlandschaft durch einfache Schwarz-Weiss-Parolen und aggressive, "holzschnittartige" (plakative) Werbekampagnen auffällt:

Alle anderen (selbst die bürgerlichen Parteien) werden als Linke und Nette, Heimatmüde, die Freisinnigen als Weichsinnige verhöhnt; Linke wurden mit Ratten verglichen oder die Europäische Union mit einem deutschen Armeestiefel versinnbildlicht. Die Abstimmung über ein Kontaktnetz für immigrierte Kosovo-Albaner wurde auf den Plakaten vordergründig zu einem Votum gegen die Albaner selbst umfunktioniert. Die Verträge von Schengen und Dublin werden als Trojanisches Pferd dargestellt, aus dessen Bauch Osama bin Laden und Mohammed Atta herauskriechen.

Auch der Rechtsstaat wird, da Richter zahlreiche für Laien angeblich unverständliche Urteile fällen, zunehmend als Richterstaat denunziert. Ihm wird der absolute Vorrang demokratisch gefällter Entscheidungen entgegengehalten, auch wenn diese einen Verfassungsbruch darstellen.

Mit ihrem neuen Stil konnte die Partei bei den Wählern beachtliche Erfolge erzielen, und zwar auch ausserhalb ihrer eigentlichen Hochburgen, selbst in der Westschweiz und in den katholischen Kantonen. In letzteren erobert die Partei konservative Stimmen auf Kosten der ehemals katholisch-konservativen CVP.

Heute vertritt die SVP folgende national-konservativen Werte:

In ihrer Selbstdarstellung versteht sich die SVP gerne als die Partei des kleinen Mannes.

In der Gesellschaftspolitik und im politischen Stil gab es vor allem in den 1990er-Jahren zwei sehr unterschiedliche Strömungen:

Mit den zunehmenden Erfolgen des Zürcher Flügels (massiv gestiegene Wähleranteile in allen Kantonen, auch in den französischsprachigen) hat sich dessen Ideologie in den letzten Jahren allerdings selbst im Kanton Bern von den Inhalten her durchgesetzt; bloss noch im Kanton Graubünden, in dem das Parlament nach dem Mehrheitswahlrecht gewählt wird, verfolgt die Partei einen Zentrumskurs.

Neben der eigentlichen Partei existieren einige von der Partei nominell unabhängige Organisationen, die sich auf gewisse Teile des Parteiprogramms beschränken, die in der Öffentlichkeit pointiert vertreten werden, wobei die Schlüsselpositionen ausschliesslich in den Händen prominenter SVP-Mitglieder sind:

Zu den bekanntesten Mitgliedern dieser Partei gehört unter anderem Alt-Bundesrat Adolf Ogi, der von den Führern der SVP wegen seiner von der Parteilinie abweichenden Meinungen regelmässig desavouiert und kritisiert wurde. Im Jahr 2005 amtet der SVP-Bundesrat und Vorsteher des VBS (Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport) Samuel Schmid als Bundespräsident.

Siehe auch: Politische Parteien in der Schweiz, AUNS

Weblinks

See also: Schweizerische Volkspartei, 10. Dezember, 1917, 1929, 1971, 1980, 1987, 2003, Adolf Ogi, Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz