Segmentäre Gesellschaft
Segmentäre Gesellschaft ist ein von Emile Durkheim geprägter Begriff zur Beschreibung der soziopolitischen Organisationsstruktur indigener Gesellschaften. Diese bestehen aus mehreren tendenziell gleichartigen und gleichrangigen Teilgebieten (Segmenten), die sich weiter in Subsegmente verschiedener Größenordnung untergliedern können (z.B. Ethnien in Phratrien, Phratrien in Clane, Clane in Familien etc.). Es können mehrere Hierarchien von Gruppen verschiedener Größenordnung (z.B. auf verwandtschaftlicher, lokaler und kultischer Grundlage) nebeneinander bestehen. Dieses Prinzip der Verschachtelung von Segmenten gewährleistet die weitgehende Selbstregulierung von Kooperations- und Konfliktbeziehungen. (ohne die Einschaltung eines permanenten staatlichen "Regulierungszentrums"). Dies ermöglicht die größtmöglichste Flexibilität und Dezentralisierung der politischen Organsiation.
Eines der wichtigsten Werk, das auf die Theorie der segmentären Gesellschaft aufbaut, ist African Political System Evans-Pritchard und M. Fortes. Sie untersuchen vor allem die Lineage-Strukturen, welche die Grundlage für die politische Struktur darstellen. Sie betonen die Gleichheit der Segmente und das Fehlen einer Zentralinstanz. Bekannt geworden sind die Ethnografien über die Nuer und die Tallensi.
In seiner Arbeit "Regulierte Anarchie" greift Christian Sigrist das Thema der staatenlosen (akephalen) Gesellschaften auf und entwickelt die Theorie weiter.
Literatur
- Emile Durkheim: Über soziale Arbeitsteilung, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, Frankfurt, 2004 (Original 1893)
- Christian Sigrist: Regulierte Anarchie, Europäische Verlagsanstalt, Hamburg, 1994 (Original 1967)
- Meyer Fortes und Edward Evans-Pritchard: African Political Systems, 1940
