Semantische Stufentheorie

Die semantische Stufenfolge ist eine Theorie innerhalb der Semantik.

Inhaltsverzeichnis

Definition

Die semantische Stufenfolge postuliert "semantische Stufen" im Gebrauch von Sprache, vor allem die zwei Stufen Objektsprache und Metasprache und unterscheidet daneben zwischen Metasprachen verschiedener Stufen zum Ausdruck. Weiterhin arbeitet sie Prinzipien für die Konstruktion von Hierarchien semantischer Stufen aus und gibt Mittel und Wege zur Vermeidung der semantischen Antinomien an. Schließlich beschäftigt sie sich mit der Angabe technischer Hilfsmittel zur Kennzeichnung verschiedener Stufen.

Von der Supposition zur Typentheorie

Ansätze zu einer Theorie der semantischen Stufen enthält die mittelalterliche Lehre von der Supposition. Die Theorie selbst entstand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nachdem man gelernt hatte, die semantischen Antinomien von den syntaktischen und logischen Antinomien zu unterscheiden, zu deren Vermeidung Bertrand Russell und Alfred North Whitehead ihre Typentheorie entwickelt hatten.

Zur Unterteilung der Stufen durch Objekt- und Metasprache

Die Unterscheidung zwischen Objekt- und Metasprache, von ihm "Grundsprache" und "Metasprache" genannt, stammt von Alfred Tarski (in: Der Wahrheitsbegriff in den formalisierten Sprachen, 1935). Ein wichtiges Mittel zur Unterscheidung zwischen Bestandteilen verschiedener Sprachstufen ist die Verwendung von Anführungszeichen.

Beispiel:

Der Aussagesatz "Berlin ist eine große Stadt" ist korrekt gebildet und ist ein Satz der Objektsprache. Der Satz hingegen " 'Berlin' ist eine große Stadt" ist falsch gebildet, da das in Anführunszeichen gesetzte Wort nicht die Stadt Berlin bezeichnet, sondern das Wort "Berlin". Ein Wort jedoch bildet keine Stadt!

Ein korrekter Satz der Metasprache wäre es hingegen, wenn gesagt wird: " 'Berlin' besteht aus sechs Buchstaben". Ein semantisch sinnloses Gebilde wäre hingegen der Satz: "Berlin besteht aus sechs Buchstaben". Der erste dieser beiden Sätze gibt eine Eigenschaft des Wortes "Berlin" an. Er ist semantisch korrekt, der zweite behauptet, daß eine Stadt, die Stadt Berlin, aus sechs Buchstaben besteht, was offensichtlich keinen Sinn ergibt.

Zur Schwierigkeit bei der Analyse der semantischen Stufen

Die Theorie semantischer Stufen wurde nicht aufgebaut, um elementare Fälle dieser Art zu klären, denn ihre Lösung ergibt sich gewissermaßen aus dem Inhalt des Gesagten bzw. aus dem Zusammenhang. In abstrakten theoretischen Systemen hingegen liegen die Dinge bedeutend schwieriger, und dort bedarf es dieses exakten begrifflichen Hilfsmittels sehr wohl.

Sehr häufig trifft man selbst in ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Schriften Verstöße gegen die Theorie der semantischen Stufen an. Wenn etwa in einem Werk über Sozialpsychologie steht:"Dies ist nicht nur eine Mißachtung der psychologischen, sondern auch der sozialen Realitäten", so liegt hier ein Verstoß gegen die Annahmen der Theorie der semantischen Stufen vor. Denn in diesem Fall darf es nicht "psychologisch" heißen, sondern es muß heißen "psychisch".

See also: Semantische Stufentheorie, 1935, 20. Jahrhundert, Alfred North Whitehead, Alfred Tarski, Antinomie, Bertrand Russell, Metasprache, Semantik, Sprache