Selbstlader
Als Selbstlader wird allgemein eine Schußwaffe bezeichnet, bei der ein Teil der beim Schuß frei werdenden Energie dazu genutzt wird, die Waffe erneut schußfertig zu machen.
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Funktionsweise
Der Selbstlader muß
- Den Verschluß automatisch, d.h. ohne eingriff des Schützen öffnen.
- Die leere Patronenhülse aus der Waffe entfernen.
- Eine neue Patrone der Waffe zuführen.
- Den Zündmechanismus spannen.
- Der Verschluß wieder schliessen.
Die Schritte 1. und 2. erfolgen beim Rücklauf des Verschlusses, die Schritte 3. bis 5. beim Schließen.
Selbstlader können halbautomatisch (d.h. für jeden einzelnen Schuß muß der Abzug erneut betätigt werden) oder vollautomatisch (die Waffe schießt nach einmaligem Betätigen des Abzugs immerzu, bis der Abzug losgelassen wird oder der Munitionsvorrat erschöpft ist).
Verschlußsysteme
Damit eine Gefährdung des Schützen ausgeschlossen ist, darf das Öffnen des Verschlusses erst dann erfolgen, wenn der Gasdruck im Lauf stark gesunken ist. Dies ist kurz nach dem Austritt des Geschosses aus der Laufmündung der Fall. Andererseits muß noch ausreichend Energie für den Antrieb des Mechanismus zur Verfügung stehen. Die Verschlußsteuerung in Abhängigkeit von der verwendeten Munition bildet also ein zentrales, konstruktives Problem für den Bau von Selbstladern.
Aus den vorgenannten Gründen haben sich unterschiedliche Konstruktionsprinzipien für Selbstlader etabliert. Man unterscheidet allgemein unverriegelte und verriegelte Verschlußsysteme.
unverriegelter Verschluss
Der unverriegelte Verschluß (auch als Feder-Masse Verschluß bezeichnet), beruht auf der Masseträgheit des recht massiv gehaltenen Verschlusses, und der Zuhaltekraft einer starken Feder. Beides stellt sicher, daß das im Verhältnis sehr leichte Geschoß sehr viel schneller den Lauf verläßt, als sich der Verschluß öffnen kann. Verschlußmasse und Federspannung setzen der Verwendbarkeit der Munition enge Grenzen. Schußwaffen mit Feder-Masseverschlüssen verschießen i.a. nur relativ kleinkalibrige und leistungsschwache Patronen (.22 lfB, .22 Winchester Magnum, 6,35mm Browning, 7,65mm Browning, 9mm kurz, 9mm Makarow, 9mm*18 Police, etc.). Entsprechend handelt es sich überwiegend um Kleinkaliber-Selbstladegewehre und -pistolen, sowie um Taschenpistolen (darunter so bekannte Modelle wie die Walther Pistolen PP und PPK, die Mauser HSC, die Heckler & Koch HK4 und P7K3 sowie die Makarov sowjetischer Provenienz). Eine Ausnahme bilden Maschinenpistolen und einige Exoten unter den Selbstladepistolen (wie z.B. die Heckler & Koch VP 70).
verriegelter Verschluss
Beim verriegelten Verschluß stellen massive Verriegelungswarzen auf dem Lauf (die in entsprechende Nuten an der Waffe greifen, z.B. Browning Verschluß der .45 Colt Government), drehbare Verschlußköpfe (z.B. M 16, StGw G 36), schwenkbare Stützklappen, Rollen oder Riegel (z.B. Walther P 38, Beretta 92 F) sicher, daß sich der Verschluß erst nach Absinken des Gasdrucks auf ein sicheres Niveau öffnet. Das erlaubt die Verwendung wesentlich leistungskräftigerer Munition (ohne daß deshalb der Verschluß unförmig-schwer würde, oder die Federspannung der Schließfeder Herkuleskräfte erforderte).
zeitliche Steuerung des Ablaufs
Andererseits muß aber - zusätzlich zum Zeitpunkt - der Ablauf des Ver- und Entriegelns mechanisch gesondert gesteuert werden. Hierfür existieren eine ganze Reihe unterschiedlicher, konstruktiver Lösungen. Die weitaus meisten basieren darauf, daß Verschluß und Lauf beim Schuß zunächst eine gemeinsame Bewegung nach hinten antreten, und sich bei Erreichen eines definierten Punktes (z.B. einer Klinke oder Steuerkurve) trennen, d.h. die Verriegelung wird aufgehoben. Eine besondere Lösung dieses Problems zeigt der "unterknickte Kniegelenkverschluß" der berühmten Pistolenfamilie von Georg Luger (auch: Parabellumpistole, Pistole 08). Danach kehrt der Lauf in seine Ausgangslage zurück, während der Verschluß seine Rückwärtsbewegung so lange fortsetzt, bis die Kraft der Schließfeder ihn wieder nach vorn treibt. Gemeinsam treten Lauf und Verschluß sodann in ihre Ruhelage zurück, wobei die Verriegelung eintritt.
Die Steuerung des Mechanismus wird entweder über die Rückstoßenergie beim Schuß (sog. Rückstoßlader) oder pneumatisch, durch mechanische Übertragung des beim Schuß freiwerdenden Gasdrucks (sog. Gasdrucklader) bewerkstelligt. Während bei Selbstladegewehren beide Systeme vorkommen (und Gasdrucklader heute verbreiteter sind), funktionieren verriegelte Selbstladepistolen als Rückstoßlader.
Eine Sonderstellung nehmen daneben Systeme ein, die nicht starr verriegelt, sondern beweglich abgestützt oder verzögert sind. Hierzu zählen u.a. der Rollenverschluß des Heckler & Koch G3 Sturmgewehrs (und seine Derivate, einschließlich der Maschinenpistole H&K MP5 und der Pistole H&K P 9 S), sowie die "gasgebremsten" Verschlüsse der Pistole Steyr GP oder der Pistolenbaureihe P 7 von Heckler & Koch.
