Sichuan
| Abkürzung: 川 (Pinyin: Chuān) | |
| Hauptstadt | Chengdu |
| Fläche - Gesamt - % Wasser | 5. Stelle 485 000 km² ? |
| Bevölkerung
| 3. Stelle
|
| Verwaltungstyp | Provinz |
| Bild:China provinces sichuan.png | |
| ISO 3166-2-Kürzel | CN-51 |
| Bezirksebenen | 21 |
| Kreisebenen | 181 |
| Gemeindeebenen | 5144 |
Sìchuān (chin.:四川,dt.:Vier Flüsse) ist eine zentralchinesische Provinz mit Chengdu als Hauptstadt. Traditionell wurde Sichuan auch als Land des Überflusses (天府之国; Pinyin: Tiānfŭ zhī guó) bezeichnet.
| Inhaltsverzeichnis |
Geographie
Sichuan liegt östlich des tibetanischen Hochplateaus am Oberlauf des Yangtse.
Den Kern der Provinz Sichuan bildet das Rote Becken, eine fruchtbare, von Gebirgen umgebene Ebene. Die Ebene hat ein Nord-Süd-Gefälle von 700m auf 300m .
Der Westen wird von Hochgebirgsketten wie dem Großen Schneegebirge (大雪山;Dàxuěshān) beherrscht, das mit dem Gongga (7556m) die höchste Erhebung der Provinz hat. Nach Norden wird das Becken vom Qinling-Gebirge (秦岭山) abgeschlossen, das bis in die 4000er geht. Richtung Süden und Südosten liegt das Dalou-Gebirge (大娄山) mit Gipfeln um die 2000m.
weitere bedeutende Berge: Erlangshan (二郎山;3437m); Emeishan (峨眉山;3099m), Siguniangshan (四姑娘山;6254m)
Der Yangtse ist der größte und wasserreichste Fluß, der Sichuan durchquert. Sein Verlauf bildet den Großteil der West- und Südgrenze der Provinz, wobei er noch bis Yibin den Namen Jinshajiang (金沙江; Goldsandfluss) trägt. In Sichuan nimmt er vier Zuflüsse auf, die der Provinz ihren Namen gaben. Diese vier Flüsse sind der Minjiang (岷江), Tuojiang (沱江), Jialingjiang (嘉陵江) und Wujiang (乌江). Vorher hat er bereits bei Panzhihua den Yalongjiang (雅礱江) aufgenommen.
Benachbarte Provinzen sind Tibet, Qinghai, Gansu, Shaanxi, Chongqing, Guizhou und Yunnan.
Klima
Das Rote Becken von Sichuan hat trotz der kontinentalen Lage ein subtropisches Klima. Die geschützte Lage im Tal beschert der Ebene 350 frostfreie Tage im Jahr und damit die Möglichkeit ganzjährig Landwirtschaft zu betreiben. Eine wichtige Grenze wird dabei durch das Qinling-Gebirge nach Norden hin markiert. Im Januar beträgt nördlich davon die Durchschnittstemperatur 0°C, im südlich davon gelegenen Sichuan 8°C. Die sommerlichen Durchschnittstemperaturen liegen bei 30°C. Die Niederschlagsmenge liegt bei 1000mm und wegen starker Wolken- und Nebelbildung kommt Sichuan nur auf 25-30 Sonnentage pro Jahr.
Die klimatischen Bedingungen in den gebirgigen Regionen, die das Rote Becken umschliessen und nach Westen zum tibetanischen Hochplateau ansteigen, sind dagegen deutlich kälter und trockener.
Flora & Fauna
thumb|left|120px|Pandabären in Wolong/Sichuan Die vielfältige Geomorphologie und das unterschiedliche Klima haben für eine reichhaltige Pflanzenwelt günstige Bedingungen geschaffen. Die Provinz verfügt über 7,46 Millionen ha Wald. Ein Fünftel der sog. "lebenden Fossilien" Chinas wie der Urweltmammutbaum und die Cathaya argyrophylla sind in Sichuan endemisch. Der Panda, eines der nationalen Symbole Chinas, ist in vier Gebirgen Sichuans heimisch und wird in Schutzzonen besonders gehegt. Das bedeutendste Naturschutzgebiet ist Wolong.
