Brötchen

thumb|Brötchen Brötchen oder auch Semmeln (von lateinisch: simila = Weizenmehl, ursprünglich aus dem Assyrischen samidu = weißes Mehl) sind kleine Brote aus Weizen- oder auch Roggenmehl. Sie werden in vielen Varianten hergestellt und haben regional unterschiedliche Namen. Traditionell werden Brötchen morgens aus ungesüßtem Hefeteig mit Weizenmehl gebacken, haben eine knusprige goldfarbene Kruste und eine dichte, etwas feuchte Krume. Sie sind nicht lange haltbar und sollten am gleichen Tag verzehrt werden.

thumb|doppeltes Brötchen oder Semmel thumb|Semmel (ähnlich der Kaisersemmel) thumb|fränkischer Kipf thumb|Knauzen

Die traditionelle Herstellung von Brötchen ist langwierig. Der Vorteig muss etwa 20 Stunden ruhen, der fertige Teig weitere Stunden, damit Mikroorganismen im Mehl und die Hefe die gewünschten Aromen entwickeln und der Teig die richtige Konsistenz erhält. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts galten Brötchen als Luxusartikel, die nur zum Wochenende angeboten wurden.

Seit Brötchen zum alltäglichen Nahrungsmittel geworden sind, werden sie zunehmend in einem verkürzten Verfahren unter Verwendung von Hefe hergestellt. Das beginnt mit dem Weizenmehl, das nicht mehr aus mehrwöchig abgelagertem, sondern meist frischem Getreide gemahlen und mit Ascorbinsäure (Vitamin C) versetzt wird (versetzt werden kann), um backfähig zu sein. Um die Teigführung abzukürzen, den Teig maschinell verarbeitbar und gegen äußere Einflüsse wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit unempfindlich zu machen, können dem Teig Enzyme und Emulgatoren (Alpha-Amylase, Lecithin, Diacetylweinestersäureester u. a.) beigemischt werden, ebenfalls Aromastoffe, da die Aromabildung durch Mikroorganismen weitgehend entfällt. Zur leichteren Maschinenbearbeitung wird der Teig mit weniger Flüssigkeit hergestellt als beim traditionellen Verfahren, was dazu führt, dass die Brötchen schneller altbacken werden. Die Herstellungszeit von Brötchen verkürzt sich dadurch von einem vollen Tag auf weniger als eine Stunde.

In vielen der heute noch existierenden Bäckereien wird auf die traditionelle Teigführung verzichtet und statt dessen auf Backmittel oder fertige Backmischungen zurückgegriffen, die ein ähnliches Ergebnis liefern wie die inzwischen marktbeherrschenden Großbäckereien. Nach deutschem Lebensmittelrecht müssen die eingesetzten Zusatzstoffe nicht deklariert werden, solange die Ware lose verkauft wird. Zu erkennen ist die Verwendung von Backmitteln und Backmischungen lediglich an Indizien wie professionellen Werbemitteln und ausgeprägtem "Brötchenduft", der durch zugesetzte Aromapräkursoren, die auch natürlich im Sauerteig entstehen, hervorgerufen wird. Der Geruch in traditionell arbeitenden Bäckereien ist eher hefe- und obstartig. Ein Indiz für herkömmlich arbeitende Bäckereien ist eine eher geringe Produktvielfalt im Laden, da bestimmte Brötchen aus einem Grundteig hergestellt und dann nur durch individuelle Formgebung und Variation (Bestreuen, Zusatz von Saaten, Kernen, Ölen, Gemüse...) verändert werden können.

In Deutschland wurde die gesetzliche Vorschrift für ein Mindestgewicht 1957 abgeschafft. Durchschnittlich wiegt ein deutsches Brötchen jedoch etwa 50 g.

Bei den meisten der so genannten Brötchensorten handelt es sich lediglich um Varianten von Backmischungen, die von Bäckereien unter geschützten Produktnamen wie z. B. "Kornspitz" mit Werbemitteln der Hersteller vermarktet werden.

Inhaltsverzeichnis

Regionale Bezeichnungen

Regionale Varianten

Reifezeit von bis zu 20 Stunden.

Kaisersemmel

Besonders in Österreich (in einigen Bundesländern nennt man die Kaisersemmel nur Semmel), der Schweiz und Süddeutschland bekannt ist die Kaisersemmel. Diese ist ein Gebäck aus normalem Weißbrotteig, dessen Oberseite allerdings ein fünftteiliges Spiralmuster aufweist (im Original wird diese Semmel durch aufwändiges manuelles Falten des Teiges hergestellt, heutzutage wird in der Regel ein spezieller Stempel auf das angegarte Teigstück gedrückt). Die Semmel hat dadurch einen höheren Anteil an Kruste und ist deshalb aromatischer. Der österreichische Lebensmittelcodex definiert dabei folgende Eigenschaften für eine Kaisersemmel:

Unter Produkten, die als "Wiener Kaisersemmel" oder mit ähnlichen hervorhebenden Bezeichnungen, die sich auf die ehemalige Wiener kaiserliche Hofhaltung beziehen, in Verkehr gebracht werden, versteht man ausschließlich handgewirktes Weißgebäck mit fünfteiligem Stern, das sich durch eine lange Teigführung auszeichnet, die zumindest zwei Stunden betragen muss. Außer Lecithin und L-Ascorbinsäure werden keine Zusatzstoffe zugesetzt. (Lebensmittelgesetz 1975, Kapitel B 18, Absatz 34).

In Kroatien sind Semmeln allgemein unter "Kajzerica" bekannt.

Allgemeine Varianten

Brötchenbackmischung für das verkürzte Herstellungsverfahren

Weizenmehl, Weizenkleber, Roggenstärke, Verdickungsmittel (Guarkernmehl = E 412), Zucker, Sojamehl, Reismehl, Sauerteigextrakt, Malzextrakt getrocknet, Emulgator (veresterte Mono- und Diglyceride, Lecithin = E 322), pflanzliches Öl, pflanzliches Öl gehärtet, Trennmittel (Phosphat), Röscheverstärker (Kalziumsulfat) Bohnenmehl, Maschineneigner (Siliciumdioxid) Säureregulator (Calciumcarbonat), Stabilisator (Calciumsulfat, Essigsäuresalz), Enzyme, Enzymblocker (Aluminiumsalze), Mehlbehandlungsmittel (Ascorbinsäure, L-Cysteinhydrochlorid) Wasser, Treibmittel (Hefe, Kohlendioxid) Alkohol, Aromastoffe (Zuckerkulör = E 150), Farbmittelstoffe (Beta-Carotin), Pilzbehandlungsmittel (Antimyzinum)

See also: Brötchen, 20. Jahrhundert, Alkohol, Aroma, Aromastoffe, Ascorbinsäure, Assyrische Sprache, Baden-Württemberg, Bayern, Berlin