Sexuelle Begriffe in der Umgangssprache

Für sexuelle Begriffe gibt es in allen Sprachen der Welt eine besondere Vielzahl von umgangs- und vulgärsprachlichen Synonymen.

Die vielen Synonyme haben ihre vermutliche Ursache in der besonderen Tabuisierung des Themas Sexualität in diesen Kulturen. Dadurch entstehen zwei entgegengesetzte Trends: der Euphemismus (sprachliche Aufwertung) und die Pejoration (sprachliche Abwertung).

Daneben erklären sich die vielen Synonyme aus dem Bedürfnis nach weniger "hochgestochen" und "medizinisch" klingenden und verständlicheren Ersatzausdrücken (z. B. Selbstbefriedigung statt Masturbation), sowie humorvollen Umschreibungen (z. B. auf der Sologitarre spielen, Taschenbillard oder sich einen von der Palme wedeln).

Vulgärsprachliche Begriffe aus dem sexuellen Bereich werden auch häufig metaphorisch oder bedeutungsfremd gebraucht (z. B. Arschloch zur beleidigenden Benennung für eine Person). Bemerkenswert ist, daß die entsprechenden Schimpfwörter in der deutschen Sprache in der Regel analfixiert sind, im Unterschied zu anderen Sprachen wie Englisch, Niederländisch, Ungarisch oder Russisch, deren Schimpfwörter eher genitalorientiert sind.

Der Sexualforscher Ernest Borneman hat 1968 ein Lexikon der Liebe und 1971 als Nachfolger ein Wörterbuch der sexuellen Umgangssprache veröffentlicht, das neben einem lexikalischen Teil auch ein in 82 Themengebiete aufgeteiltes Synonymwörterbuch enthält. Es gilt als die umfangreichste Sammlung auf diesem Gebiet.

Da viele dieser umgangssprachlichen Synonyme nicht in Wörterbüchern aufgeführt sind, tun sich Fremdsprachler generell schwer mit ihnen; sowohl wenn es darum geht, sie zu verstehen, als auch, sie zu verwenden oder zu vermeiden. Eine der ersten sehr umfangreichen Sammlungen dieser Synonyme in der englischen Sprache befindet sich in der englischsprachigen Wikipedia unter Sexual slang. Eine entsprechende Synonymsammlung in der deutschsprachigen Wikipedia ist nicht erwünscht, da hier das Prinzip "Wikipedia ist kein Thesaurus" Priorität hat. Für Synonymlisten aller Art ist eigentlich Wiktionary das geeignete Wikimedia-Projekt.

Literatur

Ernest Borneman: Sex im Volksmund. Der obszöne Sprachschatz der Deutschen. rororo 1971/1991, Parkland 2003, ISBN 3893400362 Kategorie:Umgangssprache Kategorie:Sexualität

See also: Sexuelle Begriffe in der Umgangssprache, Anus, Deutsche Sprache, Englische Sprache, Ernest Borneman, Euphemismus, Fremdsprache, Genitalien, Humor, Masturbation