Seeohren
400px|thumb|Seeohr-Sashimi in einem japanischen Gasthaus (Haliotis japonica) Seeohren, auch Haliotis oder Abalone sind große Seeschnecken aus der Familie der Haliotidae, die in fast allen warmen Meeren (außer im Westatlantik) vorkommen, teilweise auch in gemäßigten Zonen wie im englischen Kanal. Sie gehören zu den Fassschnecken, haben die Form einer Ohrmuschel und besitzen eine perlmutt-reiche Schale, die einer Muschel ähnelt. Sie werden deshalb auch Irismuscheln genannt.
Der Fuß der Schnecken, mit dem sie sich in Küstennähe an Felsen anhaften, gilt besonders in Ostasien als begehrte Delikatesse. Dieser Umstand trug wesentlich dazu bei, dass die Spezies inzwischen gefährdet ist.
Die Tiere haben sich (umwelt- und genetisch bedingt) schon merklich von der rechts-links-Symmetrie vieler Schnecken entfernt. Zwar haben sie noch zwei Schließmuskeln, doch einer ist wesentlich stärker ausgeprägt als der andere. Die Oberseite der Schale hat winzige Öffnungen, durch welche das von Wimpern ins Innere der Mantelhöhle gestrudelte Meerwasser wieder hinaus gelangen kann.
Weltweit gibt es bis über 100 Arten der Haliotis. Die Haliotis gigantea bildet bizarr geformte Perlen aus, die blau, grün, grau oder bronzefarben schimmern. Wie auch bei anderen Mollusken sind diese Farben - die unterhalb von 15 Meter Wassertiefe kaum mehr zu sehen sind - Abfallprodukte des Eiweiß-Stoffwechsels, die der Mantelrand beim Wachsen der Schale in dieser deponiert.
Im Meeresfrüchte-Paradies Japan ist das Fleisch der Seeohren (die dort fälschlicherweise als Muscheln angesehen werden) ein beliebter Genuss: Sowohl die Sorte Haliotis gigantea als auch die rund um Japan häufig vorkommende Haliotis japonica (jap: Tokobushi [とこぶし]). Das Fleisch wird vor allem als Sashimi (roh) verzehrt.
Eintrag in Meyers Konversationslexikon 1888:
Meerohr (Seeohr) (Hal.lotisL.), Schneckengattung aus der Gruppe der Vorderkiemer (Prosobranchia) und der Familie der Hallotidae, mit ohrförmigem, flachem Gehäuse, von welchem die letzte Windung den bei weitem größten Teil bildet und die Öffnung sehr groß ist. Die Schale ist am linken Rand mit einer Reihe von Löchern versehen, durch welche das Tier fadenförmige Anhänge des Fußes steckt und das Wasser zu den Kiemen eintreten läßt.
Sie ist außen oft gerunzelt, irisiert aber innen in den schönsten Farben (daher Irismuschel); auch das Tier ist mit sarbigen Anhängen geschmückt. Man kennt mehr als 70 Arten in den Meeren der heißen und gemäßigten Zone, nördlich bis zum Kanal; sie leben in der Strandzone, besonders an felsigen Küsten, halten sich am Tag verborgen und weiden nachts die Tange ab. Die Schale wird als Perlmutter zu allerlei Kunstarbeilen benutzt (s. Perlmuscheln).
