Schwungrad

thumb|300px|Schwungrad eines Walzwerkes Ein Schwungrad ist ein Maschinenelement. Es wird unter anderem zur Speicherung kinetischer Energie genutzt, indem seine Drehbewegung (Rotation) ausgenutzt wird. Des Weiteren werden Schwungräder auch zur Stabilisierung eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Anwendung

Energiespeicher

Mechanische Energiespeicher:

Elektrische Energiespeicher:

Stabilisierung

Neben der Energiespeicherung wird das Schwungrad in einigen Bereichen auch zur Stabiliserung eingesetzt. Beispiele hierfür sind Kreiselkompasse sowie natürliche und künstliche Himmelskörper (Satelliten, Planeten). Allerdings ist der stabilisierende Effekt nicht immer gewollt. So ließ das Kurvenverhalten des in der Schweiz eingesetzten Gyrobusses - dank des stabilisierenden Effektes von Schwungrädern, die versuchen die Lage und Richtung beizubehalten - zu wünschen übrig.

Schwingungsdämpfung

Bei vielen dynamischen Prozessen an Maschinen treten Torsionsschwingungen (zum Beispiel Unwuchten) auf. Schwingungen entstehen durch die periodische auftretende Kräfte. Gegenüber einer großen Schwungradmasse sind diese Kräfte relativ klein. Die Schwingungsauschläge sind geringer. Von Nachteil ist, daß eine hohe Masse in Bewegung gesetzt werden muß, welche bei Fahrzeugen Zusatzgewicht bedeutet. Daher wird meist versucht die Schwingungen gering zu halten, oder auf andere Arten zu verringern (Dämpfung). Eine Sonderform des Schwungrades im Pkw bildet das sog.Zweimassenschwungrad. Hier wird durch den Einsatz einer Primär - und einer Sekundärschwungmasse die Übertragung von Motorschwingungen auf den restlichen Antriebsstrang stark reduziert (z.B. Getriebeleerlaufrasseln). Primär-und Sekundärschwungmasse sind durch ein genau abgestimmtes Feder/Dämpfersystem voneinander getrennt. Die getriebseitige Schwungmasse (Sekundärschwungmasse) ist höher ausgelegt als die motorseitige Schwungmasse (Primärschwungmasse). Das Massenträgheitsmoment des Getriebes wird hierdurch erhöht, Resonanzschwingungen auf den Antriebsstrang stark reduziert.

Geschichte

Schon im Altertum wurde die Massenträgheit in Form rotierender Massen genutzt - beispielsweise bei Töpferscheiben oder Spinnrädern wurden einfache Schwungräder verwendet, um ein dauerhaftes, unterbrechungsfreies und gleichmäßiges Drehen zu gewährleisten. So wurden rund 6000 Jahre alte Steinscheiben gefunden, die im alten China als Spindel genutzt wurden. Im Mittelalter hatten hölzerne Schwungräder bereits Rotationsfrequenzen von rund 100 U/min und konnten die Rotation zum Teil über mehrere Minuten aufrecht erhalten. Später dienten Schwungräder zum Ausgleichen des nicht konstanten Drehmoments bei Dampfmaschinen und den ersten Verbrennungsmotoren. Wieder entdeckt wurden sie in der Raumfahrt, um nach einem Aufladen über Solarstrom die Energieversorgung im Erdschatten sicherzustellen – hier wurden sie also im großen Stil zur Energiespeicherung eingesetzt.

Heute sind die Einsatzbereiche von Schwungrädern dank fortgeschrittener Technik ungleich vielfältiger als früher. Sie werden beispielsweise genutzt, um kurzfristige Spannungsschwankungen im Stromnetz und kurzzeitige Stromausfälle zu kompensieren, oder um die Auslaufzeit von Kühlpumpen in AKWs zu verlängern, damit auch im Notfall eine ausreichende Kühlung gewährleistet wird. Durch neue, leichtere und stabilere Materialien, die das Bersten bei hohen Drehzahlen verhindern, halten die Schwungräder vor allem auch im mobilen Bereich Einzug, um die Energie besser ausnutzen zu können. So wird bei den Testzügen des Projektes Lirex der Deutschen Bahn, die kinetische Energie beim Bremsen nicht mehr ausschließlich in Wärmeenergie umgewandelt und an die Umwelt abgegeben, stattdessen wird auch ein Schwungrad angetrieben, das dem Antrieb Energie entzieht und gleichzeitig einen Großteil der Bremsenergie zur weiteren Nutzung zwischenspeichert. Diese so zwischengespeicherte Energie kann beispielsweise zum Versorgen der Bordelektronik oder zum Wiederanfahren mitgenutzt werden.

Weblinks

See also: Schwungrad, China, Dampfmaschine, Deutsche Bahn AG, Drehmoment, Energie, Energiespeicher, Gyrobus, Himmelskörper, Hubkolbenmotor