Sergei Iwanowitsch Tanejew

Vita

Tanejew entstammte gehobenen Verhältnissen, sodass er sich schon von seiner frühen Kindheit an intensiv mit Musik beschäftigen konnte. Bereits 1866 trat er in das Moskauer Konservatorium ein und studierte Klavier, Komposition, Orchestration und Formenlehre bei so namhaften Persönlichkeiten wie Pjotr Iljitsch Tschaikowski und Nikolai Rubinstein. Mit ersterem verband ihn eine lebenslange Freundschaft. 1875 beendete er seine Studien mit der Goldmedaille. Zunächst war Tanejew überwiegend als Pianist tätig und unternahm Konzertreisen (u.a. nach Frankreich). 1878 wurde Tanejew Professor für Harmonielehre und Instrumentation am Moskauer Konservatorium, 1881 zusätzlich Professor für Klavier und 1883 schließlich Professor für Komposition. Von 1885 bis 1889 war er Direktor des Konservatoriums, danach zog er es vor, nur seiner Lehrtätigkeit in den Fächern Kontrapunkt, Fuge und Formenlehre nachzugehen. Etliche seiner Schüler (z.B. Sergei Rachmaninow, Alexander Skrjabin und Reinhold Glière entwickelten sich zu namhaften Komponisten. Auch in menschlicher Hinsicht wirkte der umfassend gebildete Tanejew, der sich z.B. auch für Philosophie interessierte, auf seine Schüler prägend. 1905 verließ er das Konservatorium. Tanejew trat auch als Autor vieler bedeutender musikwissenschaftlicher Schriften hervor und wurde mit zahlreichen Auszeichnungen versehen. 1915 zog er sich auf der Beerdigung seines Schülers Alexander Skrjabin eine schwere Erkältung zu, die zu seinem Tod führen sollte.

Stil

Tanejew orientierte sich zunächst eher an westlichen Strömungen, wandte sich jedoch schon bald auch der nationalrussischen Bewegung zu. Zeit seines Lebens interessierte er sich für die Musik der Vergangenheit (er studierte die Werke von z.B. Giovanni Pierluigi da Palestrina, Georg Friedrich Händel und Wolfgang Amadeus Mozart intensiv), was zu einer für ihn charakteristischen kontrapunktischen Meisterschaft führte. Diese Tendenzen prägten sein Schaffen: russische Thematik, die mit der Alexander Glasunows vergleichbar ist, einerseits, eine ausgefeilte kontrapunktische Arbeit andererseits. Oftmals sind ihm Akademismus und uninspirierte Trockenheit vorgeworfen worden. Diese Behauptungen erweisen sich bei näherem Studium seiner Werke jedoch als Vorurteile, da Tanejews Werke sehr wohl von großer emotionaler Kraft gekennzeichnet sind. Größtenteils fremd war ihm hingegen die Salonmusik; er neigte eher zu größeren, anspruchsvolleren Werken. Dies wird schon dadurch erkennbar, dass er für "sein" Instrument, das Klavier, nur wenig geschrieben hat; seine Vorlieben lagen vielmehr auf dem Gebiet der Vokal- und der Kammermusik.

Werke (Auswahl)

Ein komplettes Werkverzeichnis ist auf den Seiten des Russischen Musikarchivs in Hannover [1] zu finden; es ist allerdings ratsam, bei einigen Details dieser Seite (Jahreszahlen, Tonarten u.ä.) Vorsicht walten zu lassen.


Anmerkung: Doppelte Daten sind erstens gemäß julianischem Kalender angegeben, der in Russland bis zur Oktoberrevolution 1917 galt, zweitens gemäß dem im Westen seit dem 16./18. Jh. verwendeten gregorianischen Kalender. (Siehe auch: Wikipedia:Namenskonventionen/Kyrillisch).

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Personendaten
Tanejew, Sergei Iwanowitsch
Sergej Ivanovič Taneev
Russischer Komponist
25. November 1856
Wladimir
19. Juni 1915
Djudkowo bei Moskau

See also: Sergei Iwanowitsch Tanejew, 1856, 1866, 1875, 1878, 1881, 1883, 1885