Bevölkerung
Neben einer Mehrheit von Han-Chinesen (95%) leben in Sichuan Angehörige der Minderheiten der Yi (2,6%), Tibeter (1,5%), Qiang (0,4%) und Miao. Der größte Teil der Bevölkerung lebt in der Ebene und ist von den Han dominiert, während die gebirgigen Gebiete dünn besiedelt sind und stark von den Minderheiten geprägt werden.
1997 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 69,7 Jahren.
Sichuan ist eine bedeutende Ausgangsregion für innere Migration, d.h. viele Wanderarbeiter stammen aus dieser Provinz.
Administrative Gliederung
Der westliche Teil Sichuans mit über einem Drittel der Fläche der Provinz gehörte bis 1955 zur Provinz Kham (西康省; Xikang).
Die Stadt Chongqing mit dem dazugehörigen Verwaltungsbezirk wurde am 14.März 1997 als regierungsunmittelbare Stadt aus der Provinz Sichuan ausgegliedert.
Sichuan ist in 18 Verwaltungsbezirke und 3 autonome Bezirke gegliedert.
Verwaltungsbezirke:
Chengdu (成都), Mianyang (绵阳), Deyang (德阳), Yibin (宜宾), Panzhihua (攀枝花), Leshan (乐山), Nanchong (南充), Zigong (自贡), Luzhou (泸州), Neijiang (内江), Guangyuan (广元), Shuining (遂宁), Ziyang (资阳); Guang'an (广安), Ya'an (雅安), Meishan (眉山); Dazhou (达州), Bazhong (巴中)
autonome Bezirke:
autonomer Bezirk Aba der Tibeter und Qiang (阿坝藏族羌族自治州), autonomer Bezirk Ganzi der Tibeter (甘孜藏族自治州), autonomer Bezirk Liangshan der Yi (凉山彝族自治州)
weitere bedeutende Städte:
Xichang (西昌)
Sprache
In Sichuan wird ein Dialekt des Mandarin gesprochen: Sichuanhua (四川话)
Geschichte
Seit der Shang-Dynastie existierten in Sichuan Siedlungen, aus denen sich im 9.Jahrhundert v.Chr. die Königreiche Shu (蜀) und Ba (巴) entwickelten, bis sie 316 v. Chr. vom aufstrebenden Reich der Qin annektiert wurden. Ein archäologischer Fundort für das Reich Shu liegt im Dorf Sanxingdui (三星堆).
Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde mit der Errichtung des Bewässerungssystems von Dujiangyan eine wichtige Grundlage für den agrarischen Reichtum der Provinz gelegt.
Brach die Herrschaft einer chinesischen Dynastie zusammen, gehörten die Bewohner Sichuans stets zu den ersten, die die Wirren nutzten, um ein eigenes Königreich zu gründen. Dies war im Jahr 24 der Fall, als sich Gongsun Shu während der Aufstände der Roten Augenbrauen zum König von Shu ausrufen ließ. Seine Herrschaft bestand bis 36, als sie von Guangwudi (光武帝)zerschlagen wurde.
Als der Aufstand der Gelben Turbane das Ende der Han-Dynastie einläutete, errichtete Zhang Lu (张鲁) von 186 bis 216 in Sichuan und Süd-Shaanxi eine daoistische Theokratie, die auf den Lehren seines Großvaters Zhang Daoling (张道陵) beruhte.
Im Zerfall des Reichs der Han gründete Liu Bei (刘备/劉備) 221 Shu-Han (蜀汉), eines der Drei Reiche, die für die folgende Periode namensgebend waren.
In den frühen 30er Jahren waren bereits die nördlichen Teile Sichuans kommunistisch kontrolliert. 1935 führte die Route des langen Marsches durch Sichuan; dabei war die Erstürmung der Brücke von Luding eine der gewagtesten Aktionen.
1936 erlebte Sichuan eine extreme Dürre mit folgender Hungersnot.
Nach der Eroberung von Wuhan durch die Japaner verlegten die Nationalisten unter Chiang Kai-shek 1938 ihr Hauptquartier nach Chongqing.
1949 wurde nach Ausrufung der VR China das Südwest-Büro unter der Führung des gebürtigen Sichuanesen Deng Xiaoping eingerichtet, um die Herrschaft der KPCh in dieser Region zu festigen. Im Dezember 1949 eroberten die Kommunisten mit Chongqing den letzten Festlandsstützpunkt der KMT.
