Sehnsucht

Sehnsucht ist das tiefe Verlangen nach jemandem/etwas, den/das man liebt und/oder begehrt. Es gibt Menschen, die sich vor Sehnsucht verzehren. Insofern kann man fast von einer krankhaften Sehnsucht sprechen. Gänzlich pathologische Züge nimmt die Sehnsucht nach dem Tode an.

Erklärungsansatz nach Sigmund Freud:

Im fünften Kapitel seiner Abhandlung "Jenseits des Lustprinzips" (1920) beschreibt Freud in seiner Triebtheorie, daß die Triebe eher konservativer Natur sind. D.h., dass sie den bestehenden Zustand nicht nur erhalten wollen, sondern auch tendenziell zur Rückkehr in einen früheren Zustand führen: " Ein Trieb wäre also ein dem belebten Organischen innewohnender Drang zu Wiederherstellung eines früheren Zustandes..." (Fischer Taschenbuch 6394, S.146) Im dritten Kapitel seines Aufsatzes "Das Unbewußte" (1915) erklärt Freud den Zusammenhang zwischen Trieb und Affekten, wie Gefühle und Empfindungen. Die Triebe sind, seiner Meinung nach, nie "Objekte des Bewußtsein" (S.82), sondern sie können nur in der Vorstellung bestehen. Sie treten aber durch Affekte zum Vorschein. Wenn man sich nun die direkte Relation zwischen Trieben und Gefühlen vor Augen führt, so ergibt sich doch der Gedanke, dass nicht nur die Triebe als konservativ gelten, sondern auch die aus ihnen resultierenden Gefühle einen eher erhaltenden Charakter haben. Deutlich wird dieses bei dem Gefühl der Sehnsucht, die an dem Erlebten, dem Vergangenen haftet. Die Betroffenen empfinden den Zustand, in dem sie sich jetzt befinden, als schwieriger als den, nach dem sie sich sehnen.

Erklärungsansatz nach Hegel:

Einen abstrakteren, aber nicht weniger interessanten Ansatz findet man bei Hegel in seiner "Phänomenologie des Geistes" (1807). Hegel spricht im vierten Kapitel von einem unglücklichen Bewußtsein:"Dieses unglückliche,in sich entzweite Bewußtsein muß also, weil dieser Widerspruch seines Wesens sich ein Bewußtsein ist, in dem einen Bewußtsein immer auch das andere haben, und so aus jedem unmittelbar, indem es zum Siege und zur Ruhe der Einheit gekommen zu sein meint, wieder daraus ausgetrieben werden." (Reclam Universal-Bibliothek Nr.8460, 1987; S.157) Er meint damit das ewige Streben nach dem "unwandelbarem Wesen" (S.158), dem letztlich Wahren und Gewissen. In unserer, vom christlichen Glauben beeinflußten Kultur, liegt dieses in der Sehnsucht nach dem Paradies, welches aber nur durch den Verlust des irdischen Lebens erreicht werden kann. Diese Erkenntnis, deren Symbol die Kreuzigung Christi ist, macht dieses Bewußtsein unglücklich.


Siehe auch: Heimweh, Liebeskummer

Zitate

See also: Sehnsucht, 1807, Elia Kazan, Endstation Sehnsucht, Hegel, Heimweh, Liebeskummer, Pathologie, Sigmund Freud, Tennessee Williams