Siedlungswasserwirtschaft

Die Siedlungswasserwirtschaft organisiert den Umgang mit Trinkwasser, Brauchwasser, Abwasser und Regenwasser im Umfeld von Siedlungen und wird in Deutschland überwiegend dem Bauingenieurwesen zugeordnet.

Wasserver- und -entsorgung

Die Trink- und Brauchwasserversorgung untergliedert sich in die Wassergewinnung, die Wasseraufbereitung, die Wasserspeicherung, die Wasserförderung und die Wasserverteilung.

Die Abwasserentsorgung untergliedert sich in die Abwasserableitung, die Abwasserreinigung und die Klärschlammbehandlung.

Regenwasserbewirtschaftung

Die Regenwasserbewirtschaftung ist das umstrittenste Teilgebiet der Siedlungswasserwirtschaft. Regen fällt selbst in Deutschland in sehr unregelmäßigen Zeitabständen und Mengen an. Das führt regelmäßig zu Überschwemmungen. Während die Natur sich jedoch über Jahrtausende, bzw. Jahrmillionen hinweg auf die Unregelmäßigkeit von Regenfällen einstellen konnte, kam, insbesondere dem modernen Menschen, diese Muße immer mehr abhanden.

Um den Betrieb von Wohn- und Produktionsstätten, wie auch der Verkehrswege möglichst selten durch Niederschläge beeinträchtigen zu lassen, wurden aufwendige Niederschlagsentwässerungsanlagen errichtet. Diese Vorgehensweise ist jedoch nicht nur kostspielig, sondern führt auch dazu, dass Regenwasser schneller und in größeren Mengen in die Vorfluter gelangt und führt bei den Unterliegern zu einem Anstieg der Hochwassergefahr.

Eine bewährte Gegenmaßnahme zur großflächigen Flächenversiegelung der letzten Jahrzehnte ist die Entsiegelung. Darunter versteht man den Verzicht auf die Ableitung von Regenwasser, das stattdessen an Ort und Stelle versickert wird. Diese ökologisch wie ökonomisch gleichermaßen vorteilhafte Strategie bietet sich jedoch nur im Rahmen von Neubaumaßnahmen an und setzt einen wasserdurchlässigen Untergrund und einen hinreichenden Abstand zum Grundwasserspiegel voraus.

Organisation, Preisfindung und Wirtschaftlichkeit

Der globale Siegeszug der Marktwirtschaft hat auch vor der Siedlungswasserwirtschaft nicht Halt gemacht. In immer mehr Ländern werden immer mehr Aufgabenfelder der Siedlungswasserwirtschaft, die sich von jeher in staatlicher Obhut befanden, dem Markt anvertraut. Dieser Trend hat Vor- und Nachteile.

Grundsätzlich sorgen Privateigentum und Marktwirtschaft für mehr Effizienz bei der Güterherstellung, also für mehr Nutzen bei weniger Aufwand. Problematisch ist jedoch, dass Wirtschaftsgüter deren Bereitstellung auf der Nutzung einer kostspieligen Netzinfrastruktur beruht, ein natürliches Monopol darstellen. Ein in der Siedlungswasserwirtschaft tätiges Unternehmen kann daher bei fehlender staatlicher Kontrolle seine Kosten optimieren, ohne durch konkurrierende Unternehmen dazu gezwungen werden zu können, seinen Kostenvorteil an seine Kunden weiterzugeben.

Der Monopolpreis von Wasser dürfte heute jedoch in den meisten Ländern bei einem Vielfachen der Produktionskosten liegen. Das hat in bekanntermaßen anfälligen Ländern (siehe Korruptionsindex) zu einer zusätzlichen Belastung der Bürger durch Korruption und überhöhte Wasserpreise geführt.

Ein ökonomisches Prinzip, das einen Monopolisten dazu zwingt, stets nur den Marktpreis und nicht den Monopolpreis zu verlangen und zugleich auch noch fortwährend seine Kosten wie auf einem Konkurrenzmarkt zu optimieren, ist noch nicht gefunden.

Denkbar wäre eine Lizenzversteigerung für einen überschaubaren Zeitraum bei einem behördlich vorgegebenen Gebührenniveau mit einer strikten Anbindung an die Inflation. Diese langfristige Preisbindung würde jedoch ein erhebliches Risiko für die mitbietenden Unternehmen darstellen, das diese sich entsprechend bezahlen lassen würden.


Kategorie:Wasserwirtschaft

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