1975 wurde Zhao Ziyang Parteisekretär in Sichuan und leitete erste marktwirtschaftliche Reformen in der Landwirtschaft ein.
Wirtschaft
Die Provinz Sichuan ist insgesamt noch vorwiegend agrarisch geprägt. Die Regierung bemüht sich allerdings um eine aktive Wirtschaftspolitik und hat in Chengdu und Mianyang Sonderwirtschaftszonen eingerichtet.
Unter den Inlandsprovinzen gilt Sichuan als relativ wohlhabend, kann sich aber nicht mit Küstenregionen wie Guangdong messen
2002 betrug das Bruttosozialprodukt der Provinz 488 Mrd. RMB. 2000 lag ein städtisches Durchschnittseinkommen bei 5.894 RMB und ein ländliches bei 2.768 RMB. 1999 lag die offizielle Arbeitslosenquote bei 3,7%.
Landwirtschaft
Sichuan gilt vorwiegend als Reisanbaugebiet, ist aber auch bedeutender Produzent von Mais, Süßkartoffeln, Weizen, Raps und Soja. Der Anbau von Obst und Zitrusfrüchten ist ebenfalls verbreitet. An tierischen Produkten sind vor allem Schweinefleisch und Seidenkokons bedeutend.
Der Wert der landwirtschaftlichen Produktion stieg von 1994 - 1999 jährlich um durchschnittlich 5,6% auf 144,5 Mrd. RMB
Bergbau
In Sichuan werden Eisen (bei Panzhihua), Titan, Vanadium und Kobalt abgebaut.
Industrie
Im Jahr 1999 betrug der Wert der industriellen Produktion von Sichuan 390 Mrd. RMB. Neben Schwerindustrie (Eisen, Stahl, Energieerzeugung) existiert Leichtindustrie mit Holzverarbeitung, Seidenweberei und Lebensmittelproduktion.
Infrastruktur
Sichuan wurde in den 1950er Jahren in das Eisenbahnnetz der VR China integriert und seither ist Chengdu der wichtigste Knotenpunkt in Chinas westlicher Region. Die Verbindungen mit den anderen Landesteilen laufen nach Norden über Baoji nach Xi'an, nach Westen über Chongqing und nach Süden über Xichang nach Kunming. 1998 betrug die Gesamtlänge der Strecken 2693 km.
Nach Tibet in Richtung Westen führt nur eine ausgebaue Straße über Kangding. Das Autobahnnetz befindet sich noch im Ausbau. 1998 hatte es aus 550km Streckenlänge zwischen Chongqing, Chengdu, Mianyang und Xinjin.
Chengdu besitzt mit Shuangliu einen internationalen Flughafen.
Tourismus
In der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes bzw. Weltnaturerbe werden aus Sichuan aufgelistet:
- Jiuzhaigou (九寨沟)
Jiuzhaigou ist ein 440 km nördkich von Chengdu gelegenes Naturschutzgebiet, das Wasserfälle und Minderheitenkultur zu bieten hat.
- Huanglong (黄龙)
- Emeishan (峨眉山)
Der Emeishan liegt 165 km südwestlich von Chengdu. Es ist einer der vier dem chinesischen Buddhismus heiligen Berge. Der Legende nach soll der Bodhisattva Samantabhadra auf dem Emei gelehrt haben. Der Berg ist mit Tempeln übersäht und ein populäres Pilgerziel.
- Leshan-Buddha (乐山大佛)
Der Große Buddha von Leshan wurde zwischen 719 und 803 aus einer Felsklippe des Min-Flusses gemeißelt. Mit einer Höhe von 71 Metern ist er die größte sitzende Buddhastatue der Welt.
- Qingchengshan (青城山)
- Dujiangyan (都江堰)
Sonstiges
Sichuan ist nomineller Handlungsort von Bertolt Brechts Theaterstück Der gute Mensch von Sezuan, als solches aber nicht zu erkennen.
Weblinks
- Basisinformationen für Investoren (Deutsch)
- offizielle Homepage der Provinzregierung (Chinesisch)
- UN-Daten mit Schwerpunkt Bevölkerungsentwicklung (Englisch)
- wirtschaftsstatistische Daten des Provinzstatistikamts (Chinesisch)
- wirtschaftsstatistische Daten (Englisch)
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