Shintō

[[Bild:KyotoFushimiInari.jpg|thumb|Torii-Tunnel am Fushimi Inari Schrein, Kyoto ]] Shintō (jap. 神道, dt. Weg der Götter) – auch Shintoismus – ist eine fast ausschließlich in Japan praktizierte Religion. Genauer bezeichnet Shinto:

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Wortbedeutung

Das Wort shintō entstammt dem Chinesischen, wo es shendao ausgesprochen wird. Shen (jap. shin oder kami ausgesprochen) bedeutet Geist(er), Gott/Götter, dao (jap. , oder michi) ist der Weg. Schon in der zweitältesten japanischen Reichsgeschichte Nihonshoki (712) ist shintō erwähnt, allerdings nur insgesamt viermal. Auch ist bis heute strittig, auf welchen göttlichen Weg sich das Wort im damaligen Sprachgebrauch bezog. Als organisiertes Glaubens-und Ritensystem existiert der Shintoismus ungefähr seit Beginn unserer Zeitrechnung. In der frühen Form war er eine reine Naturreligion, die die Vehrung von Naturgottheiten zum Inhalt hatte. Im 5. und 6. Jahrhundert wurde er vom chinesischen Konfuzianismus, von dem er die Ahnenverehrung übernahm, und vom Buddhismus, von dem er einige philosophische Gedanken und Riten entlehnte, stark beeinflußt und konstituierte sich als komplexes, religiöses System; gegenüber dem offiziellen Buddhismus spielte er aber als Volksreligion nur eine sozial untergeordnete Rolle. Im Jahre 1868 wurde er zur Staatsreligion erhoben, der japanische Kaiser Tenno (Meiji) als göttlich verehrt. Durch den Zweiten Weltkrieg verlor er 1945 seine Vorrangstellung als Staatsreligion, im Jahre 1946 verzichtete der Kaiser auf jeden Anspruch auf Göttlichkeit.

Der frühe Shintoismus ist charakterisiert durch den Glauben an eine Vielzahl von Gottheiten: Jeder Berg, jeder Fluß, alle Naturerscheinungen sind von einer Gottheit (kami) beherrscht. Die wichtigsten Gottheiten sind Vater Himmel und Mutter Erde, die die japanischen Inseln und die übrigen Gottheiten erschaffen haben. Amaterasu Omikami (Himmelsscheinende große Gottheit ) ist die wichtigste ihrer Schöpfungen: Sie wird nach shintoistischem Glauben ans Firmament entsandt und zur Herrscherin über die Sonne gemacht. Sie schickt ihren Enkel zur Erde herab, der von jenen Inseln Besitz ergriff, die Japan bilden, und der eine ewig dauernde Dynastie gründete. Diese mythologische Vorstellung von der Gründung Japans und der Errichtung der kaiserlichen Linie bildet eine zentrale Idee des Shinto.

Bis zum Jahre 1868 spielte der Shintoismus neben dem Buddhismus eine nur untergeordnete Rolle. Erst in Verbindung mit buddhistischem Gedankengut, vor allem der Schulen Tendai und Shingon wurden viele Shinto-Gottheiten als Inkarnationen von Buddhas und Bodhisattvas aufgefaßt und zu Beschützern der buddhistischen Lehre umfunktioniert.

In der Tokugawa - Periode, Anfang des 16. bis Mitte des 19. Jahrhunderts, kam es zu einer partiellen Verbindung des Shintoismus mit dem konfuzianischen Gedankengut des Chu Hsi, der besondere Wichtigkeit auf die Verehrung des Kaiser legte. Zur gleichen Zeit bildeten sich verschiedene Richtungen innerhalb des Shintoismus heraus, die auf der volkstümlichen Ausformung des Glaubens beruhen. Insgesamt unterscheidet man 13 Hauptströmungen und unzählige Nebenströmungen, die den ethischen Aspekt betonen und unter anderem die Verehrung von Bergen und Geistheilung praktizieren. Ihre Rituale entstammen teilweise noch der Frühzeit des Shintoismus, teilweise sind sie auch neueren Ursprungs.

Geschichte

Schon in vor-buddhistischer Zeit wurde in Japan eine Unzahl einheimischer Gottheiten verehrt, zumeist in Zusammenhang mit ehrfurcht-gebietenden Naturerscheinungen wie Bergen, Felsen oder Bäumen. Wie die ganze altjapanische Kultur war diese Religion wahrscheinlich mit den schamanistischen Kulten des sibirisch-mongolischen Festlandes verwandt und daneben auch durch die Kulte der Südsee beeinflusst, verfügte aber weder über ein einheitliches Glaubenssystem noch über einen allgemeinen Namen. Beides, sowohl eine systematische Theologie als auch die Bezeichnung "Shintō" nahm erst im 12. Jahrhundert, also 600 Jahre nach der Übernahme des Buddhismus in Japan, langsam Gestalt an. Die ersten Doktrinen zur Lehre der kami wurden von buddhistischen Mönchen verfasst und waren dementspechend vom Buddhismus, aber auch von chinesischen Vorstellungen des Konfuzianismus und des Taoismus geprägt. Es waren im Grunde Versuche, die volkstümlichen Glaubensvorstellungen der kami in den Dienst der Verbreitung des buddhistischen Glaubens zu stellen.

Erst im 18. und 19. Jahrhundert entstand eine Denkrichtung, die bemüht war, den Shintō von allen "fremden", d.h. indischen und chinesischen Ideen zu reinigen und zu seiner "Urform" zurückzufinden. Diese Schule heißt auf Japanisch Kokugaku (wörtlich Lehre des Landes) und gilt als Wegbereiterin des Staats-Shintō, wie er sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts, im Zuge der Neuordnung des japanischen Staates (Meiji-Restauration) herausbildete. Shintō sollte damals als ideologisches Instrument zur Wiederbelebung der Macht des Kaisers dienen. Zu diesem Zweck wurde eigens ein Gesetz erlassen, das den gemeinsamen Kult von buddhistischen und shintoistischen Institutionen verbot.

Davor waren die meisten Schreine des Shintō in buddhistische Tempelanlagen integriert gewesen und in den buddhistischen Tempeln wurden nicht nur Buddhas, sondern auch indische und japanische Gottheiten verehrt. Die meisten Shintō-Schreine hatten vor der Meiji-Restauration übrigens keine eigenen Shintō-Priester sondern wurden von buddhistischen Mönchen betreut. Nur die ganz großen shintoistischen Institutionen waren in den Händen von erblichen Priester-Dynastien, die aber im japanischen Mittelalter (12. - 16. Jh.) fast ausnahmslos einem buddhistischen Tempel unterstellt wurden. Obwohl das "Gesetz zur Trennung von Buddhas und Shinto-Göttern" einschneidende Veränderungen mit sich brachte, sind die Spuren der einstmaligen Vermischung noch heute in vielen religiösen Instititutionen zu bemerken.

Nach der Meiji-Restauration (1868), besonders aber in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wurde Shinto massiv in die Propaganda der neuen aggressiven, nationalistischen Politik eingebunden. Im Gegensatz zu den meist lokal begrenzten Schreintraditionen wurden Shintō-Schreine nun landesweit zu Verehrungsstätten des Tennō umgedeutet und jeder Japaner, ungeachtet seiner religiösen Überzeugung, war angehalten, dem Tennō in Form von Schreinbesuchen seine Reverenz zu erweisen. Aus Rücksicht auf die unter westlichem Einfluss verfassungsmäßig garantierte Religionsfreiheit wurde dieser Schreinkult aber nicht als religiöser Akt, sondern als patriotische Pflicht definiert. Die daraus resultierende Zweideutigkeit hinsichtlich der eigentlichen Natur des Shintō - religiöser Kult oder Ausdruck nationaler Verbundenheit - stiftet bis heute Verwirrung. Offiziell wurde der sog. Staats-Shinto nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschafft, einzelne Institutionen, denen eine politische Nähe zum Staats-Shinto nachgesagt wird, etwa der Yasukuni-jinja in Tokyo, existieren jedoch heute noch.

Religiöse Praxis

thumb|right|Eheschließung im Meiji-Schrein, Tokyo 2002In der heutigen Praxis spielt der Tenno-Kult nur noch in wenigen Schreinen eine zentrale Rolle. Die vieldeutige, polytheistische Natur der einheimischen Götter (kami) macht es überdies nach wie vor schwer, einen gemeinsamen religiösen Kern im Shinto zu finden. Andererseits verfügen Schreine über ein paar allgemeine Erkennungsmerkmale, die sie deutlich von z.B. buddhistischen Traditionen unterscheidet: An den Eingängen eines Schreinareals findet man das charakteristische torii, ein Tor, das aus zwei Grundpfeilern und zwei Querbalken besteht. Heilige Gegenstände, oft auch Bäume oder Felsen, werden mit einem Strohseil (shimenawa) gekennzeichnet. Shinto-Priester sind heute stets mit einer Amtsrobe bekleidet, die auf die Adelstracht der Heian-Zeit zurückgeht. Auf dem Gebiet des Ritus ist das Bemühen um Reinheit besonders auffällig. Die wichtigsten und häufigsten Shinto-Riten sind harae (wtl. "Wegfegen") und misogi ("Waschung"), beides Formen der rituellen Purifikation. Rituelle Verunreinigung (kegare), vor der diese Riten schützen sollen, entsteht weniger aus moralischen Übertretungen als aus wissentlichem oder unwissentlichem, bzw. absichtlichem oder unabsichtlichem Übertreten von Tabu-Regeln, wozu auch die Berührung mit Kranken oder Toten gehört. Diese Logik der rituellen Reinheit/Unreinheit ist sehr alt und vielleicht die wichtigste Quelle, aus der bis heute immer wieder neue shintoistische Riten entstehen.

Im modernen Alltagsleben der Japaner spielen sowohl Shinto als auch Buddhismus eine gewisse Rolle, wobei die Mehrzahl keinen Widerspruch darin sieht, sich zu beiden Religionen zu bekennnen. Allgemein tendiert man dazu, shintoistische Riten für freudige Anlässe (Neujahr, Hochzeit, Gebet um Alltagsdinge), buddhistische dagegen für traurige und ernste Anlässe (Todesfall, Gebet um lebensentscheidende Dinge) heranzuziehen.

Wichtige Gottheiten

Siehe: japanische Götter

Weblinks

  Kategorie:Japanische Religion

See also: Shintō, Amaterasu, Animismus, Bodhisattva, Buddha, Buddhismus, Inkarnation, Ise-Schrein, Japan, Japanische Götter